[ Dieses Tagebuch habe ich im Mai 2002 auf einem Trödelmarkt in Bonn für 0,50Euro gekauft. Ich habe den Text, soweit ich ihn lesen konnte, originalgetreu abgedruckt. Alle Kommentare von mir sind wie hier in eckigen Klammern, ausgenommen die Anmerkungen am Ende des Textes. Amerkungen sind mit [1], [2] etc. gekennzeichnet. Wenn ich ein Wort oder einen Wortteil überhaupt nicht lesen konnte, ist dies durch drei ??? gekennzeichnet. Bin ich mir bei einem Wort nicht sicher, beispielsweise weil es keinen Sinn zu ergeben scheint, habe ich dies mit einem an das Wort anschließenden (?) gekennzeichnet. Korrigiert habe ich einige offensichtliche Schreibfehler. Wenn ein Satz, so wie er dort stand, keinen Sinn ergab, oder grob grammatikalisch falsch war, habe ich ihn so gelassen. Michael Becker, 6.6.2002 (für eine Kontakt-e-mail-Adresse s. www.lamedon.de)) ] -------------------------------------------------------------------------- Dieses Büchlein beginnt mit der Fahrt von Rüthen nach zweieinhalb jähriger Abwesenheit nach unserem Wohnsitz Glees, am Laacher See 14.5.1943 14. 5.1943 Mit dem Handwagen bringen Emmi und ??? die Koffer zur Bahn. Anne fährt wieder nach Warstein. Wir fahren weiter über Wuppertal nach Köln. Seit Januar 1941 sehe ich zum ersten mal den deutschen Rhein wieder. Weiter geht es nach Brohl, wo ich die ersten Gleeser treffe. Burgbrohl. Mit dem Auto geht's nach Glees. Dort hat Frau Daub ein herrliches Essen auf dem Tisch stehen. Und nun geht's nach der langen Fahrt müde zu Bett. Kein Wecker wirft uns morgen aus unseren Ehebetten. Denn keine Uhr geht. 15. 5.1943 Zuerst heisst es, alles etwas gemütlich einrichten und ordnen. Ich hacke etwas Holz. Nachmittags gehen wir zum Einkauf nach Wehr und zu föl.(?) Prümm [6]. 16. 5.1943 Der Sonntag ist ein Ruhetag. Lange wird geschlafen. Am Nachmittag erfreuen wir uns im schönen Wald. In den letzten Tagen bin ich etwas viel gegangen. Der Fuß schwillt jeden Abend ordentlich an. 17. 5.1943 Hinter der Waschküche ordne ich den Geröllhaufen, hacke alles Holz und reinige mit Dora die Waschküche. An dem neugespannten Draht im Hof hängen die Anzüge aus dem Kleiderschrank. 18. 5.1943 Heute baumelt die Leibwäsche auf dem Draht. Ich ordne in den Papieren des Schreibtisches weiter. So kommt eins nach dem anderen dran. Dazwischen bleibt auch nocht Zeit für die Liebe! 19. 5.1943 Wir räumen auf dem Speicher, als von Gisela eine Karte ankommt, daß sie uns Freitag besuchen will. Wenn wir nun auch mit dem Reinemachen nicht mehr fertig werden, so freut uns doch diese Nachricht sehr. 20. 5.1943 Von N.Lahnstein erhalte ich einen Anruf, daß Gisela schon morgen gegen 9Uhr in Burgbrohl sein wird. Ich freue mich auf das Wiedersehen sehr. Heute kommen auch die 2 Pakete aus Saybusch(? Laybusch?) und das Paket mit Liebhaberworl(?) aus Wien. 21. 5.1943 Ich gehe schon um 8.00Uhr zur Bahn, Gisela abholen. Fast 7 Jahre haben wir uns nicht mehr gesehen. Auf dem Wege zur Bahn habe ich schon Doras Einkaufswünsche erledigt. Nun bummeln wir zwei das schöne Gleesbachtal hinauf. So viel haben wir uns ja zu erzählen. Unterwegs lädt uns Frau Daub ein, die durch ihre drolligen Erzählungen uns nicht mehr aus dem Lachen bringt. Nun sind wir zu dritt in der Wohnung. Es ist so recht gemütlich. 22. 5.1943 Gegen Mittag kommt auch Odilia, die wir vor einigen Tagen eingeladen hatten. Dora holt sie ab, weil sie noch etwas kaufen will. Leider ist im Herrenzimmer die Begrüßung von Seiten Odilias äußerst kalt und beleidigend. Den ganzen Nachmittag über bleibt Giselas Anrede an Odilia von ihr unberücksichtigt. Es ist ein trauriger Tag in meinem Heim. 23. 5.1943 Auch heute bleibt es so. Nach dem Mittagessen machen wir einen Spaziergang zum Cafe Waldfrieden, am See entlang nach Maria Laach und zurück. Endlich wird das Thema: Haus, Wäsche, Miete besprochen. Odilias Gedanken sind egoistisch, borniert, (alles verdrehend?). Müde kommen wir wieder in Glees an. Ich gebe Odilia ein Kuchenblech, eine (Buntform?) und 10 Einmachgläser. 24. 5.1943 Am frühen Morgen fahren wir alle 4 nach Brohl. Mit gehässigen Worten(?) geht Odilia ohne Abschied von Gisela, da ihr Zug nach Neuwied zuerst abfährt! Wir 3 fahren weiter nach Ahrweiler, wo wir endlich unsere Wäsche abholen. In der Wohnung sehen wir uns in den alten Räumen um. Auffallend ist die eigenartige Verteilung der Wäsche. Zum Mittag holt Gisela 3 Flaschen Bier, die wir bei unseren Butterbroten trinken. Wir prüfen und verpacken unsere Wäsche. Dann gehe ich mal in die Nachbarschaft. Heinrich Peters treffe ich an. (???) ist in Stalingrad geblieben. Auf der Heimfahrt fährt Gisela mit bis Neuenahr und geht dort zu Familie ?acker. In Burgbrohl holt uns Maria Daub mit dem Wagen ab. 25. 5.1943 Den Nachmittag verbringe ich mit Besuchen der Nachbarschaft: Nuppeney(?), Maur und Neuhöfer [7]. 26. 5.1943 Ich setze noch 170 Salatpflänzchen. Dora näht meine Sachen für den morgigen Abschied. Abends gehen wir zu Familie Daub und rechnen mit der NSV, Partei und allem, was sich im letzten Jahr angesammelt hat, ab. 27. 5.1943 Die Morgenstunden vergehen mit Abschiednehmen bei Johannes Schmittgens schnell dahin. Zum Abschied gibt es Bohnensuppe mit Reibekuchen. Dann gehen Dora und Maria Daub mit zur Bahn. Dora fährt mit bis Koblenz, wo wir zum Deutschen Eck wandern. 17.00Uhr fährt mein Zug ab, bald darauf auch der nach Köln, der Dora wieder nach Hause bringt. Durchs Moseltal geht die schöne Fahrt. Um 20.20Uhr bin ich in Trier. TRIER Auf zur Göbenkaserne. Ruwerer(?)straße. 2. Gen. Komp. Gren. Ers. und Ausb. Batt. 124. Block 13 Stube 15 Eine Decke gegen Soldbuch beim ??? und dann geschaut, wo eine leere Falle ist. 28. 5.1943 Wir müssen uns nach dem Unterricht dem Arzt vorstellen. 3 Wochen Sondergenesungsurlaub. Der Dienst ist leicht. Aber der Luftschutz, zu dem jeden Tag 40 Mann bereitstehen müssen lässt viele Kameraden Abend für Abend in der Kaserne verbringen. 29. 5.1943 Von 12-14.00Uhr sitze ich zum ersten mal auf dem Batt.(?) Geschäftszimmer Abt. Ib Ersatz. "Schreiber vom Dienst" nenne ich mich. Es ist ein leichter Dienst, besonders angenehm, weil man mit der Komp. nichts zu tun hat. Die Essensmarken hole ich nun jeden Tag vorher beim Rechnungsführer. Mit dem Essen kann man gut zufrieden sein. Meckerer gibt es immer. 30. 5.1943 Um 10.00Uhr ist mein Dienst aus. Rüber zur Komp. Waschen, Rasieren und Frühstücken. Nach dem Essen, das schon um 11.30Uhr eingenommen wird, wandere ich ans Strandbad, dann über die neue Brücke durchs Busental(?) zum Wasserfall; alte vertraute Wege von 1927-33, als ich hier auf dem Gymnasium war. Auf dem Heimweg bummele ich durch die Stadt, esse an der Porta Nigria in der Casparybräu(?). 31. 5.1943 Dem Unterricht von 7.00-8.00Uhr wohne ich immer bei, es ist eine kleine Auffrischung des Gelernten und ein Schauen, wie andere unterrichten. Von 12-14.00 ist wieder Dienst, und dann von 18.00Uhr bis 1. 6.1943 8.00Uhr. Der Morgen wird verschlafen. Nachmittags gehe ich mit den anderen schwimmen. Im Strandbad geht es überhaupt nicht. Selbst auf den kleinsten Stein kann ich nicht treten. So krabble ich den 1m weit wieder ans Ufer. Auf der Wiese steht ein Reck. Da messen wir unsere Kräfte und Künste. Ich bin mit meinem Können noch zufrieden. Wenn nur der verdammte Fuß nicht wäre. Abends fahre ich noch in städtische Hallenbad, wo es auf den glatten, geraden Fliesen eine Freude bereitet. Eine zufällige Übungsstunde der Jüngsten des Trierer Schwimmvereines bereitet mir viel Vergnügen. Meinen Urlaub kann ich noch nicht antreten, weil zum Luftschutz zu wenige da sind. 2. 6.1943 Von 12-14.00 und dann von 18.00Uhr an ist wieder Dienst. Hierzu nehme ich meine 2 Decken und mein Köfferchen mit, in dem mein Ess- und Waschzeug ist. Ein guter kleiner Radioapparat verkürzt die Langeweile. 3. 6.1943 Von 8.00Uhr an habe ich wieder den ganzen Tag frei. Bis 12.00Uhr wird gepennt. Beim Antreten werde ich aufgerufen. Nachher auf der Schreibstube sagt der Spieß zu mir, daß ich nach dem Urlaub auf die Schreibstube komme. Von 15.00 bis 19.00Uhr gehe ich wieder ins Stadtbad. Zuerst ein Wannenbad(?) und dann ins Becken. 4. 6.1943 Von 12-14.00Uhr habe ich Dienst. Nachmittags kaufe ich für einen Uffz. (Bekl. K.) Wurst und Brot, für mich einige Brötchen. Die Trierer Luft macht mir ordentlich hungrig. Seit 18Uhr sitze ich nun wieder auf dem Batt. Geschäftszimmer, mache Notizen oder erledige die Post. 5. 6.1943 Nun habe ich seit 8.00Uhr den ganzen Samstag frei. Allerdings ist morgens das Revierreinigen. Nachmittags bin ich wieder im Stadtbad. Eine halbe Stunde im Wasser, da heißt es: "Voralarm, alle raus!" Was das bei den vielen Kindern eine Arbeit ist. Gerade bin ich angezogen, als das Bad wieder freigegeben wird. Nochmal 20Pfg. bezahlt und dann wieder rein ins Element. Auf dem Heimweg stille ich meinen Hunger in der Caspary Bräu an der Porta. 6. 6.1943 Von 12-14.00Uhr soll ich Dienst haben, aber mein Nachfolger, ein Feldwebel, kommt nicht, und so mache ich durch bis Montag früh um 8.00Uhr. Abends um 23.30Uhr bekomme ich das erste seit morgens 11.00Uhr zu essen, weil einer auf dem Zimmer bleiben muss. Auf dem Gang ins Komp. Gebäude gebe ich um 23.30 erneut meinen alten Urlaubschein ab. Verärgert lege ich mich ins Bett. 7. 6.1943 Um 10.00Uhr erfahre ich, daß mein Urlaubsgesuch genehmigt ist. Na, nun weg mit dem ganzen Ärger von gestern. Beim ??? werden die Sachen abgegeben, den gewöhnlichen Laufzettel noch mit den Unterschriften füllen lassen, und dann geht's zum Bahnhof. 3 Wochen Sondergenesungsurlaub! Juchhei. Meinen Brief von heute morgen an Dora kann ich morgen selbst in Glees in Empfang nehmen. Der SFR Zug von Metz nach Berlin ist brechendvoll. Gleichviel! Bis Koblenz stehe ich 2 Stunden lang auf einem Bein im Gang eingequetscht. In Burgbrohl kann ich kaum zur Autovermietung Glees gehen. In wenigen Minuten bin ich bei meinem überraschten Frauchen, das für morgen alles blitzblank haben will. Das machen wir morgen zusammen. 8. 6.1943 Mit Aktenordnen geht manche Stunde der folgenden Tage dahin. 9. 6.1943 Die Uhr ist morgens Nebensache. Wann es uns gefällt, wird der Tag begonnen. Es soll ja ein angenehmer Urlaub werden. 10.,11.,12. 6.1943 Zusammen machen wir alles schön für das Pfingstfest. Grüße vom Laacher See. wandern hinaus zu den Verwandten, Freunden und Kamaraden. 13. 6.1943 Pfingsten! 14. 6.1943 Wir wandern am See. 15. 6.1943 Kalt ist die Witterung, es regnet oft. Gewitter wechseln sich fast 1/4 stündlich ab. Das Wetter ist zum Kotzen. Na, uns macht es nichts aus. Wir sind ja daheim, zusammen! Nur das ewige Nörgeln und Meckern mancher Bauern(?) geht einem auf die Nerven. 16. 6.1943 Morgen wollen Frl. Prümm und Koll. Kreh(?) kommen. Nachmittags backen wir gemeinsam. Heute bin ich 1 Jahr verwundet. [1] 17. 6.1943 Nach langer Zeit unterrichte ich nochmal in der Schule. Ich erzähle den Kindern von Bulgarien, Griechenland, der Krim und Sewastopol. Am Nachmittag kann der Besuch leider nur 1 Stunde bei uns bleiben. 18. 6.1943 Den lang versprochenen Besuch in Biedenkopf wollen wir nun endlich in die Tat umsetzen. Zum ersten Zug gehen wir schon hinab nach Burgbrohl. Koblenz! Dann geht es bis Giessen, umsteigen bis Marburg, und dann in den letzten Zug. Schön ist die Fahrt. Nur sind wir beide sehr müde. Herrlich ist das Wetter. Zufällig ist heute in Biedenkopf Varieté. Das ist eine Freude. 19. 6.1943 Wir schlafen lange, fast bis zum Mittag. Nachmittags gehen wir zur Lahn in den Garten. 20. 6.1943 Mit den 3 Buben Franz Theo, Horst und Wolfgang gehe ich vor auf die Burg. Dora und Anne kommen mit Georg(?) nach. Dora und ich besichtigen das Heimatmuseum. Nachmittags spazieren wir an der Lahn, wo die Jungen recht drollig sind. Abends gehen wir ins Kino: "Geliebte(?) Welt." 21. 6.1943 Lange wollen wir uns nicht aufhalten, so geht es heute wieder früh raus. Um 7.13Uhr fährt der Zug. In Marburg gehen wir auf den Schloßberg und in den Stadtpark. In Gießen essen wir in einer Wirtschaft gut zu Mittag. Müde landen wir in Burgbrohl. Endlich gegen 21.40Uhr sind wir wieder in Glees. 22. 6.1943 Lange schlafen wir. Das gehackte Holz, das die Jungen aufgestapelt hatten, ist schön trocken, daß es in den Holzverschlag kann. 23. 6.1943 In Haus und Garten gibt es immer was zu tun. 24. 6.1943 Heute kann ich Herrn Evert(?) mit 2 Schachten Zigaretten zum Namenstag erfreuen. Nachmittags wandern Dora und ich zum Lazarett Maria Laach, auf dem Heimweg essen wir fleißig Walderdbeeren. 25. 6.1943 Für 11.0Uhr bin ich nochmal nach Maria Laach bestellt. Nachmittags besuchen wir Frl. Prümm, wo wir in einem dem Filmbesuch(?) "Annelie" verbinden. 26. 6.1943 Heute will der Schulrat mich in Mayen sprechen. Dora fährt mit über Andernach. Wir warten vergebens. Der Schulrat kommt nicht. Mit dem Postauto fahren wir bis nach Wehr. (Unterredung mit Frewel, D.J u. B.Sp.) 27. 6.1943 Am Nachmittag wollen wir rausgehen. Es ist ja der letzte Sonntag. Aber bei der Ordnung und Durchsicht der beiderseitigen Fotos gehen die Stunden schnell dahin. 28. 6.1943 In Hof und Garten wird gesäubert und geharkt. Gegen 17.00 wandern wir zum Koll. Simonis nach Burbbrohl. Auch besuchen wir Frau Leng(?). Spät kommen wir heim. 29. 6.1943 Den ganzen Morgen backen wir gemeinsam. Nachmittags sitzen wir dann gemütlich zusammen beim Kaffee: Frl. Prümm, Frau Müller [5] und deren Neffen Horst. 30. 6.1943 Heute heißt es scheiden. Bis 11.00Uhr gehe ich in der Nachbarschaft rund und sage allen Auf Wiedersehen. Auch in der Schule erleben wir einige schöne Minuten. Dann heißt es aber sputen mit dem Essen und dem Marsch nach Burgbrohl. Dora fährt wieder mit nach Koblenz. In einem Café sitzen wir gemütlich, gehen dann nochmal zum Rhein. Schließlich fährt auch mein Zug. Im Dienstabteil für Kriegsbeschädigte ist ein Plätzchen für uns. Leider hat der Zug ungenaue Abfahrt, so muß Dora schon vorher zu ihrem Zug gehen, der nur wenige Minuten später abfährt. Wieder ist es eine schöne Fahrt durchs grüne Tal. Herzlich leuchten die Kirschen von den schwerbehangenen Ästen. 21.20Uhr Trier. Nun kenne ich mich schon aus. Nach kurzer Fahrt mit dem Obus bin ich in der Kaserne. 2 Decken für die Nacht. Noch ein Butterbrot und nach der Abendtoilette rein in die Falle. 1. 7.1943 Als ich heute nach der ersten Nacht aufwache ist ein Floh mein lästiger Parasit. Sofort fängt es mit Unterricht an: Gasarten. Auf dem Hof: Gasmaske anziehen. Bei der Zahnkontrolle ist bei mir alles in Ordnung. Befreiung vom Gewehrdienst. Zum Luftschutz eingeteilt. 2. 7.1943 Heute war Geländerübung. Ich bleibe zurück. Habe nichts zu tun. Der Nachmittag geht auch so dahin. Wieder beim Luftschutz. Eben sind nach große Wärme am Nachmittag 2 Gewitter mit Hagel niedergegangen. Hoffentlich hat es nicht zu viel in den halbreifen Fluren geschadeet. S. 4.7. 3. 7.1943 2x3,15 für die 2 Lotterielose abgeschickt für Juni. Beim Morgendienst als unbrauchbar weggeschickt. Nach dem Essen müssen wir zur Küche in den Keller und pellen fast 4 Stunden lang Erbsen aus. Anschließend Kartoffel entkeimen. Wieder beim Luftschutz. Im Duschraum Samstagswäsche. Dann wird stündlich rausgetreten zum Appell. Zum Kotzen. In der Nacht zum Sonntag gehen gegen 0.45 die Sirenen. 2 Stunden haben wir im Keller geschlafen. 4. 7.1943 Heute können wir ja bis 8.00Uhr schlafen. Das Mittagessen mit den gepellten Erbsten und Schweinebraten schmeckt gut. Als Nachtisch Pudding und Erdbeersauce. Am hellen Mittag: Voralarm! Sonst nichts. Schon wieder beim Luftschutz. Oft läßt der Heim(?) uns raustreten. Ich schreibe, lese Stenografie und verzehre den Kuchen, den Dora mir mitgegeben hat. Draußen ist es herrlich warm und lebhafter Spaziergängerverkehr Ruwerer(?)straße. Heute mußten wir uns dem Arzt vorstellen. Innendienst und jeden Tag Heizkasten. Stock gibt es nicht, orthopädische Schuhe auch nicht. Der Arzt hat kein Verständnis. Alles soll so werden. Hoffentlich. 5. 7.1943 Während des Geländedienstes haben wir Innendienstler es wieder schlau. Nach dem Mittagessen müssen wir wieder in die Küche. Kartoffeln entkeimen. Es ist ein Gestank, noch schlimmer als im Schweinestall. Eine Schande ist es, daß zentnerweise gute Kartoffeln verfaulen, während Arbeiterfamilien kaum mit der Brotkarte auskommen, weil der Vater oder die Söhne tagsüber von Butterbroten leben. Wieviele würden gerne die Abendmahlzeit aus Kartoffeln herrichten. Aber beim Militär fühlt sich keiner verantwortlich. Und die Vorgesetzten schauen nicht bis in den Keller hinein. Um 15.00Uhr gehe ich ins Revier zum Heizkastenlichtbad. Helfen tut es ja doch kaum etwas. 6. 7.1943 Nach dem Unterricht: Bekämpfung von Panzerkampfwagen, gehen die anderen raus ins Gelände. Ein Feldwebel (Ritterkreuzträger) ist ein patenter Kerl, er hält schönen Unterricht ab. Während die anderen auf den Grünberg(?) gehen, reinigen wir die Stuben im oberen Flur. Von 12.30-14Uhr stehen wir wegen des Voralarms als Brandwehr in Block 1. Wieder Kartoffeln entkeimen. Revier (Heizkasten) und beim allabendlichen Appell Einteilung zum Luftschutz. Es ist wirklich zum Kotzen. Einfach Scheiße. Keinen Tag kommt man zum Kasernentor hinaus. 7. 7.1943 Heute morgen war ich "Gärtner". Mit dem Kam. Stiek gieße ich so einige 100 Salatpflänzchen an. Nachmittags soll ich Anstreicher in den Heizungsanlagen werden. Aber es ist mir unmöglich, auf den Leitern und zwischen den Rohren zu stehen. So melde ich mich beim Spieß zurück und gehe dann aufs Revier. Anschließend ist interessanter Luftschutzunterricht. Beim Abendappell natürlich wieder Luftschutz. Heute erhalte ich auch den ersten Brief von Dora. Sie will mich besuchen am Sonntag. Aber bei den hiesigen Verhältnissen lohnt es sich nicht. Und außerdem können wir jeden Tag nach Darmstadt versetzt werden. Jeden Abend stecke ich meine Schulpapiere in den Anzug, daß ich sie beim Alarm bei mir habe, denn wir warten alle drauf. 8. 7. Das war heute ein Morgen nach dem Herzen des Landsers. Zu 4 müssen wir zur Hornkaserne zum Umräumen eines Zimmers. Zuerst legen wir uns dort 1 Stunde in den Luftschutzkeller. Unter der Aufsicht eines Zivilisten arbeiten wir 3 Stunden. Dann ist Schluß. Vernachlässigen können wir nichts. So ziehen wir denn zur Mosel runter, legen uns ins Gras und schauen mehreren Anglern zu. Nach einer gemütlichen Schlenderei an der Mosel entlang und zum Strandbad kommen wir ??? gerade in die Kaserne, als die Essensmarken ausgegeben werden. Alles zur rechten Zeit. Nachmittags werden wir zur Küche geschickt, wo wir Kartoffeln schälen. Natürlich mit Einlage des Revierbesuches. Nachtrag unter Freitag dem 23.7. 9. 7.1943 Nach dem ersten Alarm von Samstag auf Sonntag haben wir in dieser Nacht wieder von 1.15 bis 2.30Uhr im Keller gesessen. Außer einem dämligen Hammel hatte ich als Ord.(?) und Asperrtruppführer(?) meine Schäflein schnell auf die Strohsäcke "beordert(?)". Die Nacht war zu kurz. Beim Kartoffelschälen am ganzen Vormittag konnten wir ja ruhig sitzen. Am Nachmittag hat mich der stellvertretende Spieß auf die Bude geschickt, zusammen mit dem Kam. Stiek. Wir zwei verstehen uns sehr gut und machen allerhand blöde Witze. Dora schreibt mir, daß D.J. B.Sp. in Wehr zur Soldatenbetreuung verbucht sind. Und nun werden wir doch noch zum Kartoffelschälen rausgerufen. Wäsche wechseln! 10. 7.1943 Wieder 1,5h Alarm. Ich sitze als Brandwache im unteren Flur. Heute ist aber das Wecken 1 Stunde später, also um 6.30Uhr. Nach der Komp.Belehrung geht's wieder in die Küche, diesmal in den Keller zum Schälen. Bis 11.00Uhr ist eine Kiste leer und ein Faß voll. Wenn wir nur als Landser beisammensitzen, dann ist es gemütlich. Und dann Stubenreinigen. Tische schrubben, kehren, Wasser verteilen, worin Kam. Stiek Meister ist. Jeder packt mit an. 2 Neuangekommenen steht die Arbeit ja schlecht an. Wir können es verstehen. Sie kommen direkt aus dem Lazarett. Nach einem dünnen Eintopf können wir jede Stunde essen, so hungrig sind wir. Einem Arrestanten, der heute seinen 3. guten Tag hat, bringe ich eine volle Schüssel Suppe auf die Wache. Der wird sich freuen. Um 17.00 ist Antreten. Der ganze Nachmittag zum Teufel. Weil so wenige da sind, wird wieder weggetreten. Um 18.00Uhr nocheinmal. Natürlich Luftschutz: Fernsprecher! Zu den Abendnachrichten gehen wir zur Kantine und trinken zusammen mit den Neuen eins auf die Stube 50. Die Amerikaner sind in Sizilien gelandet. Schwere Schlachten im Raum Bjelgorod-Kursk. 11. 7.1943 Das Licht scheint hell durch die Ritzen der Verdunkelung. Also eine Nacht ohne Alarm. Und zudem ist es Sonntag. Also erst um 8.00 Wecken. Das ist ein Gefühl! Nach gemeinsamer Reinigungsarbeit sitzen wir am Tisch, zeigen einander Fotografien von Braut und Frau und erledigen die Post. Zwei wankende Gestalten schleichen ab und zu durch die Stube: Tönjes und Strassburger. Beide haben von gestern einen schweren Kater. Am Nachmittag ist natürlich wieder Luftschutzeinteilung. 12. 7.1943 Statt des Geländerlaufes nach ruhiger Nacht machen wir Freiübungen. Kartoffelschälen und -entkeimen. Nachmittags dasselbe mit Revierbesuch und anschließend Luftschutz. Bei allem ist immer Humor. Um 19.00Uhr haben wir noch alle mit Papier alle Gebäudefenster putzen müssen. 13. 7.1943 Mal wieder 3/4 Stunden im Keller "gerollt". Heute beim Antreten werden wir vorgelassen, die nach Darmstadt zur Auffangsammelstelle geschickt werden. Morgen heißt es also, auch dieser Stadt Lebewohl sagen, wo es einem gut gefallen kann, wenn kein Luftschutz ist. Nach dem Morgendienst: Gasmasken ausprobieren, Gasraumprobe und "Kampfstoffe & Gasabwehr" ist der Dienst für uns beendet, denn den ganzen Nachmittag haben wir frei. Und heute Abend gibt's zum ersten mal seit 17 Tagen keinen Luftschutz. Um 14.00Uhr macht der Hauptfeld einen Strich durch den Traum. Den ganzen Nachmittag schleppen wir Luftschutzsand auf den Speicher. Und abends durch(?) nach L.S.. In der Nacht zum 14. 7.1943 werden wir schon um 23.30Uhr geweckt. Alarmzustand, Luftlandetruppen. Wir Krüppel werden zum Luftschutz eingeteilt. Rauf aufs Zimmer in Alarmbereitschaft auf dem Bett. Dann geht es los: Uhuu Sirene. Nach 1,5 Stunden Keller rollen können wir wieder schlafen. Und nun wird heute alles abgegeben. Um 10.20Uhr ziehen wir zu 11 Mann an die Bahn. In der Bahnwirtschaft der Moseltalbahn das letzte Bier zum Abschied. Um 11.20Uhr ab nach Koblenz. Von der gestörten Nacht sind wir alle ordentlich müde. In Koblenz müssen wir auf dem Bahnsteig auf den SFR Zug nach Mainz warten. Da geht Odilia 2x in 1,5m Entfernung an mir vorbei. Ich kann sie nicht ansprechen wegen der Kameraden, die um mich stehen. Wann werde ich sie wiedersehen? Im Mordstempo rast der Zug dahin, Richtung Wien. Das altvertraute Rheingebiet um St.Goar und die Loreley, wo ich oft auf meiner ersten Lehrstelle im Sommer 1937 wanderte. Noch einmal in Mainz umgestiegen, dann sind wir bald in Darmstadt. Dort wandern wir hin und her, suchen eine Kneipe und essen schließlich im Jahnhof(?). Dort müssen wir Verwundete uns halbfertig von den Tischen scheren, weil ein ??? von 100 Ausländern kommt! In Gemütesruhe geht es an unser Ziel. Kurz davor legen wir uns auf eine Wiese und sind recht fidel. Dann ziehen wir ein in die Auffangstelle I. Standort (St.O.) Batt. DARMSTADT Holzhofallee 25. Eine Decke vom U.v.D. und ein freies Bett gesucht. 15. 7.1943 Morgens wird hier schon um 5.00Uhr geweckt. Das Antreten und Verlesen der einzelnen Mannschaftsgruppen dauert sehr lange. Wir füllen den ganzen Morgen den Laufzettel aus. Auch der Nachmittag geht noch drauf. Hier ist eine viel schönere Sommerzeit als im Moseltal. Die Sonne brennt unbarmherzig nieder, die Äcker stehen kurz vorm Schnitt. In Trier haben wir gefroren und alles war fast grün. Abends werde ich schon zum LSchutz eingeteilt. Der ist aber angenehmer als in Trier. Einmal wird er gerecht verteilt und dann mußte ich zur Thain(?)-Kaserne, wo wir zusammen schlafen konnten und nur beim Alarm die Verwundeten runtertragen müssen, da die Kaserne zum Lazarett eingerichtet ist. Das lange mehrstündige Stehen wirkt sich nachhaltig auf meinen Fuß aus. Geschwollen und steif, daß ich viel schlechter stehen und gehen kann und heftige Schmerzen habe. 16. 7.1943 Morgens um 5.30Uhr sind wir wieder hier in dem Bau, der früheren Leitdragonerkaserne(?). Heute werde ich auch zu ?..stellungen aufgerufen, bei denen ich aber immer zurücktreten muß, weil es Wachkommandos sind. Und ich kann nicht stehen. So gerne wären wir aus dem Haufen. Strenge muß bei den Verhältnissen sein. Wenn nur das lange Stehen und die schikanierenden Appelle nicht wären. Es ist viel schlimmer als in der Rekrutenzeit. Der Küchendienst ist auch angenehm. Es ist immer dasselbe: "Die Gehbehinderten links heraus!" Eine gute Suppe um 10.00Uhr ist unser Lohn. Freundlich ist die Küchenbedienung. Dafür ist das Leben unter den Kam. unerträglicher. Wir sind ja hier alle zusammengewürfelt. Kein innerer Hall der gemeinsamen Kampftage wie es in Spiek war. Nun, diese Tage gehen auch vorüber. Zum Wachkommando soll ich wieder weg. Der verdammte Fuß! Abends ist noch ein Appell in Wolldecken. 1,5 Stunden stehen wir allein deswegen auf dem Hof. Bald halte ich das Stehen nicht mehr aus. Zum Glück bin ich diesmal nicht eingeteilt. Mit einem Kameraden Lang wandere ich noch 2 Stunden in der Stadt umher. Darmstadt ist eine schöne Stadt. 17. 7.1943 Mit einem heiteren Theater fängt der Tag an. Der Major erscheint und kotzt alle an vom Rekruten bis zum Wachtmeister. Unerhörte Wörter wirft er uns entgegen: M ei, B n. u andere. Um 11.00Uhr werden wir vom Küchendienst rausgerufen. Wieder Appell, und wir müssen ein leises Beibregen(?) feststellen, von dem, was uns heute vorgehalten wurde. Es war zu ungeheuer. Ein Wachtm. hat sich beschwert. Revierreinigen und Baden beschließen den Abend. Luftschutz in der Thainkaserne ist wieder fällig. Bis 7.00Uhr soll am morgigen Sonntag Schlafen sein. Wir legen uns seelenruhig in die Betten. Aber gegen 3.00Uhr wirft der ??? uns aus den Betten. Welche Stadt mag nun dran kommen? 18. 7.1943 Sonntag. Nur kurz stehe ich als Brandwache im Hof. Zu schnell wird es trotzdem 7.00Uhr. Unsinniges Revierreinigen füllt den Morgen aus. Gegen 13.00Uhr kommen wir endlich dahin, die Kaserne mal für den ganzen Tag zu verlassen. Mit den Kameraden Lang und Günnich fahre ich zum Schwimmbad "Am Woog(?)". Viel Spaß erleben wir dort. Was ich auf dem linken Bein nicht kann, ersetzt das rechte beim Hüpfen. Um 17.00Uhr erwischen wir noch Karten fürs Theater. "Paganini" von Lehar steht als Abschlußstück der Sommerspielzeit auf dem Programm. Nach 3 Jahren (Okt. 1940 in Wiesbaden) sitze ich wieder im Theater. Es ist eine Welt, nach der wir Ostkämpfer und Verwundete einen wahren Heißhunger haben. Der erste Sonntag in Darmstadt hat uns sehr befriedigt. 19. 7.1943 Montag. Eine Woche beginnt mit langem Stehen. Wieder soll ich mit fort. Aber es hat keinen Zweck! Unsere Beschäftigung ist Kartoffelschälen, entkeimen und Erbsenschälen. Der Nachmittag bringt dieselbe Beschäftigung. 20. 7.1943 Dienstag. Es bleibt immer dasselbe. Stehen auf dem Hofe und Küchendienst. Gerne wäre ich nachmittags mit zum Baden gegangen. Aber es herrscht eine ganz irrige Ansicht: Uns Gehbehinderten gibt man nicht die Gelegenheit unsere heilnden Knochen Luft, Sonne und Wasser auszusetzen. Wir müssen in die Küche. Luftschutz. 21. 7.1943 Mittwoch. Ein Tag gleicht dem anderen. Während die Gehfähigen, wozu möglichst alle gepreßt werden, den angesetzten Unterricht und Dienst versehen, sitzen wir in der Kantine vor mehreren Zentnern alte Kartoffeln. Beim Aufstellen der Abzustellenden ist besonders ein Wm. sehr grob. Alte hinkende Kameraden von 40-46 läßt er unter Anschreien und höhnischen Bemerkungen hin und herlaufen, um zu sehen, wie weit es einer im Gehen bringt. Das Küchenstammpersonal sitzt mal wieder bei Kartoffeln und Erbsen vereint. Um 17.00Uhr gibt uns der Koch gute Gemüse-Nudelsuppe. Natürlich ist wieder kein Löffel zur Hand. In Ermangelung trinken wir soweit es geht aus dem Teller und schieben das "Dicke" mit dem Taschenmesser an den Rand. Nun sitze ich wieder wie gestern Abend in den nahen Anlagen auf der Bank und mache diese Notizen. Gestern laß ich ein Heftchen "Schnellboote(?) vor Sewastopol", eine kleine Auffrischung der Geschehnisse vor einem Jahre. Auf der Stube und dann beim Küchendienst kann er recht die Stimmung der Soldaten feststellen. Alle bedrückt, daß viele so sinnlos in der Kaserne bleiben müssen, die als a.v.H. in ihrem Berufe wertvolle Dienste leisten könnten. Alle fluchen über den langweiligen elenden Papierkrieg. Allzu gern wird auch über die Partei und die Regierenden genörgelt, oft allerdings, was richtig ist; leider geht man von einzelnen Fällen vom Urteil auf das Ganze über. Restlos alle sind unwillig über das Benehmen und die Anschauung unseres Majors. Darin sind alle einig. Es ist schwer, die Kameraden auch das andere Gute sehen zu lassen. So wie man uns hier behandelt, drückt man alle gute, noch vorhandene Gesinnung nieder. 22. 7.1943 Donnerstag. Dem Arzt habe ich mich als neukrank vorgestellt, damit ich zum Orthopäden vorgelassen werde. 14 Tage soll ich Küchendienst machen, und dann wiederkommen. Draußen im Freien macht das Entkeimen mehr Freude, weil wir in der frischen Luft sitzen. Großer Zugang steht bevor, so entkeimen wir in Säcke. Wann wird er steigen? Abends beim Appell überrascht uns ein gewaltiges Gewitter, verheerend sausen die Blitze nieder und grollen die Donnerschläge, ein wolkenbruchartiger Regen geht nieder. Alles rettet, rennet, flüchtet. In der Kantine wird der Appell fortgesetzt. Zum Ausgehen lohnt es nicht mehr. Zudem habe ich wieder Luftschutz. An Odilia schreibe ich einen Brief über die Begegnung auf dem Koblenzer Bahnhof auf der Fahrt von Tr. nach Darmstadt. 23. 7.1943 Freitag. Jeden Morgen geht es um 5.00Uhr raus, alle unausgeschlafen, wir sind ja schließlich noch nicht gesund und gebrauchen viel Schlaf, da uns die Nerven keinen tiefen Schlaf gönnen. Ich soll wieder abgestellt werden. Dem Uffz. sage ich das, was mir der Arz gestern sagte. Aber er hat kein Verständnis und läßt es nicht gelten. So gehe ich heute mit 4 anderen mit dem Gesundheitsbuch(?) zum selben Arzt. Er schreibt mich wachtdienstfähig, trotzdem ich kaum auf dem verwundeten Fuße stehen kann. Dann stellen Sie sich eben auf einen "Fuß", ist die Antwort des sonst verständig zu sein scheinenden Arztes. Aber ich soll noch nach 14 Tagen zum Orthopäden kommen. Wie es nun wird, muß ich abwarten. Anschriften von Kameraden der Trierer Zeit: Stiek Johann. Herten(?) Langenbochum. Feldstr. 183 Tönjes Fritz. Heyerswege Post Holzkamp. ? Delmenhorst Zollmarsch Johann. Solingen. Dingshauserstr.(?) 41 Heute Nachmittag werden schon die ersten Arbeiten zum Umzug nach der Freiherr von Fritsch - Kaserne vorgenommen. Mit einem kleinen Trupp ziehen wir mit Besen und Eimern bewaffnet 1/2 Stunde durch die Stadt. Schön am Waldrand ganz für sich allein liegt die 1938 gebaute Kaserne. Abends ziehen wir müde wieder heim. 24. 7.1943 Samstag. Heute geht es schon im 4.30Uhr aus den Federn. Alles wird eingeholt. Eisenbetten und Strohsäcke werden runtergeschleppt, die Stuben gereinigt. Dann werden von 40 Mann die Privatsachen auf einen Pferdewagen gepackt, und wir ziehen hinter dem davonrollenden Wagen wie im Leichenzug. Es ist erbärmlich, wenn wir so daher kommen. Um 11.30Uhr sind wir dort. In der schön eingerichteten Kantine schmeckt das erste Essen gut. Der ganze Nachmittag vergeht mit Einräumen, blödem Stehen in der prallen Sonne und Pausemachen. Zum Unglück werde ich zum 25. eingeteilt nach der Hutier(?)kaserne. Wir Humpelnden ziehen hinter den anderen her. Schließlich sagt der Uffz.: "Gehe jeder für sich allein, daß es nicht so schlimm aussieht!" Es war aber auch ein Bild des Jammers, als wir so mit gerollter Decke unter dem Arm und der Gasmaske auf dem Rücken jeder in seinem eigenartigen Gang daher wankt. Und ein Irrsinn ist es außerdem, uns zur Brandwache einzuteilen, die wir selbst beim Alarm Mühe haben, in den Keller zu kommen. Na, wenigstens gut geschlafen haben wir dort. So ziehen wir denn am 25. 7.1943 Sonntag, wieder zur Kaserne hinauf. Der Vormittag vergeht mit Reinigen. Kein Eimer, kein Aufnehmer, keine Tische, Stühle, Spinte. Auf den Betten trinken wir Kaffee, schreiben wir. Drei Stockwerke hoch die Schlafgelegenheit. Für mich haben die Kameraden gestern sofort ein unteres Bett beschlagnahmt. Mittags um 11.00Uhr ist Stubendurchsicht. Alles soll blitzblank und nach außen hin in Ordnung sein. Fürs Duschen und Wäsche wechseln hat gestern keiner gesorgt. Schein nach außen, ein Grundprinzip der militärischen Erziehung. Kam. Hans Gimnisch erhält von seiner schwer erkrankten Frau ein Telegramm. Er darf sofort abfahren. So gehen Hans und ich alleine zum Woog [Naturbad in Darmstadt] schwimmen. Dort ist es schön. Abends trennen wir uns am Schloß. Hans hat Luftschutz, und ich wandere durch den Park und gehe dann essen. Um 22.00Uhr bin auch ich müde. 26. 7.1943 Montag. Wir stehen um 5.30Uhr auf. Allerhand Abstellungen! Viele Feldwebel und Uffz. gehen zum Ernteeinsatz. Ich werde mit 90 anderen zum Kriegseinsatz abgestellt. Na, mir soll es gleich sein. Es wird gemacht, was eben geht. In einer Stunde stehen wir alle mit unserem Hab und Gut vor dem Lastauto, das uns nach [hier steht nichts] bringt. Den ganzen Morgen verbringen wir mit Baracke einrichten. Es ist eine Strafgefangenenbaracke hinter Stacheldraht. Ich muß sofort an das Buch "A??? hinter Stacheldraht" denken. Es sieht wüst aus, als wir um- und einräumen, kribbelt und krabbelt es von Wanzen, Eiernester stehen in den Ecken. Da schlagen wir vor, mit frischen Strohsäcken unter freiem Himmel zu schlafen. Nachmittags gehen wir zu Verladearbeit. 30 Mann haben bei unserer Rückkehr gerade die Baracke ausgepackt(?). Holzwolle und Papierstrohsäcke liegen vor der Türe. Jeder stopft sich sein "Bett". Da kommt bei manchem eingebildeten Obergefreiten die typische Einstellung zutage, nichts zu tun und anderen die mühselig gestopften Sachen wegzuklauen. Ich konnte zum Glück noch einen dabei erwischen. Anderen erging es schlechter. Mein Kissen wurde auch geklaut. 2 Federn(?), Decken und Kissenbezüge und den Strohsack auf den Boden, so sieht die Baracke bald wohnlich aus. An Fenstern und Balken baumeln an Nägeln die "Borcken(?)", da zu wenig Spinte da sind. Zu 10 dann liegen wir in einem Raum. Um 22.00Uhr ist es noch nicht ruhig. Alle müssen sich an die neuen Verhältnisse gewöhnen. Das schönste an dem ganzen Lager ist die Lage im Walde und die guten Wasch- und Duschräume. 27. 7.1943 Dienstag. Morgens wird bis zur 10.00Uhr-Pause im Anzug geschafft. Dann ist die 12jährige Turnhose mein einziges Kleidungsstück. Durch das herauskehrende Benehmen einiger Vorgesetzter kommt Hochstimmung in unsere "Gemeinschaft". Absichtlich habe ich Anführungszeichen gesetzt. Denn, wo einer dem andern nicht trauen kann, wo Hemden, Handtücher, Spiegel und Seife gestohlen werden, da ist dieses Wort nicht am Platz. Mir selbst wurde nachts die vom Abend aufgehobene Wurst, eingewickelt mit der Butter zusammen, aus der Tasse gestohlen. In Pünktlichkeit, Antreten, Ordnung, Sichfügen, Marschieren, Benehmen gegen die passierenden Zivilisten, besonders gegen Mädchen und Frauen, ein großer Sauhaufen. Mann muß sich schämen, dabei zu sein. Beschwerden von Frauen beim O.Ltn, und eine darauffolgende Ansprache eines Lagerfeldwebels nutzen etwas. Der Tag geht mit verschiedenen Arbeiten vorbeit. Am schönsten ist die allabendliche kalte Dusche. 28. 7.1943 Mittwoch. Wieder heißt es, in der Sonne mit Kisten und Kasten hantieren. Überarbeiten tut sich keiner. Abends gehen wir in die nahe Stadt essen. Allzu schnell ist es immer 22.00Uhr. 29. 7.1943 Donnerstag. Papierauflesen im Revier. So leicht diese Arbeit ist, gerade wegen dieser Kindereien sind die Kam., besonders die Bauern(?), wütend. Man muß ihnen Recht geben. Denn so viele nutzlose Arbeit und Zeitverschwendung kann man sich im totalen Krieg nicht vorstellen. Mein Kam. aus Langenlonsheim Alois Lemmer(?), wo ich 1933 im Arbeitsdienst war, und ich ergötzen uns auch an einem Hochstand am Wald. Jeden Abend geht es unter die Dusche. 30. 7.1943 Freitag. Wir werden zu einer sonderbaren Arbeit im 4. Kriegsjahr bestimmt: Roden eines lichten Waldstücks für einen Sportplatz. Mir macht die Arbeit Spaß, denn in der Turnhose in der Sonne schafft es sich gut. Allerdings ist auch hier nicht das verletzende Anschreien und Anpöbeln wie in der Auffangstelle. Jeder tut, so gut er kann. Aber die Bauernkam. sind empört. Zu Hause rackert sich eine Mutter mit der Schwester und einem Franzosen ab, der Vater, 72J. alt, liegt nach einer Blinddarmoperation arbeitsunfähig im Bett. 25Morgen sind zu beackern. So erzählt ein Kamerad. Gegen 9.30Uhr heulen die Sirenen. Alarm. Wir verdrücken uns vom Platz ins nahe Waldstück. Dann müssen wir in den Keller. Es kommt aber keine Gefahr für uns. Nur in der Nähe Richtung Mainz, Frankfurt ist das Bersten(?) der Flakgranaten zu hören. Am Nachmittag gehe ich zum Frisör. Mit Lemmer besuche ich das Kino. "Meine Frau Theresa" wird gegeben. Etwas nach 22.00Uhr kommen wir wieder an. Aber bei uns ist ja keine Kontrolle. 31. 7.1943 Samstag. Heute schlafe ich, bis der Gong der Strafgefangenen ertönt. Wie ein FAD geht es zur "Baustelle" auf den Sportplatz. Wir stechen den Rasen ab. Zwischendurch unterhalten wir uns über Politik, Brologie(?), Anatomie. Um 11.00Uhr haben wir im Verwaltungsgebäude unsere Löhnung. Dann heißt es packen, denn das Kommando ist leider zu Ende. Zum Abschied gibt es allerdings eine erbärmliche Kartoffelwassersuppe mit einem Stück Wurst. Dann stehen wir um 14.00Uhr abmarschbereit. Vor den Augen der Zivilgefangenen werden von den Uffz. einzeln unsere Koffer durchsucht, weil etwas verschwunden ist. Es ist erniedrigend. Aber bei einem werden im Koffer 2 Leinenstrohsäcke gefunden. Ein Bauernjunge. Wegen solcher Sachen bringt er sich vors Kriegsgericht. Dann werden die Koffer ins WKW verladen, ein Trupp dazu, ab. Wir legen uns in den Wald. Dann marschieren wir zur Straßenbahn. Steil geht es hinauf zur Kaserne auf schlechter, ausgewaschener Straße. Ich finde meine "Alten" in Zimmer 104 wieder. Im Bett eines LSKandidaten verbringe ich diese Nacht, nachdem ich aber vorher mit Heinz(?) lang in der Stadt war und 2x ordentlich gegessen habe. 1. 8.1943 Sonntag. Wieder hat ein neuer Monat begonnen. Hoffentlich bringt er nur Gutes. 45 Kameraden werden mit allen ??? rausgesucht. "Rechter Fuß hoch, Nägen nachschauen." Manche haben bei der langen Reihe nicht genau verstanden und werden beim Heben des linken sofort aufgeschrieben. Die Zahl reicht wohl noch nicht, so werden andere dazu eingeteilt. Ich bin auch drunter. Zur Hutier(?)kaserne. Bis 20.00Uhr frei. Den Nachmittag verbringe ich im Bad am Woog. Dann marschieren wir abends ab und verbringen eine gute Nacht in dem nicht überfüllten Saal. 2. 8.1943 Montag. Beim Spindkommando werde ich eingeteilt. Jeder arbeitet, was er kann. Auch der Nachmittag geht so dahin. Das lange Stehen macht mir wieder schwer zu schaffen. Am Abend gehe ich mit Lang in den Wald spazieren. In einer Waldschenke unterhalten wir uns gut mit einer lustigen Rheinländerin aus der Kölner Gegend. 3. 8.1943 Dienstag. Gestern erhielt ich einen Brief der 1 seit fast 3 Wochen von Dora. Diese Unsicherheit ist ihr doch zu lang geworden. Beim Antreten hieß es vom Stabsfeldw.: "Augenkranke(?) und Gehbehinderte links raus!" Wir denken, daß wir zu einer Arbeit eingeteilt werden. Aber was nun kommt, empört alle. Nachdem die Augenkranken(?) nochmals raustreten mußten, schnauzte uns der Stabsfeldw. an: Das sind also die Männer, die nicht arbeiten wollen. Alle zur Arzt! Es ist eine glatte Lüge. Wir haben ja auf Arbeit gewartet. So sind wir zuerst zum Kartoffelschälen zur Küche gegangen. Da wir noch nicht bei dem Andrang der zu ???nahenden zum Arzt vorgelassen werden, so liegen wir 16 Mann bequem im Gras und warten, das tuend, was uns der Stabsfeldw. verlogenerweise unterschieben will: nicht arbeiten. Ergebnis: Die meisten innendienstfähig und a.v.. Bei mir sagt er nach Befragen: "Machen Sie weiter leichten Küchendienst. Dafür sind Sie ja fähig." Und der blöde Feldwebel schreibt einfach "dfhg." Beim Antreten nach dem Essen kontrolliert der Blöker von Stabsfeldwebel das Urteil des Arztes. Einteilung in Innendienst und Dienstfähige. Als er mich ruft und gehen sieht, schickt er mich zu denen, die schlecht dran sind mit den Knochen(?). Dann schaut er aufs Papier und sagt: "Nein, hier zu den Dienstfähigen, und stellen Sie sich nur nicht an." Ich drauf: Ich stelle mich nicht an, ich gehe schon über Monate so. Er brüllt etwas von Sabotage, und daß ich voll dienstfähig sei! "Ich bin nicht volldienstfähig", ist meine ruhige und klare Antwort. Als ich dann im Glied stehe, sagen die Kameraden: "Das ist bestimmt mit dir eine Verwechslung." Schließlich müssen wir alle zusammenrücken und wandern doch zur Küche, wo wir gern nützliche Arbeit verbringen. 4. 8.1943 Mittwoch. Der Morgen vergeht mit Gemüsereinigen im Keller. Wir erleben mit den lustigen Küchenfrauen viel Spaß. Nachmittags werden wir wieder zur Küche abgestellt. Ich trete einfach zu den Innendienstlern. So komme ich doch zur leichten Arbeit. Abends habe ich Luftschutz in der Hutier(?)-Kaserne. Aber die 3 "Schlechtesten" werden als überflüssig zurückgeschickt. Der Abend ist doch zum Teufel. Hans Lang, der sich auf meinen schönen, weißen Schlafsack gelegt hatte, mußte einen "Stock" höher auf seine Koje klettern. 5. 8.1943 Donnerstag. Heute ist wieder Vorstellung beim Orthopäden. Bis 11.00Uhr hat er nur Sprechstunde. Erst um 10.15Uhr kommt unser Oberarzt, der mir noch einen Schein unterschreiben muß. Dann noch schnell auf der Schreibstube bei einem mißtrauischen Kameraden einen Passierschein geholt und ab zur Straßenbahn. Die Schaffnerin sagt mir, wo die Hügelstraße Nr.73 ist (Versorgungsamt). 10.55Uhr komme ich hinkend an. 40 Mann sind noch vor mir. Aber es geht rasch. Auch ich bekomme endlich orthopädische Schuhe. In der Stadt wird noch 2x gegessen, und dann rauf zum Essen. So bin ich knüppeldick satt. Leider verpasse ich so die Verpflegungsausgabe für den Abend. Beim Mittagsantreten teilt der Stabsfeldw. alle Innendienstler zu Arbeitskommandos ein. Ich muß auch 3-4km weit zur Arbeitsstelle marschieren. Die Uffz und Feldw sehen aber gleich, daß ich nicht gehen kann und lassen mich am Schwanz im eigenen Tritt gehen. In den 2 Arbeitsstunden drehe ich sitzend vielleicht 10-15x das Rad eines Hydranten auf und zu. Es ist meine ganze Arbeit! Ich bin aber auch zu sonst nichts fähig. Das stundenlange Stehen und dazu noch das Gehen lassen den Fuß und das ganze Bein verkrampfen. In der Kaserne angekommen, kann ich gerade noch etwas Marmelade bekommen. Gott sei Dank habe ich noch von gestern Brot. In der Kantine gibt es noch kaltes Mittagessen; es schmeckt aber noch gut. Natürlich bin ich auch wieder beim LS dabei. Viele sind abgestellt oder auf Kommandos. So fängt derselbe Schlamlampel im LS an wie in Trier. Diesmal ist es in der nahen Cambrai-Kaserne [heute Cambrai-Fritsch-Kaserne, mit US-Einheiten], wo die Luftnachrichtenhelferinnen ausgebildet werden. Schöne große Zimmer mit guten Betten und wenig Belegschaft. Früh lege ich mich zu Bett. 6. 8.1943 Freitag. Zu spät werden wir erst um 6.00Uhr geweckt. Als wir hinkommen, wird gerade zum Antreten gepfiffen. Ungewaschen und ohne Kaffee geht es zum Dienst. Einer Arbeit zugeteilt legen wir ein Stück mit der Straßenbahn zurück. Auf dem letzten Stück gehen wir in eine Bäckerei und erbetteln uns 2 Brötchen, weil der Bäcker auf unsere Brotmarken nichts geben will. 2 Brötchen bis zum Essen um 13.00Uhr! Auf der Arbeitsstelle hacke ich mit der Kreuzhacke(?) den Rasen ab. So gut es eben geht!!! Um 10.30Uhr ist Schluß. Gegen 11.30Uhr sind wir in der Kaserne. Mit meinem Bein wird es immer schlimmer. Ich kann sehr schlecht stehen. Aber es wird weitergemacht. Bei den Knallköpfen ist doch kein Verständnis. Mit 48 Mann bin ich gestern zu einem Kommando zusammengestellt worden. Wohin es geht, wissen wir nicht. Es wird allerhand gemunkelt. Beim Mittagsappell kann der Innendienst dableiben. Ein anderer Oberfeldwebel tut Spießdienste. Eine Wohntat. Wenigstens keine Brüllerei. Ein großer Haufen LöschluftSsand muß auf den Speicher. Ich schaufle ruhig stehen die Eimer voll und kehre etwas. Das lange Stehen ermüdet mich sehr. Mit dem ganzen Bein kann ich fast noch nichts aushalten. Zum Abendbrot gibt es eine schöne süße Haferflockensuppe. Und wieder mal LS in der Cambrai Kaserne. Hinkend ziehe ich hinterher. Ich kann fast keinen Schritt auf dem Kasernenpflaster gehen. Heute erhielt ich einen langen Brief von Gisela, Kurt, mit einer Abschrift von Lothars Brief an Gisela. 7. 8.1943 Samstag. Zum Einkleiden zieht unsere Alarmbereitschaft zum Ankleiden nach einer weiter entfernten Kaserne. Ich fahre mit der Straßenbahn. Lange dauert der Kram. Mittag wird es drüber. Das eine nehmen wir mit als bestes Wissen. Deutschlands Herz ist gut ausgerüstet. Alles ist noch reichlich vorhanden. Gegen 17.0Uhr kommen wir erst wieder mit unserem ganzen Krempel. Essen gibt es nicht mehr. Dafür empfangen wir Verpflegungsgeld und harken. In angenehmer Gesellschaft verspeise ich 3 Mahlzeiten. Mein Hunger ist nach den 2 Schnitten um 6.0Uhr heute Morgen unersättlich. Bei dem Alarmhaufen gibt es keinen LS. So haben wir also Ausgang bis 22.0Uhr. 8. 8.1943 Sonntag. Bis 7.30Uhr können wir schlafen. Trotzdem laufen die Kerle schon um 5.00Uhr auf den Gängen herum. Wenn sie um 5.0Uhr aufstehen sollen, wird gemeckert. Ist es dem Landser(?) einmal recht? Am Vormittag tauscht das "Kommando" die Wäsche. So wird es schnell Mittag. Ein gutes Essen, und dann geht es hinaus zur Stadt. Dort wartet Kam. Hans Lang am Union(?) Theater. Wir belustigen uns an dem spaßhaften Film "Abenteuer im Grand Hotel". Mit knurrendem Magen gehen wir zum Restaurant im Herrengarten. Ein Stückchen Kuchen schmeckt gut. Das Eis ist erbärmlich. Drum gehen wir zur Augustiner Bräu "Hottes" und essen mal ordentlich. Ein Bümmel zur Künstlerkolonie mit Hochzeitsturm und russ. Kirche [heute: russische Kapelle] macht uns wieder hungrig. Nach nochmaligem Imbiß gehen wir wieder heim. 9. 8.1943 Montag. Der Morgen bringt für unser "Kommando" Rekruten(?)exerzieren. Ich sitze zuerst daneben und schaue zu. Heute Nachmittag ist "Sport", ein Gang in den Wald am Kasernenzaun. Nun muß ich noch etwas nachtragen zu einem Ereignis vor ca. 3-4 Tagen. Beim Morgenappell läßt St.Feldw. Lenz die Stockträger heraustreten, befiehlt einem Uffz., einem den Stock abzunehmen, und heißt den Verwundeten dann gehen. Einige Schritte, dann bleibt dieser stehen. Der nächste geht keinen Schritt. Der nächste gibt auf mehrfachen Befehl den Stock nicht her. Da geht ein immer stärkeres Murren über dieses unverschämtes Benehmen dieses Vorgesetzten durch unsere Reihen. Das läßt den St.Feldw. aufmerken, die Stöcke zurückgeben und die betreffenden 5 Kam. zum Arzt schicken. Mehrere werden a.v., andere sollen ins Lazarett. Es ist ein Beweis, wie wir Verwundete hier von einem 21 Jahre diensttuenden behandelet werden. Zum Abendappell erfahren wir, daß unser Kommando keinen Ausgang hat. Das bringt uns hoch(?). Wenn es wenigstens wichtig wäre! Die beiden Kam. Gimnich und Lang sollen auch abgestellt werden. So trinken wir denn auf das nahe Scheiden die letzte Flasche Rotwein, die Kam. Lang am Sonntag vor 8 Tagen von seiner Schwester erhalten hat. 10. 8.1943 Dienstag. 2x sind wir in der vergangenen Nacht aufgestanden. Die verdammten Anglo-Amerikaner haben wieder gehaust. In dunkler Nacht war der Himmel in der Mannheimer Richtung weithin gerötet. Den ganzen Tag über sitzt die Müdigkeit in den Knochen. Am Morgen ziehen wir (ein Stück Straßenbahn) zur Arbeitsstelle am Güterbahnhof. Die einen haben etwas an den Füßen, die anderen an den Händen oder sonstwo. So tut jeder das, was er kann. Ein Kam. geht mit zusammengelegten Fein- und Roggenbrotmarken auf Kucheneinkauf. Mit 3 Quetschentorten kommt er zurück. Auf der Wiese im Grase wird redlich durch 8 geteilt. Nachmittags arbeiten wir wieder an derselben Arbeitsstelle. Wir unterhalten uns mit den Arbeitern über Politik und Religion. Mit unseren Anschauungen harmonieren(?) die der z.T. über 60 Jahre alten Arbeiter nicht. "Alles für Deutschland" ist da ein ??? Punkt, wenn auch nicht ganz im ??? Gesichtspunkt. Beim Abendappell wird das ganze Kommando geschlossen zum LS eingeteilt. Kam. Hans Gimnich ist versetzt. 11. 8.1943 Mittwoch. 3 Stunden lang haben wir im Keller verbracht. Trotzdem stehen wir zur selben Zeit um 6.0Uhr auf. Raus geht es zum Arbeitsdienst am Bahnhof zum Splitterschutzgrabenbau. Mittags haben wir auch kurze Pause. Dann gehts wieder raus. Dann wieder Antreten zum Abendappell, nachher zum Luftschutz. Von morgens bis abends sind wir auf den Beinen, Rücksicht kennt man nicht im geringsten. Tagelang kein Ausgang. Das alles wäre nicht so schlimm, wenn die Behandlung durch den Stabsfeldwebel einigermaßen menschlich wäre. So herrscht eine rechte Meuterstimmung, das Gute, was an soldatischem Geist herrschte, wird systematisch zerstört durch diesen Komißschädel. Es ist wirklich so weit, daß seine Maßnahmen bei manchen Kam. ein Benehmen und Verhalten hervorruffen, die den St.Feldwebel die Worte "bolschewistisch" und andere gebrauchen lassen. So gehen in unseren Reihen für den St.Fw. die Ausdrücke "Kettenhund", "Bluthund" um. Einer gebrauchte auf der Stube den Ausdruck "Adjutant Stalins". Alle stimmten zu. Es wäre zwecklos, den wahren Tatsachen zu widersprechen. 12. 8.1943 Donnerstag. Durch das elende, diesige Wetter sind die Nervenschmerzen fast unerträglich. Aber lieber mit raus in die frische Luft als hier in der Kaserne sein. Ich humple immer hinter dem Trupp. Als wir müde nach dem langen Tag mit den Erdarbeiten heimkommen, heißt es auch noch, einen großen Haufe LSSand raufschaffen. Essen ist Nebensache, Dienst geht vor. Dann wieder Antreten zum LS. Es herrscht eine sehr geladene Stimmung. 13. 8.1943 Freitag. Auch heute geht es den ganzen Tag hinaus. Ich schaffe wenig, weil mir der Fuß und das ganze Bein große Schmerzen bereiten. So unterbreche ich die Arbeit mit längerem Sitzen. Es sagt keiner ein Wort. Nun gebrauche ich zum ersten mal das Brot der tägl. Ration, denn der Aufenthalt in der frischen Luft macht uns den ganzen Tag hungrig. Zum Abend LS. 14. 8.1943 Samstag. Eine Nacht ohne Alarm. Die Arbeit geht gut vonstatten. Früh sind wir fertig. Aber der neblige Fisselregen läßt uns nicht zum Ausgang kommen. So kommt es seit langer Zeit zum ersten mal vor, daß ich bis abends zum Einschlafen meine ganze Abend- und Morgenverpflegung gegessen habe. Die Marken in der Tasche, muß man hungern. 15. 8.1943 Sonntag. Bis 7.30Uhr schlafen wir ohne nächtliche Störung. In der Nacht sind die gewaschenen Sachen (Taschentuch, Handtuch, Halsbinde) schön trocken. Von Kam. Lang bekomme ich eine trockene Schnitte Brot zum süßen Kaffee. Das Wetter ist herrlich. So hat der Sonntag gut begonnen. Das Antreten und Luftschutz- und Arbeitseinteilung gestaltet sich unter Wachtm. Seidl gerecht und schnell. So kann es ein schöner Sonntag werden. Nach langem Überlegen sind wir dann zu dritt nach Jugenheim an der Bergstraße mit der Elektrischen gefahren. In schönen Cafés dieses Luftkurortes und auf einer kleinen Wanderung in den waldigen Ausläufern des Odenwaldes. Abends nehmen Kam. Lang und ich noch 3 ordentliche Mahlzeiten in unserem Stammlokal Hottes (Augustinerbräu) ein. Um 22.00Uhr muß ich ja zum LS da sein. 16. 8.1943 Montag. Nach dem Regen am Samstag und dem sonnig-bedeckten Himmel am gestrigen Tage ist heute eine Bullenhitze. Diese plötzlichen Spannungen und Schwankungen wirken sich im Nervensystem ganz verheerend aus. Der Fuß ist verkrampft und das ganze Bein ist verhext. Kam. Lang sagt schon mal: "Was ist dir, du bist so still!" Ich bin auch ganz zerschlagen. Am liebsten würde ich mich jetzt auf ein Ruhebett legen oder im Sessel sitzen. Aber es geht ja nicht. So heißt es aushalten, bis alles vorüber ist. Am schlimmsten ist der Gang zur Arbeitsstätte am Bahnhof. Beim Fliegeralarm halte ich ein 3jähriges goldiges Mädchen einer jungen Kriegerfrau auf dem Knie. 2 schöne Stücke Obstkuchen sind der Lohn. Ein solch liebes Geschöpf bei sich haben zu dürfen ist aber der schönste Lohn. Heute erhielt ich endlich die Karte des Emil Späth, orthop. Schuhmachermeisters. Darmstadt, Emilstraße 25. 2. Sept. nachmittags. 17. 8.1943 Dienstag. Heute bin ich nicht zur Arbeitsstelle gegangen, sondern zum Orthopäden. Dort hat es nicht lange gedauert. So sitze ich denn hier in der Imbißhalle, habe an Kuchen und Kaffee meinen elenden Hunger gestillt und kann in Ruhe die Notizen der letzten Tage machen. Ein provisorisches Urlaubsgesuch während der Anfertigungsdauer der Schuhe gebe ich heute ab. Hoffentlich gelingt es. Meinen letzten Erholungsurlaub habe ich vor ca. 2 3/4 Jahren im Dezember 1940 gehabt. Wie ist das schon so lange her! Etat Die Liebe ist das halbe Leben für manchen Mann, die andre Hälfte lebt er dann, damit er die eine so gerade eben bezahlen kann. Resonanz Beim Reden und nicht beim Schweigen wird sich erst deine Verschwiegenheit zeigen. Selbstschutz Wenn du den Teufel in dir hast, treib ihn nicht aus für immer, sonst fährt in Deinen Nächsten er, das ist für dich viel schlimmer. Zünftig Sei kein Trottel. Aber wenn schon, sei ein ganzer und für immer: zeitenweis ein halber Trottel ist noch viel schlimmer. Bloß An hundert Ecken und Kanten drückst du dich leichter vorbei als bloß an einer Rundung - so bloß sie auch sei. Kameraden aus Darmstadt: O.Gefr. Hans Lang. Mutter Frau Dora Lang. Heßbach(?) bei Worms. str. 37 Hans Gimnich. Am Nachmittag gehe ich wieder raus zur Arbeit. 18. 8.1943 Mittwoch. In diesem Jahr ist mir der Geburtstag meiner Schwester Gisela aber nicht durch die "Latten" gegangen. Heute wird sie meinen Brief haben. So froh der Tag in dieser Erinnerung begonnen hatte, so traurig endete er auch. Als wir von der Arbeit kommen, erhalte ich bei der Postabteilung ein Telegramm von Dora daß ihr 2. Bruder Karl-Josef in Rußlands Herzen ins Grab gebettet wurde. Der 3. Bruder Herbach liegt zum zweiten male verwundet im Lazarett. Auch einen Brief von Walli(?) erhalte ich, in dem er mir mitteilt, daß er noch eine Ledertasche für Dora bekommen kann. Wird das eine Freude sein. Meine gesammelten Zigaretten und den Rauchtabak gebe ich gerne dafür her. Er will mich am Sonntag besuchen. Aber da muß ich ihm Abschreiben, weil alles so unbestimmt ist. Zum Abend fahre ich noch in die Stadt essen, denn _mal_ wieder keinen Luftschutz. Die von Dora erhaltenen Fleisch- und Fettmarken erlauben mir 3 Mahlzeiten (Suppe, Gurkensalat mit Bratkartoffeln, Pilze mit Bratkartoffeln und deutscher Beefsteak mit Möhren und Kartoffeln). Mal wieder gut satt ziehe ich heim. 19. 8.1943 Donnerstag. Heute habe ich mein Urlaubsgesuch abgegeben. Hoffentlich erhalte ich bald gute Nachricht. Auf der Arbeitsstelle ist es mörderisch heiß. Wir fahren ja jeden Tag mit der Straßenbahn. Alles schwitzt und stöhnt, aber der Soldatenhumor hilft auch bei den Zivilisten über alles weg. Als wir mittags von der Arbeit kommen, ist mein letzter Kamerad aus Trier, Kam. Hans Lang abgestellt. Eins hat er zurückgelassen, eine Flasche Rotwein, die seine Schwester am Samstag mitgebracht hatte. Die werde ich nun mit einem anderen Kamerad auf sein Wohl trinken. Eine kalte Dusche beendet diesen heißen Tag. An der Arbeitstelle stehen Baracken. Die Frauen bringen uns Obst, Wasser, Saft, Kuchen, beim vorbeifahrenden Milchwagen gibt es öfters Buttermilch. Wir haben uns gut eingelebt. Luftalarm ist uns ganz angenehm, denn dann ruht die Arbeit. Allerdings war es ein schauriges Bild, als gestern in 5 Wellen zu je 40-60 schweren Bombern engl. amerikanische Flugzeuge daherbrausten in geschlossenen Formationen wie zu einem Ausflug. Hier steht keine Flak, das wissen sie genau. Auch heute gab es Voralarm. Die Feinde haben ihre Taktik geändert, da sie nun tagsüber kommen und uns nachts schlafen lassen. 20. 8.1943 Freitag. Heute war es wieder sehr heiß. Bei der Post erhielt ich einen Brief von Franz Becker. Er ist nun auch bei der Vorausabteilung. Es gefällt ihm gut dort. Aus seinem Brief geht hervor, daß alle alten Kameraden wünschen, daß ich wiederkomme. Meine Sehnsucht geht ebenfalls zu den "Alten" bei Rhein-Grel.(?). Wie gestern Abend so ist natürlich auch heute wieder LS. Wir müssen wieder in der Cambrai-Kaserne schlafen. Dort schlafen wir wenigstens gut nur mit 8 Mann auf der Stube. 21. 8.1943 Samstag. Mit dem üblichen Wäschetausch, Revierreinigen und Baden geht der Nachmittag vorbei. Mal kein LS. So ist mal wieder Zeit, die morgen ablaufenden Essenmarken auszulegen. In D. Eberstadt kaufe ich schöne Bücher. 22. 8.1943 Sonntag. Mal wieder ein langer Schlaf bis 7.30. Leider ist Wm. Seib(?) nicht da. So wird bis 11.30 der ganze Morgen mit unnützem Revierreinigen, langem Stehen und Appellen vertrödelt. Es empört uns alle. Am vorigen Sonntag war alles in 1/2 Stunde abgetan. Dann war frei. Es geht auch so. Leider verdirbt mir aufkommender Regen mit anhaltendem Wind das Baden. 1x hin- und herschwimmen. Dann wieder raus. LS. 23. 8.1943 Montag. Nun beginnt wieder einer Arbeitswoche. Schwere als die eigentliche Arbeit mit Pickel und Schaufel fällt mir der Gang zur Straßenbahn, nur ein Teilstück des Weges. Die Leute in den umliegenden Baracken wetterfen(?) mit Äpfeln, Birnen, Mirabellen und Tomaten. 24. 8.1943 Dienstag. Langes Stehen beim Appell, lautes Brüllen des Stabsfeldwebels. Arbeit und LS füllen den ganzen Tag aus. 25. 8.1943 Mittwoch. Mein Urlaub ist zwar genehmigt. Nun hängt es von der Gunst des Kameraden ab, der die Urlaubssachen bearbeitet, wann ich an die Reihe komme. Es ist so ein Typ des Schreibstubenbullen. Kein LS. 26. 8.1943 Donnerstag. Wieder gehe ich nach dem Eintreffen um 11.30 nach dem Urlaub fragen. Es klappt eben nicht. Dieser Mensch kann eben nicht verstehen, daß ich es zu Hause leichter habe mit dem Gehen und Stehen, bis ich nach dem Urlaub meine orthop. Schuhe erhalte. Von Dora erhalte ich ein Telegramm, daß mein Schwager Herbert bis Montag im Sonderurlaub zu Rüthen ist. Auch dafür hat man kein Verständnis, daß ich nun fahren kann. Arbeitsurlaub sei noch zu erteilen. Von Lothar erhalte ich einen Brief, am 28.7.43 nach Trier geschickt. Ein ganz dummdreister Brief in den Ahrweiler Angelegenheiten. Dazu eine Aufstellung der von mir 1939 übernommenen Haushalts(gegenstände?) von Ahrweiler. Meine Antwort habe ich ihm sofort erteilt. 27. 8.1943 Freitag. Heute hat es mal gerappelt mit den Abstellungen. Am frühen Morgen ist mir schon ein "Unheil" begegnet. Es ist kalt. In den Gelenken schmerzt das Rheuma wieder. Nachdem ich beim Arbeitskommando "Ostbahnhof, Splitterschutz" eingetragen bin, "bitte" ich den Uffz., meinen Pullover holen zu dürfen. Ich gehe gerade durch die Türe, als mich der Stabsfeldw. zurückruft und anschnauzt. Ich kann ihm nur sagen, daß der Uffz. mir nach meiner Bitte das Wegtreten erlaubt hat. Er dreht den Spieß so, daß ich bei ihm abmelden müßte. Er ist so richtig in Fahrt, jeder Besinnung ohnmächtig. So trägt er mich in sein Buch ein, mit dem Hinweis, daß er am Sonntag etwas für mich habe. Das vergißt er doch wieder. Beim Abendappell ruft er einige heraus. Ein Gehbbehinderter geht ihm nicht schnell genug. Da gibt er den Befehl zu laufen. Der Kamerad geht so, wie er kann. Da schnauzt er ihn an und schreibt ihn auf zum Einreichen des Tatberichtes zur Bestrafung wegen: -Befehlsverweigerung-!!! In meinem Alarmzug entsteht ein leises Hohnlachen, daß vom Spieß bemerkt wird, uns anschnauzt und zur -Strafe- stillstehen läßt. Ich stehe wie gewöhnlich auf einem Bein, das linke ausruhend. Nun habe ich schon zum 3.male Glück, keinen LS zu haben. In den letzten Tagen ist die Auffangstelle aber auch so angewachsen, daß jeder bei gerechter Einteilung alle 3 Tage drankommt. Morgen müssen wir schon um 4.30Uhr aufstehen. Deshalb geht's heute früh zu Bett. 28. 8.1943 Samstag. Trotzdem sind wir bis 5.30Uhr im Bett geblieben, denn in der Nacht waren wir schon 3 1/2 Stunden im Keller. In mächtigen Wellen kamen die Feindflugzeuge daher. Auf einer Bank zusammengekauert habe ich die Zeit verbracht. Langsamer geht's mit dem Anziehen und dem ??? Treppen hinabgehen vom 2. Stock in den Keller. Dann sind alle Betten belegt von den gesunden Kameraden. Kennen Soldaten Rücksicht? Es ist genau wie in der Straßenbahn auf der täglichen Fahrt zum Arbeitsplatz. Heute morgen große Abstellungen. Spät kommen wir zur Arbeit. Wochenende. Mischbrot(?) schmeckt nicht. Dann halten wir auch vielmals heftige Wortgefechte weil unter den Kameraden Kopfhänger und Egoisten und Unpolitische sind, letzte Gattung am verderblichsten ist. Samstagnachmittag Arbeit bis 5.00Uhr. Selbst zur Rekrutenzeit war es nicht so. Die Schreibstubenbullen haben unsere Nacht(?)urlaubsscheine versäumt. So warten wir auch noch drauf. Überraschenderweise stellt uns der Spieß sie aus, aber nur, weil er sie uns versprochen hat. In der Stadt angekommen, ist ein Kino schon ausverkauft; so gehen wir ins Union Theater: "Karneval der Liebe". Prächtige Ausstattung mit guter (z.T.) Charakterdarstellung. Sonst war viel inhaltsloser Kitsch. Am besten hat mir der Kulturfarbfilm von der Kurischen Nehrung gefallen. Das Gehen im Dunkeln fällt schwerer. So nutze ich meinen Urlaubsschein auch nicht aus und bin um 22.00Uhr schon auf der Stube. Kein LS. 29. 8.1943 Sonntag. Vor dem Aufstehen wasche ich schnell meine Taschentücher und die Kragenbinde. Apfelkompott von gestern schmeckt gut auf dem Morgenbrot. Der Stabsfeldwebel ist da. So ziehen sich Antreten, Revierreinigen, Stubenabnahme und Appell in Gasmaske bis 11.30Uhr hin. Wir sind mal nicht aufgefallen. Und trotzdem müssen wir bis 14.00Uhr in der Kaserne bleiben, weil andere aufgefallen sind. Es empört uns. Es ist nochmals Abnahme. Keiner ist darauf vorbereitet. So gibt's einen Mordsanschiß. Der Nachmittag ist verdorben. Um 19.30 ist ja LS Appell. So nutzte ich den Tag aus zum Schreiben an Dora, Herbert und den Kam. Morwietz(?) in Saybuch(? Laybusch?). LS ist natürlich auch wieder fällig. 30. 8.1943 Montag. Die Arbeitskommandos sind aufgehoben. Es soll fleißig exerziert werden, damit mehr Ordnung reinkommt in diesem Sauladen. Wir Fußbehinderte sollen auch mitmachen. Am Ende machen wir natürlich einen eigenen Verein auf. Zuerst mal Unterricht von einem Stabswachtmeister. Er redet uns nur gut zu, da sie ja auch alle in diesem Verein mitmachen müssten. Alle sind sehr unzufrieden. Nach dem Unterricht ist für die anderen Exerzieren, wir gehen in einen Stall und befördern in einer Kette Löschsand auf den Boden. Am Nachmittag wird zum "letztenmal" das Arbeitskommanodo wieder gestellt. So ziehen wir denn zur Arbeitsstätte. Wir haben Glück, denn in der nahen Verkaufsbude können wir Zwetschgen kaufen. Kein LS. 31. 8.1943 Dienstag. Lange stehen wir beim Morgenappell. Der Schlaf von 1 stündigem Alarm gegen 3.00Uhr heute morgens sitzt uns noch in den Knochen. Zuerst mal wieder Unterricht. Dann wieder mit dem Sand auf dem Boden. Immer auf den Füßen, das strengt sehr an. Viele Schmerzen habe ich vom Fuß aus durchs Bein, Rückgrat bis in den Hinterkopf und zu den Ohren. Um 13.31 heißt es plötzlich: "Alarm! Mit allen Sachen auf dem Hof antreten!" In 10min stehen wir dort. Es ist nur ein Anwesenheits -und Vollzähligkeitsappell. 2 Stunden stehen wir mit unseren Sachen dort. Inzwischen geht der Spieß durch die in Eile verlassenen Stuben. Da hagelt es denn mit Ausdrücken wie: Schweine. Anschließende gewaltiges Revierreinigen, wie wir es hier in Darmstadt noch nicht erlebt haben. Anschließend ist auf dem Hof stehende Belehrung, dann vom Spieß aus Singen. Heute haben wir viel und lange gestanden. Es ist eine Menschenschinderei und Quälerei. Eine Rücksichtslosigkeit, wie ich sie in 3 1/2 Jahren noch nie erlebt habe. Der Spieß tobt und brüllt. Unser Humor läßt uns den Geist dieses Irren und die Schikanen dieses Tollhauses leichter ertragen. Beim Singen (Marschieren) will uns der Feldw. zum mitmachen zwingen. Wir versuchen's. Da kommt der Spieß selber. Er merkt, daß es mit uns wirklich nicht geht. So gern er einem Sabotage, Drückerei und weiß Gott alles vorhält, das macht unsere Wunden auch nicht gesund. Anschließend ist noch Postverteilung. Der Ausgang ist gesperrt. Noch nicht mal in unsere Kantine dürfen wir. 4 Posten stehen an der Türe, daß keiner aus dem Bau kommen kann. Gegen 19.20Uhr können wir endlich zu Abend essen. Nun wird es schon schnell dunkel. Für diese Notizen reicht es noch. Gleich werden die Zähne geputzt, gewaschen und die Füße wie allabendlich gebadet. Dann geht's in Bett. Müde bin ich ja über und über. 1. 9. Mittwoch. Der Morgen geht mit Exerzieren vorbei, bei dem ich Zaungast spiele. Gegen 11.30 erkundige ich mich doch mal nach dem Stand meines Urlaubes. Jetzt geht es. Der Laufzettel in der Hand und nach dem Essen geht es zu den einzelnen Stellen. Sogar die Haare bekomme ich noch geschnitten, daß ich in Glees nicht nach Wehr laufen muß. Zwischendurch wird gepackt und schon soll ich den Fahrschein bekommen, da heißt es: "Zuerst einen Ersatzmann stellen, im Alarmzug." So wird ein Kamerad gewonnen, der mich für 10 Zigaretten für den Urlaub vertritt. Und dann aber los zur Bahn. Unterwegs zur Post ein Telegramm an Dora, daß ich Donnerstag da bin. Über Mainz geht es mit dem Wiener SF Zug nach Koblenz, wo ich gegen 4.00Uhr lande. Dort übernachte ich auf der Wehrmachtsunterkunft gegenüber dem Bahnhof. 2. 9.1943 Donnerstag. Um 6.00Uhr stehe ich vom neugefüllten Strohsack auf. Dann geht's zur Bahn, und nach kurzer Fahrt bin ich in Brohl. Zur Sicherheit gebe ich nochmal ein Telegramm auf. Und dann nach Burgbrohl. Auf dem Weg nach Glees überholt mich mein Nachbar Johann Ball(?), der vom Bahnhof Briketts geholt hat. Nun fahre ich stolz wie Oskar munter plaudernd dem Dorfe zu. Beim Bürgermeister Daub erwartet mich schon Maria. Zuerst gehe ich zur Wohnung, und dann tischt mir Maria Bratkartoffeln mit Spiegeleiern auf. Ganzu allein bin ich zu Hause. Was soll ich machen. Überall steht Unkraut. So habe ich schon Arbeit im Hof, im Garten und überall. Bald ist auch alles in Ordnung. Maria bereitet wieder ein gutes Abendbrot. Heute geht es allein zu Bett. 3. 9.1943 Freitag. Früh bin ich aus den Federn, denn das lange Schlafen bin ich ja nicht mehr gewöhnt. Ein Gläschen Erdbeermarmelade mache ich auf. Kaffee wird nicht gekocht. Gegen 10.00Uhr kommt Maria mich zum Kaffee holen. Dann werden die Betttücher von den eingemotteten Möbeln geholt(?). Reisig, Holz, Kohlen, Brikett bereitgestellt. Die Kinder holen mir in der Pause die Eimer voll Wasser. So warte ich nun auf mein Frauchen. Da kommt Maria ganz plötzlich, daß Dora von Brohl nach Burgbrohl zu Fuß mit dem Koffer gegangen ist. Nun mache ich mich aber runter nach Burgbrohl. Vor dem Ort ist allgemeiner Treffpunkt. Nun haben wir uns so viel zu erzählen. Zum Glück kommt Jakob Schlaus(?) mit dem Rad, auf dessen Gepäckträger der Koffer wandert. 2 Photos vom Urlaubsanfang sollen uns später Freude bereiten. Gegen 14.00Uhr sind wir bei Daubs. Maria hat für unseren Heißhunger gesorgt. Dann gehen wir zur Wohnung, packen alles aus und sind glücklich. Dora hat mir das schwarze Kleid mitgebracht außer einem netten Werktagskleid. Aber die Trauer um den trefflichen Schwager Karl-Josef beeinträchtigt die Freund unseres 7tägigen Zusammenseins nicht. 4. 9.1943 Samstag. Die Schulkinder mit ihrem Getrampel wecken uns. Aber heute haben wir Zeit. Viele schöne Stunden des trauten Zusammenseins haben wir nachzuholen und ins Vorne(?) zu verleben. Uns es in jeder Beziehung schön zu machen, ist unser gemeinsamer Wunsch. Von Schmitzgen gegenüber holt Dora Kartoffeln, ich für morgen Blumenkohl, Sellerie und Breit(?)lauch aus dem Garten, wo alles schön wächst. Der Apfelbaum hat seine Äste bis zur Erde unter der köstlichen Last gebogen. Nicht minder erfreut der Anblick des Birnbaumes. Nach Burgbrohl wandern wir 2 zum Fleischeinkauf. Das Gehen bereitet auf den langen Wegen Schwierigkeiten. Bei munterem Geplauder merkt man es nur nicht so. Na, das abendliche Bad wird recht lang. Und dann ins Bett. Morgen ist ja Sonntag. 5. 9.1943 Sonntag. Spät ist es, als wir wachwerden. Das Mittagessen ist doch zeitig fertig. Ich lese das von Gisela geschenkte Buch "Uta von Naumburg", ein echt deutsches Buch, den Zustand der Macht der Kirche schildernd. Früh gehen wir nach dem Essen aus zum Laacher See. 3 Filme verknipsen wir. Hoffentlich sind es schöne Andenken. Zum Abend trinken wir endlich die Geschenkflasche Wein vom Weihnachtsfest 1942. 4 Jahre Krieg haben uns das Trinken abgewöhnt. Seligmüde sind wir beide. 6. 9.1943 Montag. Ich setze mich daran, nun endgültig die Schriftstücke für meine endgültige Anstellung und die Auszahlung der Schulleiterzulage fertig zu machen. Die Formulare hat der Kreisschulrat noch nicht geschickt. So muß ich nochmal anrufen. Am Nachmittag wandern wir nach Wehr zu Frl. Prümm. Bells(?) Spazierstock tut mir gute Dienste. Wie immer kommen wir spät in unserer Wohnung an. Unsere Reste an Cognac und Likör wollten wir trinken, weil es nun doch länger dauern wird, bis ich wieder im Urlaub komme. Aber das versäumen wir bei der Müdigkeit. 7. 9.1943 Dienstag. Heute wollten wir etwas früher aufstehen. Aber das Poltern der in die Schule gehenden Kinder weckt uns erst. Dann setze ich mich erst wieder an den Schreibtisch, erledige noch Post und stelle weiter die Papiere für den Schulrat zusammen. Mein Frauchen hat so gut gekocht, daß es für heute Abend und morgen Mittag reicht. Auch am Nachmittag erledige ich weiter die Papiere, da ich noch die übrigen Formblätter vom Schulrat bekomme. Noch muß Dora von dem Schwager Willi die Urkunden erhalten, dann kann endlich alles abgeschickt werden. Jetzt ist eine Last von uns genommen. Nun kann alles seinen Weg nehmen. Schon 1941 und 42 sollte das gemacht werden, als ich draußen in Griechenland und vor Sewastopol war. [1] Sturer Bürokram waltet zu Hause, während draußen keine Möglichkeit zur Erledigung privater Angelegenheiten, wichtig für den ganzen Lebenslauf ist, möglich ist. Am Abend können wir uns "befreit" von allem zu Bett legen. Zum letzten Male wohl für lange Zeit. 8. 9.1943 Mittwoch. Also raus aus den Betten. Und nun gepackt und noch von einem guten Johannisbeerstrauch 6 schöne Reiser als Ableger zur Erde gebogen und mit Steinen und Erde beschwert. Wenn ich im Spätherbst nochmal auf Sonntagurlaub hiemkomme, will ich sie verpflanzen, daß schon im nächsten Jahr uns Früchte erfreuen. Schließlich heißt es in der Nachbarschaft Abschied nehmen, auch in der Schule. Wir essen möglichst alles auf, den Rest muß Dora heute Abend vertilgen. Dann wandern wir nach Burgbrohl. Zusammen fahren wir nach Koblenz und verleben einige schöne Stunden in Koblenz am Rheinufer. Dora muß zu ihrem Zug. Auch meiner setzt sich in Bewegung. Im Bummelzug kann ich die Schönheiten dieser herrlichen Rheinstrecke bewundern mit abwechselnder Reisebegleitung. Um 22.00Uhr bin ich in der Kaserne. Das Licht an und allen alten Kumpels die Hand gedrückt. Nur Kam. Himmelreich, ein gemütlicher, echte Sachse rollt, daß es eine Freude ist. Die guten Butterbrote Doras munden mir gut. Dann lege ich mich in ein Bett, dessen Besitzer LS haben soll. Als ich mich gut eingenistet habe, da kommt derjenige Kam. und ich muß aus dem Bett raus in ein anderes, in dem ich mehr Glück habe. 9. 9.1943 Donnerstag. Nun fängt der Zirkus wieder an. Ich melde mich zurück. Anschließend geht's zum LS Sand tragen in der Eimerkette. Zum Erledigen des Anmeldelaufzettels bleibt mir auch noch Zeit. Am Nachmittag gehe ich zum Orthopäden. In 11 Tagen soll ich wiederkommen. Kein LS! So gehe ich einmal zum Bahnhof nach den Zägen in Richtung Gelnhausen nachschauen, esse in der Soldatenbetreuungsstelle um auf dem Heimweg 4 Pfd. Tomaten einzukaufen. 10. 9.1943 Freitag. Soweit es geht, mache ich das Exerzieren als Zuseher(?) mit, auch wieder als Platzreiniger. Der Stabsfeldw. tobt wie immer. Kein LS! In der Kantine ist ein sehr schlechter Lautsprecher, so gehen wir nach dem Gang in die Stadt in die Wohnung des Kasernenwärters, um die kurze Rede des Führers aus dem Führerhauptquartier über die Lage und unser Verhältnis zu Italien anzuhören. 11. 9.1943 Samstag. Heute stelle ich mich zu den Innendienstlern. Eine ??? Stube habe ich geputzt, und dann noch 2 Hosen zum Aufbügeln zur Schneiderei gebracht. Dabei wird noch Löhnung empfangen und die Wäsche getauscht. Beim Mittagsappell fallen viele wegen schmutziger Wäsche auf. Mein LS ist auch fällig. Nach den gewöhnlichen Samstagnachmittagarbeiten ist Schluß. Ich bin aber so müde nach dem Duschen, daß ich sogar das essen in der Stadt verschlafe. 12. 9.1943 Sonntag. Gestern Abend hat das Abmelden nicht geklappt. So ist heute große Brüllerei und Anschnauzerei sowie Einsperrung der gesamten Einheit. Gestern Abend hatte der Säufer Spieß Saufabend. So artete heute das Benehmen dieses sonst schon wenig zurechnungsfähigen Menschen wirklich aus in das Toben eines irrsinnigen Tieres. Es ist ein tolles Blöken und Schreien. Gegen diejenigen, deren Frauen zu Besuch gekommen sind, hat er ganz ausfällige Bemerkungen, sie sollten die Frauen zu Hause lassen, was die nur hier wollten. Ein Appell in allen Sachen, wie er noch nie dagewesen ist, nach vorhergegangenem Ia Revierreinigen mit "vorbildlicher Meldung" bei der Stubenabnahme schließt den Dienst mit dem Aufheben der Ausgangssperre. LS habe ich ja keinen. So gehe ich zum Baden, wo ich fast ganz allein bin bei gemütlicher Unterhaltung mit einem Darmstädter Sportsmädel. Nachher verleibe ich mir in einer Gaststätte 3 Abendessen ein. Und dann hinauf zur Kaserne. 13. 9.1943 Montag. Wieder Innendienst. Na, da läßt es sich schon aushalten. Blödsinnige Arbeit. Auf dem Speicher ein LS Wasserfaß leerschöpfen und wieder volllaufen lassen. Ich kann wenigstens dabei die Grüne Post lesen, die mir Gisela geschickt hat. Mein Kam. schläft indessen. So vergehen 3 Stunden. O Barras! Wie nutzlos wird hier die brachliegende Arbeitskraft von einigen Hundert Kam. vertan. Und das nur in Darmstadt. Ob es Sinn der Verordnungen ist, die von oben gegeben werden in weiser Absicht. Es ist vielleicht ??? ein Grund, sinnlos auf die "Oben" zu schimpfen und beim Mißlingen auf sie abzuwälzen. Am Nachmittag putze ich den mittleren Flur. Bei dem vielen Bewegen und Bücken, sowie dem Arbeiten mit dem Wasser schmerzt das Bein sehr. Viel trägt dazu auch das sehr schwüle und unbeständige Wetter bei, daß ich selbst nachts keine Ruhe mehr finde. Die Schmerzen am Hinterkopf und von dort ausstrahlend an den Ohren und Augen lassen nicht nach. LS mal wieder. 14. 9.1943 Dienstag. Heute werde ich auch mit vorgelesen zur Nachuntersuchung, denn meine g.v.H Zeit ist ja schon am 1.9. abgelaufen. Der Arzt kommt sehr spät, so daß alles sehr eilig geht. Er behauptet, als ich den Fuß bewegen muß, es ginge besser, worauf ich bei meinerm klaren "Nein" sehr verdutzt aufsah. Nun soll ich behandelt werden. Bin mal gespannt wie. Bis zum 31.12.43 bin ich bin ich mal wieder g.v.H. geschrieben. Also mal wieder 3 1/2 Monate nutzlos in der Kaserne verbringen. Es fehlen so viele gesunde Arbeitskräfte im Volke, uns, die wir vernünftig arbeiten wollen, hält man aber so unnütz hier fest, oder leiten uns erst über langem Bürokram zum Einsatz. Am Nachmittag habe ich die ganze Treppe gekehrt. Nun geht es raus zum Essen in die Stadt. 15. 9.1943 Mittwoch. Heute morgen ist meine Arbeit kehren des staubigen Speicherbodens. Schade um die Zeit und die Besen. Nutzlose Arbeit. Aber wir müssen beschäftigt werden. Das wissen auch die Uffz., die uns beaufsichtigen. Ich setze mich auf ein Sandsäckchen hinter einen Pfeiler, lese die "Grüne" und bin schließlich eingenickt. Als ich plötzlich aufwache, steht der Uffz. neben mir und liest in meiner Zeitung. Er lacht nur und ich reibe mir die Augen. Nachts schlafe ich so schlecht, und von der Arbeit tun die Nerven so weh. Eine Stunde habe ich so genickt. Noch einmal etwas gekehrt und aus ist der Dienst. Am Nachmittag gehe ich zur ersten "Behandlung" aufs Revier. Ich bin enttäuscht über den verordneten Heißluftkasten, der mir in Laybusch(?Saybusch?) und in Trier auch nichts geholfen hat. Nun ich muß ja nach Befeld(?) den Strom vergeuden. Wenn ich die orthop. Schuhe habe, gehe ich noch zum Nervenarzt, daß er mir vielleicht hilft. Das Leben ist ja immer eine Qual. Ich merke nur, wie es schlimmer statt besser wird. Heute Abend ist wieder Zirkus im Bau. Der Stabsfeldwebel ist im Urlaub und der stellvertretende ist noch schlimmer. Wir essen gerade nach dem Abendappell ein Brot, da heißt es: Alle antreten!! Dann müssen noch alle Stuben und Korridore sowie Treppen geputzt werden. In unserer Stube übernehmen die LS eingeteilten die Arbeit. So konnte ich doch in die Stadt und sitze nun hier in der Bessunger Turnhalle zum erstenmal beim herrlichen Schnitzel und Bier, was allerdings besser sein dürfte. Heute habe ich eine besondere Freude erlebt. Zum ersten mal habe ich einen Funkkameraden der Einheit getroffen. So haben wir uns alles erzählen können. Leider wird er morgen schon wieder abgestellt. Es war Kam. Fick. 16. 9.1943 Donnerstag. Wie gewöhnlich vergehen der Vor- und Nachmittag mit Kehren und anderem Reinigungsdienst. Endlich sieht man ein, daß zu viele Putztücher bei nutzlosem Putzen verschlissen werden. Manche Hausfrau und arme Dorfschule wäre froh, wenn sie einige ordentliche Lappen bekäme. Nachmittags gehe ich von jetzt ab ins Revier zum Heißluftnehmen. 17. 9.1943 Freitag. Nun hat für 2 Tage mal die Brüllerei ein Ende gehabt, weil der "Tiger" weg war. Es war Ruhe im Bau. Nun ist das wieder dahin. In der Mittagspause schreibe ich schnell ein Briefchen an Dora, denn morgen hat sie ja Geburstag. Ich soll heute meine orthop. Schuhe abholen. Aber der Spieß schnauzt und brüllt und läßt mich nicht gehen. Es sei "Exerzieren"! Trotzdem kann ich ja nur Innendienst machen. So muß ich also bis zum Montag warten. LS in der Hutier-Kaserne. 18. 9.1943 Samstag. Großes Reinigen und nachmittags zum Kartoffelschälkommando. Beim Einteilen der LS für Samstag und Sonntag habe ich Glück. Rechts und links werden sie rausgezogen. Aber Schwein muß man haben. Ein Schnitzel ist das Geburtstagsessen, das ich mit Dora gegessen hätte. Das neblige Wetter steckt fürchterlich im linken Bein, daß ich schon gegen 22.00Uhr in die Kaserne fahre. 19. 9.1943 Sonntag. Die schöne Nacht wird plötzlich durchbrochen durch Stöhnen und Schreien. Ein nervenkranker Kam., dem der San.Uffz. sagte, er solle sich nicht verstellen, ist beim Antreten zusammengebrochen und hat sich den Kopf aufgeschlagen, daß das Blut auf der Erde liegt. Wir helfen ihm, verbinden ihn und dann wird der Schlaf fortgesetzt. Es wird zu früh morgen. Am Morgen wollen sich fast alle vom Revierreinigen drücken, deshalb melden sie sich zum Kirchgang. Sonst ist wenig für Konfession übrig. Zum Drücken ist die Kirch gerade gut genug. Den Nachmittag verbringe ich angenehm. 1. besuche ich im Schloß die Ausstellung "Unser Heer". Umfangreich und anschauenswert ist sie. Gerade von der Jugend wird sie aufgesucht. 2. Dann gehe ich zum guten Abendessen und 3. kann ich noch in das Eröffnungskonzert der H.J. Kulturwoche, ein 2stündiges Konzert (Orchester und Chor), aufgeführt vom Musischen Gymnasium Frankfurt. Ich glaube, so herzlich ist diese Knabenschar wohl noch nicht begrüßt und ihr gedankt worden, und das besonders von der H.J. und dem B.d.M. Befriedigt über den Verlauf des Nachmittags fahre ich heim, wenn man die Kasernenstube so benennen kann. 20. 9.1943 Montag. Weil ich heute Nachmittag in die Stadt will, nun endlich meine Schuhe zu holen, so gehe ich denn heute morgen zum Revier unter den Lichtkasten. Ich muß etwas warten. Da weden 2 Kam. bewußtlos hereingetragen, der eine mit Starrkrampfanfällen, der andere auf dem letzten Steilanstieg zum Kasernentor wegen Herz(???) vom Urlaub kommend zusammengebrochen. Da lagen sie nun. Von den Sanitätern kümmert sich fast keiner drum. Bleich, ohnmächtig liegen sie dort; ich reibe die Hände des im Schüttelfrost liegenden, erneuere den Naßaufschlag. Dann muß ich noch zum Sani gehen, daß endlich eine Decke gebracht wird. Es ist erbärmlich. Endlich kommt zur gewohnten Zeit der Arzt. Was soll er viel machen? Wir halten wenig von ihm. Schließlich erholen sich beide. Auch ich nehme das Heißluftbad. Helfen tut es ja doch nicht. Nur muß ich den Strom nutzlos verbrauchen, daß man mir nichts sagen kann. Beim Mittagsappell will der Spieß mich nicht zum Orthopäden gehen lassen, aber ich lasse nicht locker. Der Passierschein ausstellende Schreibstubenbulle ist recht anmaßend und eingebildet. Und als ich zum Schuster komme, vertröstet er mich auf den 7.10.. Aber nun lasse ich mir eine Bescheinigung geben, daß der Spieß nichts mehr zum Schnauzen hat. Auf dem Heimweg mache ich einen Abstecher in eine Konditorei und ein Blumengeschäft, weil unser Kamerad Himmelreich 35 Jahre alt wird. Er hat Wache in der Ausstellung. Bader besorgt beim Abendessen aus der Kantine ein Bierglas. So können wir unserem Kam. mit Harmonikamusik und Blumen gratulieren. Den ganzen Abend ist gute Stimmung auf der Stube. Der LS macht auch daran nichts aus. Er ist ja allabendlich. Hans LS. 21. 9.1943 Dienstag. Treppenkehren am Morgen. Dann ist schon früh um 11.00Uhr Essen. Dem Kam. Becker, der heute für allerhand Dummheiten 7 Tage in den Bau wandert, wickle ich noch Brot und Honig ein. Mit meinem Schüsselchen geht er essen. Im Speisesaal treffe ich ihn. Während er sonst 2-3x nachholt, bekommt das "lange Laster" jetzt nur einen halben "Schlag" herunter. Auch die gutgemeinten Witze der Kameraden sind in diesem Falle eine schlechte Würze. Da die anderen schon um 12.00Uhr zum Schießen abrücken, haben wir Innendienstler erst um 14.00Uhr Antreten. Da sortiert der Spieß mit dem Krankenbuch. Vielleicht werde ich nun zur kommissarischen Untersuchung, um endgültig etwas zu hören. Beim anschließenden Kartoffelschälen verschwinde ich nach 1 Stunde aufs Revier zum tgl. Heißluftbad. So liege ich nun hier und mache die Notizen des heutigen Tages. Am Abend komme ich doch nicht dazu, weil ich keinen LS habe und somit in die Stadt essen gehe. 22. 9.1943 Mittwoch. Gestern habe ich Nachturlaub eingereicht, und heute beim Mittagsappell werde ich auch wirklich aufgerufen. Beim Abendappell kann ich es kaum erwarten, bis die Post verteilt ist. Um 16.45Uhr fängt das Theater an. Die Zauberflöte von Mozart wird gegeben. Darbietung in der H.J. Kulturwoche. Mit dem Kam. Weber fahre ich hin; ein mächtiger Zusturm. Ob's glückt? Wir warten einige Minuten vor der Türe. Noch mehr Verwundete möchten gerne rein. Mit einem Bannführer schlüpfen wir durch. Alles ist übervoll. Zu zweit sitzen wir auf dem Sanitätssitz. In der ersten Pause erblicken wir eine bessere Sitzgelegenheit. Wir stellen je zwei LS Sandtüten auf- und nebeneinander. Aber guten Blick haben wir. Die kriegsbedingte Sitzgelegenheit läßt uns nicht recht zum Genuß der wirklich guten Darbietung kommen. Die Jugend war eine aufhorchende(?), dazu klare Zuhörerschaft. Nach dem Theater gehen wir noch zum Schloßkeller, wo Weber eine Freundin findet; er erwartet von ihr etwas Tabak, den er sich dann selbst schneiden will, wie es viele Kam. in der Zigarettennot machen. Der Abschied von dem Mädel scheint Weber nicht leicht zu sein. Im Mordstempo stiefeln wir die Schienen der Linie 3 entlang, da keine Elektrische mehr fährt. 3 Minuten vor 24.00Uhr erreichen wir schwitzend das Kasernentor. Noch eine Scheibe Brot mit Limburger vor dem Schlafengehen. Und dann rein ins Bett. 23. 9.1943 Donnerstag. Nebliger, kalter Herbstmorgen. Die meisten frieren, weil sie keine Strickweste haben. Im übrigen frieren wir jede Nacht unter der einzigen dünnen Sommerwolldecke. Viele lassen Unterhose und Hose an. Wir müssen Infanteriedienst machen. Die Feldw. u. Uffz. sind ratloser als wir. Denn mit uns ist nichts anzufangen. Am Nachmittag gehe ich nach dem "Marsch" zum nahen Platz ins Revier. So ist mein Dienst schon vorbei, während die anderen Gehbehinderten an einer Böschung außer Sicht liegen. Heute ist aber mal wieder LS fällig. Vor dem Antreten kann ich noch in die nächste Wirtschaft gehen und 2 ordentliche Abendessen verdrücken. Dann habe ich morgen früh mehr zum Brotaufstrich. 24. 9.1943 Freitag. Früh bin ich gestern Abend zu Bett, um den Schlaf von Mittwochabend nachzuholen. Aber schon um 22.20Uhr gehen die Sirenen. Kaum stecken wir in den Kleidern, da ballert die Flak. Gerade bin ich über dem Hof im Keller des Wirtschaftsgebäudes angelangt, da fallen die Dforstbäume (Leuchtschirme der englischen Flieger) [Es handelt sich um Brand- und Druckluftbomben, bei denen man Augen schließen und Mund öffnen sollte, da sonst die Lungen reißen.], dann prasseln die Bomben. Der Luftdruck läßt Türen und Kerzenlicht bewegen und flackern. Und bald brennt es in der Stadtmitte hellauf - glutrot ist der Horizont. Die meisten Off. sind ebenfalls bei uns im Keller und wagen sich kaum hinaus, um nach dem rechten zu sehen. Zivilisten sitzen auch verängstigt dort. Bis 24.00Uhr dauert der Angriff, wobei Darmstadt nur ein Nebenakt ist! Mannheim und Ludwigshafen sind das eigentliche Angriffsziel. Dann heißt es: Hausluftschutzfenster(?) wieder schließen und verdunkeln. Alles andere muß antreten. 50 Mann werden zu den Bergungsarbeiten in der brennenden Stadt abgestellt. Wir können uns hinlegen. Dann geht ein Pfeifen: Alles angkleidet auf den Betten bereit liegen. Um 5.30Uhr ist wecken. In 1/3 Stunde müssen wir schon stehen. Kaum einer hat Zeit zum Kaffeetrinken. Dann rücken die nächsten los zur Stadt. Wir Gehbehinderte können wieder reingehen und legen uns noch was hin. Um 7.50 stehen wir wieder da. Schüssel und von uns Gabel und Löffel geben wir ab für die Löschenden in der Stadt. Ein Alarmzug für eilige Hilfe in Mannheim wird aufgestellt. Strammer Dienst muß durchgeführt werden, damit wir den draußen stehenden nicht nachstehen. Der Spieß redet das Blödeste Zeug. Es ist der Ausdruck eines überheblichen, von sich und seinem Tun eingenommenen Menschen. Selbst beim Alarm in der größten Gefahr sinnt er nur danach, ob er einen anderen ertappen kann zum Bestrafen. ??? 9 Mann, 5 davon Bein- oder Arm verwundet und 16 Uffz. und Feldw. ziehen mit Gewehren zum Platz. Jeder macht so gut es geht. Es ist lächerlich, unser ganzes Tun. Diese blöden Befehle des Spießes sind uns allen lächerlich. Rauch liegt über der Stadt dünn verzogen. Am Nachmittag machen wir wieder Innendienst. Immer kommt es doch darauf hinaus. Das Heißluftnehmen ist in diesem blöden Tun eine angenehme Unterbrechung. Am Abend sind alle Kommandos aus der Stadt zurück. Sie erzählen von dem Zerstörten und dem Verhalten der Einwohner. Gespannt auf diese Nacht legen wir uns zur Ruhe. Die meisten liegen mit den Hosen bekleidet im Bett. Ich vertraue mal auf gut Glück mit zum Griff bereitliegenden Kleidern. Heute war mein Geburtstag. 30 Jahre bin ich nun alt. Es war ein sehr unruhiger Tag. Aber froh muß man sein, daß man nicht wie viele unter Trümmern begraben liegt. 25. 9.1943 Samstag. Gut ist die Nacht verlaufen. Aber von der Unruhe sind wir wie zerschlagen. Wieder rücken 30 Mann zur Stadt aus um noch aufzuräumen und Tote zu bergen. Ich muß mit zum Schießstand raus Sand schaufeln. Der Rücksichtslose Spieß zwingt einen Armverletzten und uns dazu. 1/2 Stunde marschieren wir, wenn auch hintendrein. Bald hört der Fisselregen auf. Anstrengen tun wir uns bestimmt nicht. So geht der Morgen dahin. Wenn der Weg nicht so weit wäre und dann das elende Wetter, aufklarend, wolkigzerrissen, windig, neblig. Mein Fuß ist wie in Eisenfesseln eingezwängt. Es geht sehr schlecht. Beim Stubendurchgang ist unsere Stube auch wieder aufgefallen mit anderen Stuben. Unter dem Spind hatten die Kam. nicht geputzt. Ein Geschimpfe beim Spieß war die Folge: "Wenn wir die Stube 104 nicht hätten." Bei diesem Taubenschlag tun wir unser möglichstes. Ich muß aber auch sagen, daß es auch viel an der Nachlässigkeit und schlampigen Erziehung der Kam. liegt. Immer muß man denken: "Wie sieht es wohl bei denen zu Hause aus?" Wäschetausch, Reinigen und Baden mit anschließendem Appell beschließen den Dienst und damit die Woche. Ich aber gehe hinaus zum Essen. Hunger habe ich nach etwas Gutem. Dann werden auch am 30.9. die Marken ungültig. So sitze ich hier in der Wirtschaft auf das Essen wartend und mache diese Notizen. Heute wird es etwas später mit dem Schnitzel, weil durch den Angriff die Fleischlieferung nicht wie üblich klappt. Endlich wird es doch. Anschließend gehe ich noch zur Augustinerbräu. 26. 9.1943 Sonntag. Sonntagmorgendienst wie immer. Die einen sind zum Brandlöschen in der Stadt, andere in der Kirche um sich vor dem Reinigen zu drücken. So machen wir denn die Stube rein. Alles ist blitzblank, so kann denn auch der Spieß sagen: "Warum nicht immer so?" Die "Verbrecherstube 104" ist also etwas rehabilitiert. Heute habe ich wieder LS. Da wegen der zunehmenden Dunkelheit das Antreten schon um 18.45 ist, ist auch der Nachmittag kurz. Ein Kam. geht mit mir ins Kino: "Der unendliche Weg", der Schicksalsweg des Einigers(?) Friedrich List. Staatspolitisch sehr gut! Um 17.00Uhr gehen wir essen und erreichen bei aller Eile den Kasernenhof, als der LS schon angetreten steht, wie üblich 1/4 Stunde zu früh. 27. 9.1943 Montag. Ich muß mit zum Geländedienst. In unserem Trupp sind nur Gehbehinderte. So geht es ganz gemütlich. Vorgesetzte und Mannschaft haben zu nichts Lust. Zeitvertreib! Wir wissen es ja nicht besser. Am Nachmittag schickt mich der diensttuenden Stabsfeldw. sofort weg, wenn ich auch erst in einer halben Stunde auf dem Revier zu sein brauche. Von 16.00-17.00Uhr ist Singen(?), wir gehen zur Turn- und Reithalle. Keiner der 20 Uffz freut sich, den Gesang zu leiten. Einer hat Angst vor dem anderen. Da trete ich vor und übe das Lied "Wer recht in Freuden wandern will". Hier habe ich die Möglichkeit, etwas über Betonung und Aussprache zu sagen. Fast "alle" singen freudig mit. Kein LS. So gehe ich essen. Mit einem Kölner Mädel plaudere ich am Tisch, tausche ihr einige Butter- gegen Margarinemarken um. In der Stadt ist sonst nichts los. So bin ich bald wieder im Bau. Unser Spieß hat sein Amt niedergelegt. Beim Abendappell herrschte schon ein ganz anderer Ton. Das Brüllen ist dahin. Alle atmen wir auf. Jetzt kann es endlich hier im Haufen anders werden. 28. 9.1943 Dienstag. Ich lasse mir die Birnen und Äpfel, sowie das Brot (Früchtebrot), alles schöner Inhalt von Giselas Geburtstagspaket gut schmecken. Zuerst reinige ich die Aborte mit einigen Eimern Wasser und dann den Flur. Dann gehe ich ins Revier, wo ein Sanitäter den Fuß auch mal massiert. So soll es nun jeden Tag gemacht werden. Bei der Postausgabe erhalte ich einen Brief von Dora und eine "Grüne", in denen die bange Frage um das Geschehen in dieser Stadt steht. 29. 9.1943 Mittwoch. Nun ist der Dienst angenehm, denn wenn wir unsere Kehr- und Putzarbeiten verrichtet haben, können wir uns unbesorgt auf die Stube setzen oder hinlegen. Am Abend habe ich Nachturlaub. Ein gutes Essen und dann im Kino "Das Verlegenheitskind", ein lustiges rheinisches Stück. Auf dem Heimweg überrascht mich kurz vor dem Kasernentor die Sirene. Rauf die Decke und Gasmaske geholt und dann in den Keller. Aber kaum liege ich auf der Bank, als auch schon die Entwarnung kommt. 30. 9.1943 Donnerstag. Wenn es auch nun stiller und ruhiger in der Kaserne zugeht, so gewinnen die Haltung und der Schneid der Soldaten sehr. Alles wird freudiger freiwilliger gemacht. Auch mit Witz zu würzen versteht der stellv. Spieß. Von jetzt an gehe ich jeden Morgen zum Revier. Es dauert lange, bis der Fuß durch warm ist und der Kam. gibt sich beim Massieren wirklich Mühe. So geht nach kurzem Revierreinigungsdienst fast der ganze Morgen drauf. Zum LS habe ich mich heute freiwillig gemeldet. Nach dem Antreten um 18.45 bleibt noch soviel Zeit, daß man essen gehen kann. Der ??? wartet ja immer so lange, bis man wieder in der Kaserne ist. Heute Abend werde ich für einen Schreiberlehrgang für spätere Schreibstubendienste gesperrt(?). Hoffentlich geht es bald weg. 1.10.1943 Freitag. Fast den ganzen Morgen habe ich auf dem Revier verbracht. Nun warte ich auf die Abendverpflegung, wozu gleich rausgepfiffen wird. Auf der Stube ist gestern großer Abgang und sofortiger Zugang zu verzeichnen gewesen. Ein 18jähriger Knirps, 153cm groß, ein feines Milchgesichtchen wie ein Mädel von 11-12J., unsicher und ängstlich in seinem Verhalten, ist auch bei uns. Alle haben wir ihn sofort ins Herz geschlossen. Dann ist für mich auch ein Kam. auf die Stube gekommen. Es ist ein Student der Kunstpädagogik. Wir zwei haben manches zu besprechen und zu erzählen. Zufällig ist auch das Bett neben mir freigeworden. So erzählen wir noch, während die anderen schon schlafen. Mal wieder freiwillig LS in der Cambrai-Kaserne nebenan. Kam. Seibert, ein ausgezeichneter Maler, der Kunststudent, liegt neben mir. Wir unterhalten uns noch, da heulen die Sirenen auf. Aber nicht lange sitzen wir in der lauen Nacht auf unseren Decken vor der Halle 12. Im Falle eines Brandes müssen wir zuerst eine Zange holen, um ein Schloß aufzuknacken, zu dem unser Schlüssel nicht paßt! Heiliger Barras in seiner Überorganisation. Die Nacht ist doch noch reichlich zum Schlafen da, weil wir nun bis 7.00Uhr schlafen. 2.10.1943 Samstag. Beim Antreten werde ich zum Stab beordert, weil ich ja für den Schreiberlehrgang gesperrt bin. Ein kleines Diktat, das meine "Schreibsicherheit" prüfen soll, reiht mich von mehreren als fester "Aspirant" ein. Leider ist bei der heutigen Abstellung nach Trier auch der Kam. Seibert(?) gewesen. Gern haben wir zusammen geplaudert. Heute Nachmittag muß ich mal Kohldampf schieben, denn das Mittagessen war herzlich wenig: Kaum 1/2 Schüsselchen Suppe mit etwas Fleischwurst. Zum LS melde ich mich zum WBK in der Stadt. So bekomme ich wenigstens die Gelegenheit zum Essen. Gegen 21.00Uhr sind wir 3 wieder zusammen. Einteilung und dann können wir uns hinlegen. Vorsichtigerweise ziehen wir nur Schuhe und Strümpfe aus. Und wirklich, in 1/2 Stunde geht auch schon die Sirene. Im Keller wird weiter geschlafen, während draußen die Flak ballert und die schweren engl. amer. ihr an- und abschwellendes Motorengeräusch erdröhnen lassen. 1 1/2 Stunden sind wir unten. Dann gehen wir rauf, um nach einer halben Stunde wieder im Keller zu sein. Aber diesmal dauert es nicht lange. Der Schlaf ist zerstört, wir frieren und werden unter der einen kurzen Decke, die uns zur Vefügung steht, die ganze Nacht nicht warm. Gegen 7.30Uhr stehen wir auf. Mit der Straßenbahn rauf zur Ludwigshöh, wo wir zum Antreten recht kommen. Die Kirchgänger (Kath. und Protest.) können zur Kirche gehen. Wir "Gottlosen" reinigen die Stuben und machen die Verdunklung in Ordnung für die anderen Kameraden, wodurch wir beweisen, daß wir unsere Zeit besser auszunutzen verstehen für die Allgemeinheit als die sich drückenden Betgänger. 3.10.1943 Sonntag. Das Mittagessen ist schon früh, daß wir auch bald die Kaserne verlassen können. Ich habe vor, in den Farbfilm Münchhausen zu gehen, gehe endlich doch mit einem Kam. ins Theater, wo wir noch einige der letzten Karten erringen. Von 16.00 bis 20.30Uhr erfreuen wir uns an der Erstaufführung: Lohengrin. Restlos begeistert ist das bis zum letzten Platz gefüllte Haus. Danach noch ein Abendessen, und wieder mit den Kleidern ins Bett, um nach 20 Minuten in den Keller zu gehen. 1 1/2 Stunden schlafen wir dort. Dann setzen wir unseren Schlaf auf der Stube wieder fort. 4.10.1943 Montag. Der Aufenthalt auf dem Revier dauert immer länger, weil der Masseur sich wirklich Mühe gibt. Gerade wollen wir um 11.00Uhr unsere Abendportion empfangen, da heult die Sirene auf. 1 1/2 Stunden verbringen wir wieder im Keller. Nachmittags gibt es nochmal Voralarm. Wiederum LS im Wirtschaftsgebäude. Und wiederum heult die Sirene, geistern(?) die Lichtbündel der Scheinwerfer, ballert die Flak, dazwischen das Dröhnen der in Wellen anfliegenden Bomber. Leuchtschirme (Tf(?)ristbäume), das Aufblitzen der berstenden Flakgranaten, und dann das schaurige "Abregnen" des Phosphors in glutroter und grünlicher Farbe. Dieses ganze Vernichtungswerk gilt der alten Kaiserstadt Frankfurt. Wir gehen wieder zur Ruhe. 5.10.1943 Dienstag. Zur Schreibstube und zum Revier, dann ist der Morgen vorbei. Wiederum LS, zu dem ich mich freiwillig melde, wofür uns der Spieß eine Freikarte fürs Varieté gibt. Aber damit kann ich zu meinem Ärger nichts anfangen, denn vom Arbeitsdienst in der Cambraikaserne um 17.00Uhr zurückgekehrt, bekomme ich meinen Laufzettel in die Hand gedrückt mit dem Hinweis: Morgen früh geht's nach Mainz zum Schreiberlehrgang. Auf der Kammer wird noch allerhand Ballast empfangen und am Abend verpackt. Mit den Kleidern liegen wir wieder auf dem Bett, wir erwarten ja um 21.00Uhr wieder die Sirene. Aber nichts regt sich, so ziehe ich mich gegen 23.00Uhr aus und schlafe zum letzten mal hier auf der Stube 104. In wenigen Tagen werden es am 14.Okt. 3 Monate meines Aufenthaltes hier in Darmstadt. 6.10.1943 Mittwoch. Durch die ungewohnte Ruhe sind wir alle viel früher ausgeschlafen. So haben wir uns schon gewaschen, als der G.v.D. pfeift. Nach dem Antreten erhalte ich meinen Fahrschein und ziehe mit Sack und Pack zur Elektrischen. Bis 12.30Uhr habe ich noch Zeit. So kann ich noch zum Orthop. fahren und ihm sagen, daß ich morgen oder übermorgen von Mainz komme und mir die Schuhe hole. Nun sitze ich wieder in der Imbißhalle, wo beim Kuchen und Kaffee diese Notizen gemacht werden. Um 12.00Uhr treffe ich dann mit meinen Kameraden am Bahnhof zusammen. Auf der Fahrt haben wir nette Unterhaltung mit einer Soldatenwitwe und einem Kind. MAINZ Am Bahnhof, wo wir mal gut essen, ist es nicht weit entfernt, wo wir nun für 8 Wochen wohnen werden. Bald sind wir in zwei Stuben aufgeteilt und nun "hause" ich mit 13 anderen auf der Stube. Betttuch, Plumeau und Kissenbezug, na, das hatten wir nicht erwartet. Schon setzt der Unterricht ein. Mein Lebenslauf. Da läßt sich ja viel schreiben. Viel habe ich ja bisher durchgemacht. Abends gehe ich in einer nahen Wirtschaft essen. Echt Mainzerisch gemütlich ist es dort. Mit 2 Briefen an Gisela und Dora über meinen Standortwechsel beschließe ich den ersten Abend. Meine Anschrift lautet: Schreiberlehrgang (Bingerschlag(?)) Mainz Wir erwarten die Engländer. Aber ruhig bleibt es, auch in der ganzen Nacht. Trotz unseres schönen Bettes friere ich an Schultern und Beinen. Rheumatismus und Verwundung machen sich bei beginnendem Herbstwetter sehr bemerkbar. 7.10.1943 Donnerstag. Alle sind wir heute schnell munter, denn eine ungestörte Nachruhe tut Wunder. Um 7.00Uhr beginnt der Dienst. Ein Diktat und dann ein Aufsatz: "Mein Beruf" sind der Inhalt der Morgenstunden. Das Mittagessen ist sehr schmackhaft, wenn auch etwas wenig. Nachmittags einige Stunden, in denen die bisherigen schriftlichen Arbeiten besprochen werden. Ein gutes, warm süßes(?) Abendessen, und der Tag ist beendet. Allein gehe ich in die Stadt zu einem Bummel, den ersten Eindruck will ich gewinnen von dieser Stadt, in der ich vor 10 Jahren auf der Fahrt nach Würzburg bei einem Arbeitsdienstkameraden übernachtete. Im Abendnebel ragen die klagenden und Vergeltung heischenden Trümmer der zerstörten Häuser empor. Zum Rhein ist mein erster Gang. Wie im Geisterland blinken durch den Flußnebel die Lampen der noch fahrenden Rheinkähne. Mein Fuß schmerzt sehr. So kehre ich zurück. Die schönen Bratkartoffeln gibt es heute nicht, denn das Lokal ist geschlossen. So gehe ich auf unsere geheizte Stube, wo die Abendstunden zu einer kleinen Vorbereitung in der Stenographie ausgenutzt werden. 8.10.1943 Freitag. Zum ersten mal gehen wir in die städt. Berufsschule zum Maschinenschreibkursus. Wie die kleinen Buben sitzen wir vor den unbezeichneten Griffeln(?). Nachmittags fahre ich nach Darmstadt als Kurier. Zuerst vom Bahnhof zur Div., dann zum Orthopäden. Nun sind meine Schuhe endlich fertig. Schmerzen bereiten sie ja ganz ordentlich, bis sie eingelaufen sind. Für die Anfertigung des 2ten Paares gilt folgende Anschrift: Orthopädische Versorgungsstelle Frankfurt/Main Bertramstr. 7 Mein Aktenzeichen T243 Mit meinen Normalkomißstiefeln in der Mappe fahre ich zur Kaserne, gebe sie dort auf der Kammer ab und besorge beim Rechnungsführer für den Kam. Hüfell und mich die Oktoberseife. Und wieder zur Div., dann zur Bahn. Gott sei Dank hat der Zug 6Min. Verspätung, sonst hätte ich noch bis zum nächsten warten können. 9.10.1943 Samstag. Um 12.0Uhr ist schon Dienstschluß. Den Nachmittag nutze ich einmal zum Baden aus, dann sehe ich mir den Film "Operette" an und lerne fleißig Stenographie. 10.10.1943 Sonntag. Der Sonntag ist ganz dienstfrei. Bis 8.00Uhr wird geschlafen. Um 11.30 gibt es schon Essen. Dann setze ich mich wieder hin und über Steno. Zum Abendessen gehe ich mit einem Kameraden aus. Es gibt Sekt. Wir bestellen eine Flasche und sind über den Preis von 10.30M nicht wenig erstaunt. Aber er hat uns aufgeheitert. 11.10.1943 Montag. 6 Stunden morgens, 3 Stunden nachmittags. Dann brummt der Kopf. Besonders das Maschinenschreiben strengt an. Das ist ja an den 16 Maschinen ein ganz elendes Geklapper. Dem Kam. Scholter(?) wird es übel. Er wird nach Hause begleitet. Und wie sich heute, 12.10.1943 Dienstag, herausstellte, hat er Angina und unsere ganze Stube ist gesperrt. Ich freue mich, daß ich gestern noch in dem Film "Germanin" war. Nun sitzen wir nach dem Mittagessen in der Stube. Durch die andere Lehrgangsgruppe erhielten wir Suppen und Essen von der Küche. Der Stubenälteste verteilte es. Jetzt haben wir unsere Markenin der Tasche und können und das gute Abendessen in den Mond schreiben. Am wenigsten können sich die jungen Kam. damit abfinden, die die Unbequemlichkeiten des Soldatenlebens mit seinen Überraschungen nicht gewöhnt sind. Eins ist gut: Die Briefe werden erledigt, und für die Stenographie bleibt jetzt auch Zeit genug. 13.10.1943 Mittwoch. Die Morgenstunden gehen vorbei im Stundeneinerlei. Und nun der freie Nachmittag. Wir sind eingesperrte "Aussätzige". Durchs Fenster bekommen wir in der Kaffeekanne die Suppe und im Topf das Essen gereicht. Am Nachmittag schlafen die meisten. Ich schreibe. Trotzdem wird es zu schnell Abend. Ein Kamerade der anderen Gruppe bekommt Lebensmittelmarken in die Hand gedrückt und kauft ein. 14.10.1943 Donnerstag. Vom Stabsarzt wurde von uns allen ein Abstich gemacht. Alle warten wir darauf, daß wir bald raus können. Am Mittag wird noch einer krank und kommt ins Revier. Hier in unserer Unterkunft werden noch mehrere krank. Nachts wachen wir auf vor Kälte. In den Waschanlagen ist es eiskalt. Der Lehrsaal ebenso. Nun sitzen wir wieder am Tisch, lesen, schreiben, erzählen. 15.10.1943 Freitag. Immer noch sind wir eingesperrt. Weil die Maschinenschreibübungen ausfallen, sind am Tag manchmal 6 Stunden Deutsch. Nun wird aber geheizt im Lehrsaal, und auch im Abort und den Waschanlagen wärmt die Heizung. Jeden Tag hoffen wir auf die Aufhebung des Ausgehverbotes. 16.10.1943 Samstag. Nach dem Unterricht wird die Stube gut mit ??? ausgewaschen. Alles wird vom Platz weggerückt. Und dann sitzen wir vereint um den Tisch über der Samstageintopsupe mit den "Sondermeldungen" (seltenen Fleischeinlagen). Nun ist der Nachmittag auch vorbei, geschlafen, gewaschen, geschrieben und dann noch im Fahrplan für einen etwaigen Wochenendurlaub nachgeschlagen. Dann wird "abgefüttert." Heute hoffe ich auf gut Glück und lege meine Hose angefeuchtet ins Bett. Wehe, wenn der verdammte Engländer kommt. 17.10.1943 Sonntag. Heute erscheint uns die Nachtruhe besonders lang, weil wir ja doch eingesperrt sind. Mütze, Strümpfe, Halsbinde und Taschentuch wieder gewaschen, dann die Post erledigt. Auch dieser Tag geht vorbei. 18.10.1943 Montag. Die Stunden laufen wie immer. Aber eingesperrt sind wir noch Hoffnung auf den nächsten Tag. 19.10.1943 Dienstag. Heute werden die Urlauber für den Sonntag bestimmt. Dora ist gestern mit Anne in Glees angekommen. So möchte ich am Samstag gerne dorthin. Also Rücksprache mit dem Uffz. Herwig. Dienstag Mittag! Frei! Also wieder Maschinenschreiben. Dann gehe ich sofort baden und anschließend den Hunger von 8 Tagen stillen. Die ganze Stube ist leer. Jeder hat Hunger. 20.10.1943 Mittwoch. In der letzten Stunde werde ich zur Wache gerufen. Dora ist mit Anne gekommen. Nach dem Essen wandern wir zum Rhein. Auf dem Rückweg gibt es Alarm. Rauf in unseren Keller. Wir fahren nach Wiesbaden, wandern durch die Anlagen, und landen müde am Bahnhof. Wurst, Butter und Brötchen stillen den Hunger. Zurück nach Mainz. Dort wollen wir noch in den Film "Operette" gehen. Kaum sind wir drin und die ersten Bilder sind vorbei, da gibt es wieder Alarm. Wieder rauf in den Keller. Nach kurzer Zeit gehen wir zum Bahnhof, wo wir nochmal essen. Ich darf nicht auf den Bahnsteig, denn es ist schon wieder Warnung. Zum dritten Male heute. Dann gehe ich hinauf und lege mich ins Bett. Nach den Tagen des Eingesperrtseins bin ich das Laufen nicht mehr gewöhnt, der Fuß ist mächtig geschwollen. 21.10.1943 Donnerstag. Nun holen wir an Kino und Café Besuch alles nach. 22.10.1943 Freitag. Nun ist es doch raus, daß ich morgen nach Glees fahren darf. Drum gehe ich nicht raus, und mache alles in Ordnung. Gerade will ich mich rasieren, als auch schon die Sirene aufheult. 23.10.1943 Samstag. Ich bin wie immer sofort aus dem Bett. Während der Morgenstunden denke ich schon immer an die Fahrt. Dann geht es um 12.00Uhr zur Bahn. Zuerst mit dem PZug, in Bingen überholt uns der SF Zug, rein. So bin ich schon 1/2 Stunde eher in Koblenz. Dort wartet Dora schon mit dem Spazierstock auf dem Bahnsteig. Gleich geht es weiter nach Brohl. Dann wandern wir zusammen den Wanderweg nach Wassernach und Glees. Ein herrlicher Gang durch den Herbstwald. Auf den Pfosten einer umgestürzten Schutzhütte machen wir Rast und vertilgen Brot und Birnen und küssen uns einsam in dieser Waldesruhe. Müde kommen wir im Dunkeln an. Anne hat schon ein gutes Abendessen bereitet. Dann wird noch gebadet. Und nun hinein ins Bett. 24.10.1943 Sonntag. Sonntag ist Ruhetag, besonders wenn man nach 3 1/2 Jahren zum ersten Male in Wochenendurlaub ist. So bleiben wir liegen, bis Anne den Kaffee gekocht hat. Dann aber raus. Bald sind wir am schönen Sonntagmorgenkaffeetisch versammelt. Das Wandern von gestern sitzt uns noch in den Knochen. Drum tut ein Mittagsschläfchen gut. Der schöne Sonntagskuchen! Dann heißt es schon wieder fertig machen. Und schließlich nach gutem Abendessen wandern wir alle 3 nach Burgbrohl. Es ist 22.44Uhr. Gegen 24.00Uhr sind wir in Koblenz. 25.10.1943 Montag. 4 Stunden verduseln wir im Wartesaal. Dann kommt mein SF Zug. Einsteigen! In einer halben Stunde fahren auch Dora und Anne wieder ab, sofort nach Rüthen. Um 6.00Uhr bin ich zum Wecken hier. Schwerer wird es mir an diesem Tag, dem Unterricht zu folgen. Endlich ist es Abend. Ein schnelles Essen, dann liege ich im Bett und habe nur einen Wunsch, daß der Engländer meine Ruhe nicht stören möge. 26.10.1943 Dienstag. Wirklich, es hat geklappt. Kurz vor dem Wecken werde ich wach. Heute geht es schon besser. Kuchen, Birnen und Äpfel, die ich mir mitgebracht habe, verschwinden. Auch heute will ich früh schlafen. Da fällt mir eine Schrift Nietzsches in die Finger "Der Antichrist". Die kann ich nicht liegen lassen. So ist es auf einmal 22.00Uhr wie im Fluge. 27.10.1943 Mittwoch. Freier Nachmittag. Mit dem Besuch des Mozartfilmes "Wen die Götter lieben", einer gemütlichen Stunde im Café Dinges und anschließendem Abendessen ist der Nachmittag ausgefüllt. Früh gehe ich heim, denn ich will noch den "Antichrist" auslesen. Zu schnell wird es 22.00Uhr. 28.10.1943 Donnerstag. Jetzt holen wir die verlorenen Schreibmaschinenstunden nach. So saßen wir heute 5 Stunden vor dem Klapperkasten. Dora hat mir geschrieben. Drum gehe ich heute nicht aus. "Briefe beantworten" steht auf dem Abendprogramm. Dann arbeite ich noch etwas am Klassenbuch und mache diese Notizen. Stenografie müßte ich zwar auch noch etwas üben. Dazu langt die Zeit aber nicht mehr. 29.10.1943 Freitag. Von 13.00Uhr ab habe ich G.v.D.. Trotzdem kann ich ins Theater gehen. "Minna von Barnhelm", ein Luststück, das wohl allen Freude bereitet. 30.10.1943 Samstag. Mit Kam. Blu??? gehe ich ins Bad. Café, Kino und Abendessen füllen den Tag aus. Seit 8 Tagen ist heute mal wieder der 1. Alarm. Zum eigentlichen Alarm kommt es aber nicht. 31.101943. Sonntag. Einige müssen natürlich vor 8.0Uhr Krach machen. Briefeschreiben am Morgen. Am Nachmittag geht's nach Wiesbaden, wo ein Mädel mir eine Karte verkauft. 4,50RM kostet sie zwar, dafür aber ein herrlicher Platz. Die Oper Tiefland wird gegeben. Ein schnelles Nachtessen vor der Abfahrt nach Mainz, und auch dieser schöne Tag ist vorbei. 1.11.1943 Montag. Heute bin ich als Kurier nach Darmstadt geschickt worden. Gleichzeitig gehe ich zum Orth. Spatl. und lasse mir an der drückenden Einlegesohle etwas ändern. In der letzten Stunde ruft Feldw. Flatters, unser Lehrgangslehrer, mich raus und fragt mich, ob ich nicht als Lehrer hier bleiben möchte, für einen, der k.v. geworden ist. und wegkommt. Ich habe abgesagt. Allein wegen der schlechten Verpflegung, die wir hier bekommen. Kopfschmerzen habe ich durch meine Nerven genug. Vor Hunger ist es mir in den ??? des Lehrgangs noch schlechter ergangen. Gut, daß ich Marken habe. Nach der Überbringung der Post bei Major Dr. Schmitz kann ich noch zu Abend essen und dann in den lustigen Farbfilm "Das Bad in der Tenne" sehen. Es ist ein köstlicher Film. Um 22.00Uhr kommt unser "Rübezahl", Uffz. Herwig, in die Stube und donnert was herum. Wir können uns bald nicht mehr halten vor lachen. 2.111943. Dienstag. Allmählich wird es empfindlich kalt. Hauptsächlich ist es aber der hier herrschende Nebel. Heute gehe ich mal nicht aus. Denn ich muß noch etwas Stenografie schreiben und Post erledigen. 3.11.1943 Mittwoch. Nach Wiesbaden in die Oper "Carmen" wollte ich gehen. Aber da kommt nach dem Essen unser Rübezahl herein und hat Freikarten zur Lyrrschen(?) Komödie "Falstaff" zu verteilen. Im Café Dinges(?) treffe ich mich mit dem Kam. Blume. Herzlich freuen wir uns über die Kunst der Spieler(?), da geht mitten im letzten Akt das Licht an. -Alarm!- Alles rennet zur Garderobe. Dann machen wir uns auch auf den Heimweg. Weil wir noch essen wollen -mit einer leisen Hoffnung auf baldige Entwarnung- bleiben wir noch in der Stadt und setzen uns dort in eine LS Keller. Ein Kind erregt durch sein drolliges Benehmen bei allen Heiterkeit. Mein Kam. hat ein Heftchen Goethescher Lebenweisheit bei sich. Die kann man ja auch im LS Keller lesen. Endlich ist ja auch entwarnung. In einer Wirtschaft haben wir noch Glück: Kalbsbraten, Muscheln gibt es noch. Und dann rückt der Kellner noch mit einem Glas Wein heraus. Vergnügt gehen wir heim. 4.11.1943 Donnerstag. Heute war der stellvertretende Kdr. als Visitar à la mode Karl dem Großen bei uns. Allgemeines Urteil: "Wir hatten uns einen anderen Menschen(?) vorgestellt." 12.05 Antreten. Mit zwei anderen werde ich zum Obergefreiten befördert. Andere werden Gefreite und Obergrenadiere. Heute haben wir neue Bettwäsche bekommen. Wir wissen nicht, wie uns geschieht. Heute gehe ich nicht aus. Unsere neuen Winkel(?) werden angenäht. Dann schreibe ich noch einen Brief an Dora, von der ich in 14 Tagen erst einen Brief erhalten habe. 5.11.1943 Freitag. Heute kommt ein Brieflein angetrudelt. Alles ist wieder in Ordnung. Eine Karte bekommen wir zum Konzert. Aber kaum hat es begonnen, da ist es schon wieder aus. Rein in den nächsten LS Keller, der sich unter den Ruinen des Hotels "Van Holland" befindet. Viel Spaß haben wir bei einigen Kindern, die 3 Bilderbücher bei sich haben. Nachher wird das Konzert wieder ohne Störung fortgesetzt. Natürlich haben gerade die Jungen keinen besonderen Gefallen an einem Quartett. 6.11.1943 Samstag. Ich lese und schreibe. So geht der Nachmittag vorbei. Zum Abendessen gehe ich gerade 1 Stunde in die Stadt. 7.11.1943 Sonntag. Schlafen bis 8.00Uhr. Es ist ein regnerisches, unfreundliches Wetter. Nur zum Abendessen gehe ich wieder fort. Eben wollte ich gehen, da heulte es schon auf. Also mal zuerst in den Keller. 8.11.1943 Montag. Heute hat der Führer im Löwenbräukeller zum 20sten Gedenktag an den 8.11.1923 in München gesprochen. "Die Vergeltung kommt." 9.11.1943 Dienstag. Was soll es hier viel neues geben? Viel zu schnell vergehen die schönen, sorglosen Tage des Lehrgangs. Es sind schöne Wochen, die wir hier verlegen dürfen. Ein großes Paket mit 4 Schraten(?) Streuselkuchen, 1 Glas Stachelbeermarmelade und 2 Äpfeln. Das ist etwas Gutes für die Pausen. 10.11.1943 Mittwoch. Mit Schollo(?) verlebe ich den Nachmittag. Zuerst gehen wir zum Café Dinges, anschließend in den Film "Romanze in Moll". Leider heulten kurz vor Schluß die Sirenen auf. Wir gehen sofort rauf in das Lager. Gerade sind wir oben, als Entwarnung gegeben wird. Gleich drehen wir uns wieder um und gehen essen. Fleischmarken habe ich nicht mehr. Dann bestelle ich stattdessen zum Stammessen noch 2 Schnitten Brot mit 40g Butter. Auch so werde ich satt. Dann gehen wir nach "Hause". Dort lacken wir uns buckelig über die ersten Verse, die der Stubendienst zum Abschlußabend schon gedichtet hat. 11.111943. Donnerstag. Auch dieser Tag mit seinen 4 Stunden Deutsch ging vorüber. Eine Niederschrift steigt. Alle denken wir vom 9.11.. Da kommt eine von unserer Unterkunft. Über diese Baracke schreiben wir also unseren Lauf. Nach dem Unterricht ein gemütliches Stündchen im Kafé, dann ist es dunkel und ich mache mich nach Hause. Brief schreiben! 12.11.1943 Freitag. Heute gehe ich mit Kam. Blume in den Film "Roman eines Arztes", ein allen gefälliges Stück. 13.11.1943 Samstag. Alles ist ausgeschwärmt. Ins Kafé und dann zum Abendessen, dann geht's nochmal ins Kafé. Feierabend. 14.11.1943 Sonntag. Sonntags gibt es hier das schlechteste Essen der ganzen Woche. Dann lassen wir uns lieber die Marken geben und 3,- M dazu. In der "Liedertafel(?)" gehen Kirschbaum und ich essen. Kalbsbraten und nachher Muscheln. Aber satt sind wir noch nicht. Das Theater ist ausverkauft. Dann bleibe ich hier und erledige restlos meine Post. 15.11.1943 Montag. Montagstimmung wie immer. Zum Abendessen gehen Blume und ich in ein nettes Lokal, wo es schöne Scholle gab. Gemütlich ist es dort. Nun habe ich noch etwas Deutsch nachgetragen. Dann kommen noch diese Notizen der letzten Tage nach, dann gibt es auch schon wieder Ruhe. 16.11.1943 Dienstag. Nichts Neues im Barackenlager. 17.11.1943 Mittwoch. Am Nachmittag habe ich mir den Kulturgroßfilm "Nippon(?)" angesehen. Der zahlreiche Besuch der Schulkinder zeigt seinen Unterrichtswert. Das ungezwungene, freie Lachen an manchen Stellen (Tanz, Festen, Masken und religiösen Gebräuchen) zeigt uns die große Kluft zwischen West und Ost. Im Kaffee gab es nichts mehr. Also ein Stammessen mit 2 Brotschnitten mit 40g Butter. 18.11.1943 Donnerstag. Von heute auf morgen habe ich G.v.D.. So bleibe ich denn "zu Hause". Von 19.30Uhr wandern wir in den Keller und bleiben dort bis 21.30. Kaum liegen wir im Bett, da heulen die Sirenen schon wieder. 22.20-23.40Uhr wieder im Keller. Alle sind wir der Meinung, noch eine halbe Stunde länger, da können wir morgen bis 7.00Uhr schlafen. 19.11.1943 Freitag. Um 16.00Uhr darf ich mit Kirschbaum ins Theater. "Die verkaufte Braut". Ich bin auf dem Heimweg, da heult es schon wieder auf. Gebäck und Äpfel aus Giselas Päckelchen, das ich heute erhielt, schmecken mir im Keller ganz gut. Wieder sitzen wir über 1 Stunde drin. Ein Kamerade bringt ein(?) Grammophon mit schönen Platten. Nun denken wir: "Sollen wir uns vor 22.00Uhr zu Bett legen?" 20.11.1943 Samstag. Heute habe ich mal besonderes Glück. Kam. Schillo(?) und ich gehen zum Theater. Er bekommt für 2 Zigaretten eine Karte, und gleich darauf fragt mich ein Herr, ob ich auch eine haben wolle. So komme ich unentgeltlich zu einem Platz in der 3ten Reihe. "Die Fledermaus". 21.11.1943 Sonntag. Sofort um 8.00Uhr geht's aus den Federn. Um 9.14 bin ich am Bahnhof. Zum "Troubadour" im Wiesbadener Theater bekomme ich noch eine Karte. 13.00Uhr Essen im Hotel Taunus. Innsbruckerin. Dann wandere ich ein gemütliches Stündchen durch das Villenviertel. Auch jetzt habe ich wieder Glück. Von einem Uffz erhalte ich eine 2. Sperrsitz-Karte. So kann ich mich so recht an der meisterhaften Musik und dem Spiel der Oper "Fidelio(?)" erfreuen. So echt der faustische, dämonische Beethoven. 19.45 ist Ende. Dann fahre ich froh über einen schön verlebten Tag nach Mainz. Hungrig bin ich geworden. Also nochmal etwas gegessen und dann ins Bett! 22.11.1943 Montag. Heute bin ich mal nicht ausgegangen. Ein lieber Brief an Dora über die Ankündigung eines etwaigen Urlaubs am nächsten Samstag, Sonntag. Dann nochmal das Niedergeschriebene in Deutsch durchgelesen. So ist der Abend nützlich verbracht. Gleich geht's in Bett, hoffentlich ohne Alarm. Pechschwarz ist es draußen. 23.22.1943 Dienstag. Heute wird dann bestimmt, wer in Urlaub fährt; also schnell eine Karte an Wolli(?) in Gelnhausen. 24.11.1943 Mittwoch. Der ganze Nachmittag ist verregnet. So bleibe ich hier. Ins Bett lege ich mich, weil es mir von einer gestrigen Süßsuppe her mächtig rebellisch im Magen ist. So bleibe ich denn im Bett. Die Engländer haben ein Einsehen und stören die Ruhe durch keinen Einflug in unser Gebiet. 25.11.1943 Donnerstag. Heute ist es besser. Am Abend gehe ich schön ins Kino. "Paracelsus" wird gespielt. 26.11.1943 Freitag. Ein Tag wie alle. 27.11.1943 Samstag. Auf dem Weg zur Handelslehranstalt kaufe ich etwas Gebäck für die Kinder. Gegen 13.00Uhr fährt der Zug ab. Mit Verspätungen und Hindernissen gelange ich im Dunkeln endlich zu Gees(?)manns. Ein freundliches Mädchen, 21 Jahre alt, als Hilfe für die 3 Kinder, öffnet mir. Wolli(?), Anna und die Kinder kommen noch von der Bahn. So sind wir zwei in munterem Geplauder, als alle ankommen. Dann sitzen wir noch gemütlich zusammen bis nach 2.00Uhr. Wir haben viel Spaß über den echten Humor der Recklinghauser Mädchens, der Paula, die von ihrem Vater einen ordentlichen Schuß Kölner Humor in den Adern hat. 28.11.1943 Sonntag. Wolli und ich schlafen lange. Wir unterhalten uns über das, was besser ist als "In-die-Kirche-gehen". Leider ist der ganze Tag verregnet. So vertreiben wir uns die Zeit mit Spiel und Unterhaltung. Gegen 21.00Uhr fährt mein Zug. Nachts um 0.30Uhr liege ich auch in meiner Koje. 29.11.1943 Montag. Mal wieder Wochenanfang. Die letzte des Lehrgang. 30.11.1943 Dienstag. Unsere letzte Nachschrift steigt. Im Maschinenschreiben steigen auch zwei selbstständige Arbeiten: "Wie ich mein Wochenende verlebte" und "meine Meinung über den Lehrgang". Da konnte man dann seine Meinung schreiben. 1.12.1943 Mittwoch. Es wird gemunkelt, daß es am Freitag Urlaub geben soll. So gehe ich heute noch ins Bad. Den Mainzer Barackenschmutz wollen wir nicht mitnehmen. 2.12.1943 Donnerstag. Heute ist nur bis 12.00Uhr Unterricht. Dann wird der Lehrsaal geputzt. Gegen 17.00Uhr sind wir alle im kleinen Saal des Gasthofes "Bürgerhof" zur Abschlußfeier versammelt. Bierzeitung, eigenen Dichtungen, Lieder, Klavierdarbietungen und mancher Scherz füllten die schönen Stunden aus. 50g Fleischmarken und 15g Fett mußten wir abgeben. Ein Kamerad hatte im Wochenendurlaub Hasen geschossen, die uns nun gut mundeten. Jedem eine Flasche Rotwein als Marketenderware. Kamerad Jänecke und ich mußten nebem dem Major Schmitz sitzen, der während des "ernsten" Teiles auch zugegen war. Alles war gemütlich verlaufen, als es Luftwarnung gab. Nun war es gleich, denn sie hatten uns ja nicht gestört. 3.12.1943 Freitag. Heute dürfen wir bis 7.00Uhr schlafen. Packen, Decken und Tasse weggeben, dann ist es bald soweit. Wir nehmen Abschied von allen Kameraden. 5 Kameraden kommen nach Darmstadt zur Division und ich allein wieder zur Auffangstelle zurück. Und nun noch die Namen der Ausbilder: 1) Feldw. Flatters, Mainz, Frauenlobstr. 8, Schreibmaschine. 2) Wachtm. Wirz, aus der Krufter Gegend, Frau in Namedy(?), in Deutsch 3) Obgefr. Girke: Stenogr. und Geschichte 4) " Simon: militärischer Schriftverkehr 5) " : Steno. und Rechnen. 6) Uffz. Herwig als Herbergsvater, unser "Rübezahl" Die Kameraden der Lehrgruppe I.: Gefr. Mathias Kirschbaum, Koblenz, Weißerstr. 19/21 Gefr. Gustav Dillmann, Kaiserslautern, Wilhelm-Gustloff(?)str. 53 Gefr. Franz Kaiser, Solingen Wald, Dürerstr. 9 Gefr. Siegfried Blume, Völklingen-Saar, Bismarckstr. 100 Gefr. Walter Schneider(?), Nieder-Limten(?)/Prüm, Hauptstr. 43 O.Gefr. Herm. Dörr, Wiesbaden/Hasloch(?), Langgasse 17 O." Josef Pankner, Wien-Atagers(?)dorf, Breitenfurterstr. 35 O.Gren. Alex Kanker, Osthofen-Worms, HorstWesselstr. 16 O.Gefr. Ulrich Jänecke, Arnsberg/Westfalen, Sre(?)sterstr. 11 O.Krftf. Karl Lohr, Darmstadt, Rodingweg 15 O.Gefr. Werner Jacob, Dresden, Wintergartenstr. 37 Gefr. Josef Feuerperl, Moselkern(?) St.Gefr. Hans Schillo, Koblenz, Gericht der ???, Zweigstelle Ehrenbreitstein 172 Unser Photograph: Heinz Klibor(?), Wiesbaden/Biebrich, Rathausstr. 88 Mit Sack und Pack landen wir in DARMSTADT, wo wir beim Roten Kreuz noch zu Mittag essen. Dann trennen sich unsere Wege. Jänecke, Jacob, Dörr, Blume und Kanker ziehen zur Division. Mich bringt die Linie 3 ans entgegengesetzte Ende der Stadt. Recht sauer wird mir der Weg von der Haltestelle zur Kaserne. Die anderen Kameraden sind in 14tägigen Urlaub gefahren. Am 20.12 müssen sie wieder in Mainz in der Alisen(?)kaserne bei der Schreiberreserve sein. Auf dem Batt. Geschäftszimmer muß ich warten, dann werde ich zur Auffangstelle geschickt. Den Laufzettel kann ich nicht mehr erledigen. Also zuerst mal ein Bett gesucht. Zur alten Stube 104! Ein alter Kumpel ist noch da, er erkennt mich an der Stimme. Ins selbe Spind, und ein Bett über dem alten am Fenster. Abends kommen vom Schloß die alten Kam. Himmelreich und Ander. Ist das nach 8 Wochen ein Wiedersehen! MÜde bin ich. Drum bin ich schnell zu Bett. Die anderen debattieren noch lange. Ich bin zu müde. Um 2.00 nachts allgemeine Warnung, dann Entwarnung, und gg. 5.00Uhr morgens müssen wir noch für 1 Stunde in den Keller, der schon voll mit Kameraden belegt ist, weil alle Zimmer voll sind. Um 6.00Uhr ist ja doch Wecken. So machen wir anschließend Morgenwäsche. 4.12.1943 Samstag. Kompaniebelehrung. Dann wird der ganze Morgen zur Erledigung des Laufzettels gebraucht. Der lästige Kram wie: Stahlhelm, Seitengewehr[3], 1 Paar Strümpfe, 1 Garnitur, Halsbinde und Eßbesteck wandert zur Kammer. Nun ist mein Gepäck etwas zusammengeschmolzen. Zu Mittag gibt es ein feines, reichliches Essen: Pellkartoffeln, Schnitzelbohnengemüse, ein Stück Wurst und eine gute Fleischsuppe. Da bin ich denn nochmal recht satt geworden. Nach dem Essen LS Einteilung! Ich komme ich die Cambrai-Kaserne. Dann ist Baden. Und nach dem Antreten um 16.00Uhr aber hui hinaus mit Gehinke zum Orth. Späth und zum guten Gasthaus Hottes. Dort muß ich leider das gute Lendenstück hastig verschlingen, daß ich noch rechtzeitig die Elektrische erwische und zum Antreten des LS im Bau bin. 2 Minuten zu früh. Kurzes Antreten vor dem U.v.D. Zimmer. Ab zur Cambrai-Kaserne. Dort schleppe ich mit einem anderen Kam. einen guten Strohsack auf mein Bettgestell. Dann plaudern wir. Und während die anderen sich allmählich verkrümeln und pennen, mache ich die Notizen der letzten 10 Tage. Jetzt sitze ich als letzter im engen Keller zwischen den Pfosten, mit denen das Gewölbe abgestützt ist gegen Einbruchgefahr bei Fliegerangriff. 5.12.1943 Sonntag. Nach gutem Schlaf ans neue Werk. Die meisten wollen das Gerede des Pfaffen nicht hören und bleiben hier zum Revierreinigen. Nachmittags gehe ich ins Theater."Fidelio" wird gegeben. Manches ist schöner, vieles schlechter als in Wiesbaden. Ein gutes Abendessen beschließt den Tag; früh gehe ich zu Bett. 6.12.1943 Montag. Nun fängt die Steherei mit den Abstellungen wieder an. Wir dürfen mit Mantel und Handschuhen antreten. Viele haben keinen Mantel und auch keine Handschuhe. Sie frieren ganz jämmerlich. Auf der Kammer ist nichts. Ich melde mich zum Kartoffelschälen. Da sitzen wir warm in der Kantine und singen. Aber die wenigsten machen richtig mit. Nachmittags verdrücken wir uns auf die Stube, wo es schön warm ist. 7.12.1943 Dienstag. Ich melde mich krank, daß ich wieder Heißluft und Massage bekomme. So ist der Morgen dahin. Heute Mittag ist Vollzähligkeitsappell. Da stehe ich denn bei den langfristigen g.v.H.(?) Leuten. Fast 1 3/4 Stunden stehen wir auf dem Platz und frieren. Bald soll der LS eingeteilt werden. Da muß ich verschwinden. Also gehe ich zum Spieß und sage, daß ich schon für 14.00Uhr zum Revier bestellt sei. Endlich läßt er mich los. Ich aber ab! Da konnte ich nun 1 1/2 Stunden unter dem Kasten liegen. Das tat nach dem Frieren gut. Ich muß etwas sparen, so gehe ich mal nicht essen. Den "Mythos" nehme ich zur Hand. Zur Abwechslung mache ich mal Stubendienst. 7.12.1943 Mittwoch. Wegen einer großen Abstellung dauert das Antreten lange. Zum Küchendienst werde ich eingeteilt. Auch in der Kantine ist es kalt. Während wir fleißig die Kartoffeln schnibbeln, wird fast nur vom Weihnachtsurlaub gesprochen. Wie es kommt, weiß ja noch keiner. Freiwillig melde ich mich zum LS. W.B.K. in der Stadt. Dort können wir wenigstens gemütlich in unserer Stube sitzen, haben Bettwäsche, 3 Decken, und vor allen Dingen schlafen wir nur zu Viert auf der Stube. Ich nehme den Mythos mit. Kartenkunststücke weiß mancher. Früh legen wir uns ins Bett. 8.12.1943 Donnerstag. Ausgeschlafen fahren wir wieder zur Kaserne, wo ich beim Antreten als Schreiber abgestellt werde mit einem Gren. Grafflage/Bottrop. Schnelles Packen und um 11.40Uhr sitzen wir in einem Zug nach Kaiserslautern. In Worms setzen wir un 2 Stunden lang in den Aufenthaltsraum des DRK und lassen uns die gute Maggisuppe und den Tee munden. Viel Spaß haben wir auf der ganzen Fahrt mit den Mädels. Gegen 17.00Uhr sind wir an Ort und Ziel. KAISERSLAUTERN Mit dem Bus zum Fackelrondell, wo der Anschlußbus sein Schlußlicht an der nächsten Ecke sehen läßt. Also rein ins Lokal! Ein Stamm und 1 Frikadelle. Das Bier schmeckt gut. Mit dem nächsten Bus geht es weiter zur 23er Kaserne. Zur Schreibstube, und von dort zum Bau 7, Stube 60. Bald kommen noch mehr Kameraden. Eiskalt ist es, keine Kohlen. So müssen leider die Bretter in den Spinden und ein eichener Schemel dran glauben. Das Rohr macht in glühender Hitze verdächtige Zusammenbruchbeugungen; aber in der Stube bleibt steife Eisigkeit. Als spät zum Kohlefassen herausgepfiffen wird, sind die Kerle zu faul, alle k.v.(?) mit gesunden Knochen, mit dem Kasten hinauszugehen. So frieren wir trotz 3 empfangener Decken und dem Mantel ganz jämmerlich in der Nacht. 9.12.1943 Freitag. Nach Rußland geht die Fahrt. Was ist denn das? Wir zwei als g.v.H. Leute unter den k.v. Leuten? Mit einem Paar orth. Schuhe nach Rußland? Auf unserem Marschbefehl steht doch Frontlerstelle B zur Weiterleitung nach Feldkommandatur alpha O delta o [Dies in griechischen Buchstaben.] Wir müssen mit den anderen antreten und mit zur Panzerjägerkaserne zur Einkleidung. Das macht uns Spaß, wenn wir auch manches als Schreiber für überflüssig finden, was nur einem Pionier ansteht. Ein Aufklären gibt es ja nicht: ??? Heil. Barras! Leichter Schnee ist auf den gefrorenen Boden gefallen, so muß ich den Kameraden Grafflage schon einhaken wie bei meiner Dora; das Gehen fällt mir schwer. In der 23er Kaserne müssen wir unsere Verwendbarkeit angeben. Da stellt sich dann heraus, daß wir gar nicht zu dem Haufen gehören, sondern zum Stab z.b.V. in der P.j.K. Unsere Papiere holen wir auf dem Geschäftszimmer und gehen zur P.j.K. Dort herrscht ganz andere Luft. Andere Entgegen kommen. Wir sollen sofort dort bleiben. Aber wir müssen ja noch unsere Sachen aus der 23er holen. Also wieder runter. Von der Rutscherei schmerzt mein Fuß gewaltig. Grafflage ist ein treuer Begleiter. Der Ltn. läßt uns erst morgen früh weg. So empfangen wir noch gute Marschverpflegung. In der Stube ist es jetzt gemütlich warm. Endlich haben die jungen Kerle Kohlen geholt. Nun muß mein Bart aber auch mal runter. Im Waschraum ist es eiskalt. Alles ist bereits auf dem Tisch, das Wasser in Napf kocht, gerade habe ich meinen Rock ausgezogen, da geht es: Huhuhuhuhuhuhuuun! [Dies ist in Schlangenlinien geschrieben.] So ne verdammte Scheiße! Alarm! Das Wasser ist das Spind. Rock an und der andere LS Klimbim und runter in den Keller! Die abzustellende Komp. mit der wir 2 nachts zu tun haben, macht ruhig ihren Vollzähligkeitsappell im unteren Flur. Wir 2 verpissen uns in den LS Keller. 2 Äpfel und eine Zeitung dienen zum Zeitvertreib. 40 Min! Entwarnung! Nochmals Wasser auf den Ofen, und dann runter mit den Stoppeln. Rein in die Falle. Der Vater eines jungen Kameraden, der zum ersten mal ausrückt, gibt in besorgter Weise Ermahnungen. Als Weltkriegsteilnehmer versteht er uns. Und wir lernen vielleicht in dieser ehrlichen Art die Sorge der Eltern um ihre hinausziehenden Söhne kennen. Er verteilt uns noch Zigaretten von seinen wenigen. Abschlagen dürfen wir sie nicht. Der Sohn drängt den Vater zum gehen, weil er als Soldat vor den Kameraden keine Ermahnungen empfangen möchte. 10.12.1943 Samstag. Bei dem gut eingeheizten Ofen haben wir gut geschlafen. Während die anderen schon um 5.30Uhr aufstehen und mehrmaligen Appell mitmachen, können Grafflage und ich uns den Morgen nach unserem Belieben einteilen. 7.00Uhr aufstehen, Decken abgeben. Und dann zur Schreibstube und zum Rechnungsführer. Da verlangt der Spieß von mir Seife und Handtuch. Im Mantel geht er sich raus waschen! Muß das ein Schwein sein! Als er mir die Sachen wiedergibt, kennt er noch nicht einmal ein Dankeswort. Nur ja schnell die Vergleichs(?)mitteilung beim Rechnungsführer, und dann aber fort von hier. So stehen wir eine halbe Stunde an der nahen Haltestelle, bis der Bus kommt. Stabskomp. Stab z.b.V. Kaiserslautern, Panzerjägerkaserne Zur Schreibstube, zur Aufnahme, zum Rechnungsführer, und auf die Stube 49. So, eine Unterkunft hätten wir. Wir atmen auf. So haben wir es gern. Ein gemütlicher Geist. Beim Mittagessen bekommen wir so nebenbei einen ordentlichen Teller Milchschleimsuppe und Soße mit Pellkartoffeln. Dazu unsere gute Marschverpflegung. Da spüren wir keinen Hunger. Nachmittags zum Baden. Dann runter zur Stadt. Mit dem Bus natürlich, denn die Kaserne liegt ja 1 Stunde weit aus der Stadt. Wir bummeln und kommen zufällig am Theater vorbei. Paganini! 10 Minuten vor Beginn. Grafflage kauft sich noch schnell etwas Brot, während ich die Karten hole. Parterreloge! Einem Vergleich dieses Theaters der 65000 Einwohner zählenden Stadt mit dem Glanz Wiesbadens darf man nicht anstellen, wenn auch manche Szenen recht gut dargestellt waren. Das genaue Zusammenspiel fehlte. Anschließend noch ein gutes Essen und dann mit dem Bus zur Kaserne. Wir schreiben noch etwas und legen uns dann zu Bett. 11.12.1943 Sonntag. Bis 8.0Uhr im Bett. Nach dem Mittagessen wollen Grafflage und ich rausgehen, da wird er zur Wache gerufen. Bis zu seinem Wiederkommen habe ich schon einige Briefe geschrieben. Dann aber in die Stadt. Zuerst ins Kafé, dann zum Essen im Rheinischen Hof, wo es die besten Bratkartoffeln geben soll. Wahrhaftig. Nachher noch ein Glas Bier, bei dem wir einigen Billardmeisterspielern zuschauen. Wir müssen allmählich die Marken verbrauchen, denn bald sind sie für uns ja doch wertlos. 12.12.1943 Montag. Der Morgen vergeht im "dolce far niente". Nach dem Essen, das hier gut und reichlich zubereitet wird, fragen wir den Spieß, ob wir nochmal für 1 Tag nach Hause fahren können. Nein! Ein Major weist uns aus dem Zimmer. So verpacken wir denn die überflüssigen Sachen und fahren nach Dienstschluß zur Post. Zu! Also zur Bahn als Expressgut. 13.12.1943 Dienstag. Heute soll es wirklich weggehen. Morgens ist Gasmaskenappell mit den K.O.B., die hier gedrillt werden, meist 18-20jährige Jungen, die morgen zum ersten mal zum Osten kommen sollen. Bis es soweit ist, wird noch manchmal umgepackt. Gute und reichliche Marschverpflegung gibt es für 3 Tage. Gegen 17.30 nehmen wir Abschied. Mit dem Bus zur Bahn, wo wir auf den verspäteten SF Zug nach Wien warten. Bis 23.30 warten wir, dann müssen wir feststellen, daß er längt abgefahren ist, aber nicht ausgerufen wurde. So holen wir uns beim Bahnhofsoffizier Essenmarken und Schlafmarken. Eine gute Suppe bei den RK Schwestern. Dann ziehen wir zur Unterkunft. 14.12.1943 Mittwoch. Morgens früh geht es wieder zur Bahn. Mit dem ersten Pers.Zug fahren wir nach Mannheim, gg. 7.00Uhr treffen wir dort ein. Kam. Heckenmann ???, ein Mannheimer, geht nach Hause, nimmt Abschied. Wir setzen uns im Bahnhof in den LS Keller, weil ja sonst alles zerstört ist. Dort bleiben wir bis 12.00Uhr sitzen. 3 Mädels, die gegen 13.00Uhr zur Kochschule müssen, verkürzen uns durch manchen Schalk das mehrstündige Warten, besonders ein Mädel, ein lustiger, drolliger Backfisch, Anneliese Treuch(?), Rimbach/Odenwald, Bismarckstr. 29. Vom Balkan aus wollen wir ihnen mal schreiben. Dann wird zum SF Zug Mannheim-München ausgerufen. Also los. Guten Platz bekommen wir. Schön ist die Fahrt über Heidelberg, Stuttgart, Ulm nach München. Von Stuttgart aus ist die Bahn elektrisch. Gegen 11.30Uhr sind wir in der Hauptstadt der Bewegung. Weit ist der Weg zum Soldatenheim. Dort essen wir erst einmal eine Suppe. Dann machen wir uns auf den Weg zur Feldherrenhalle, zur Ewigen(?) Wache und den Propyläen. In einem schönen Lokal wollen wir zum letzten mal gemütlich in Deutschland in Deutschland zusammensitzen. Im Café Luitpold sitzen wir. Aber was wir hier erleben, macht uns trostlos und niedergeschlagen. Zuerst waschen wir uns noch unsere von der Fahrt schmutzigen Hände. Wie im Frieden mit Seife und Handtuch! Dann setzen wir uns an einen Tisch in den schön eingerichteten Lokal. Teuer ist das recht minderwertig(?) Dargebotene. Und dann die Musik! Ausländische Kapelle! Sie wagen es, in solch anmaßender Weise atonales Geplärre in der Stadt der NSDAP den Deutschen darzubieten. Hier feiert Juda Triumph mit Negertingeltangel! Wir 3 wurden lebhaft erinnert an die Bambustrommelmusik des Urwaldes und der afrikanischen Savanne. Und diese Idioten von Münchnern, selbst höchste Offiziere, können sich nicht genug tun in ehrvergessenen Beifallskundgebungen. Wir können das nicht mehr mit anhören. Einen anderen Abschiedsabend hatten wir erwartet. Zum zweitenmal gehen wir raus ins Feindesland, wenn auch nicht mehr direkt an die Front. Wir tragen vom ersten mal her unsere Narben. Einen solchen Abschied schenkt uns Deutschland. Auf dem Weg ins Soldatenheim kommen wir zufällig an der Ewigen(?) Wache vorbei. Beim Schein einer Taschenlampe stehen wir vor den Sarkophagen der Blutzeugen. Wir lesen ihre Namen. Stumm verlassen wir diese Weihestätte. Dieser Augenblick verwischt(?) die anderen häßlichen und beleidigenden Eindrücke; aber vergessen können wir sie in unserem ganzen Leben nicht. 16.12.1943 Donnerstag. Früh, um 5.00Uhr werden wir geweckt. 6.25Uhr fahren wir schon ab. Ein Abteil 2. Klasse läßt uns bequem und gemütlich die Schönheiten der Fahrt genießen. Belgrad ist unser Ziel. Mit macht dringt die Sonne durch. So erleben wir eine Fahrt sondergleichen durch die Salzburger Alpen. Der Anblick Salzburgs mit dem alleinstehenden Burgfelsen, den Domthürmen(?), geborgen zwischen den schneebedeckten Bergen liegend, ist nicht mit Worten zu beschreiben! Weiter schlängelt sich der Zug an Schluchten entlang, durch lange Tunnels und über den Brenner Paß. Wir können oft gar nicht hinausschauen, so laufen uns die Tränen durch den Widerschein des glitzernden Schnees. Zahlreich stehen die Heustadel an den Hängen. Glocken erklingen vom Traben der Tiere. Bad Gastein ist eben durchgefahren. Gegen Mittag folgen wir einem Flußtal. Villach, Graz und Klagenfurt sind Stationen. Gg. Abend werden unsere schönen, gepolsterten Wagen abgehängt. Schade, denn nun müssen wir in einem umbequemen 3. Klasse Wagen sitzen. Nacht wird es. Wir durchfahren die Ebene nach Belgrad hin. 17.12.1943 Freitag. Mein Bein läßt mir keine Ruhe. Schlaflos ist die Nacht. Morgen gegen 10.45 sind wir dann in Belgrad. Im Massensturm geht es zur Frontlerstelle. Warten. Um 14.00Uhr wiederkommen. Wir wollen unser Gepäck abgegen. Alles voll. Ein Wagen und Drüngen und Klingen aller Naturen und Farben. Im Mannschaftsraum essen wir abwechselnd eine Nudelsuppe. Dann gehen wir zum Schönsten, was wir in den Stunden des Belgrader Aufenthaltes am Bahnhof finden: Eine Waschanlage mit fließendem warmen Wasser. Jetzt aber ran! Zuerst gewaschen, gebürstet. Die Stoppeln stehen lang. Es rauscht wie im Ährenfeld. Aber die Erntezeit ist das die Sense scharf. Als andere Menschen gehen wir zur Frontlerstelle, wo wir im Aufenthaltsraum bis 18.00Uhr warten. Dann erhalten wir Bescheid, weiter nach Cetinje, der ehemaligen Hauptstadt Montenegros. Irgendwo finden wir unter den hunderten von Betten auch eines für uns. Wir legen uns hin. Um 5.00Uhr soll es ja wieder zum Bahnhof gehen. 18.12.1943 Samstag. Nach manchem Hin und Her auf dem Bahnhof kommen wir in den richtigen Zug Richtung Agram [Zagreb]. Wir haben unser Gepäck gut verstaut, haben auch bequemen Platz. Wegen der Partisanengefahr im Agramer Bezirk müssen die Kameraden an der Türe mit geladenem Gewehr Wache stehen. Bei mir kommt das nicht in Frage. Toll ist das Gewimmel und Stimmgewirr beim Ein- und Aussteigen. Nahe bei Belgrad überqueren wir die Donau, dann sind wir in Semlin. "Bei Semlin schlug man's Lager, alle Türken zu vertreiben" Prinz Eugen und die Türkenkriege. Endlos zieht sich der Schienenstrang durch eine weite, fruchtbare Ebene. An 100 entgleiste und ausgebrannte Güterwagen zeugen von der Partisanentätigkeit, ebenso auch die abgesägten Telefonmasten. Auf beiden Seiten der Strecke werden km lang die Wälder und Baumgruppen abgeholzt. Prächtige Eichenstämme liegen dort kreuz und quer. Bei uns sitzt ein Freiwilliger des kroatischen Arbeitsdienstes, der 2 Jahre in Dortmund als Schneider tätig war. Das drolligste Zeug weiß er noch zu erzählen. Aus seinen Worten klingt mir Begeisterung für Deutschland. Endlich sind wir am vorläufigen Ziel slaw. Brod(?). Es sind 13.00Uhr. Unser Gepäck wandert zur Abgabe. Wir gehen zur Unterkunft, wo wir warme Suppe essen und uns waschen. Dann sitzen wir uns erzählen. Auch die Eintragungen der letzten 4 Tage werden nachgeholt. Es ging ja heute Nachmittag noch ein Zug, aber lieber im warmen Saal auf Bänken geschlafen, als im unsicheren Partisanengebiet im umbequemen Personenzug. In 3-4 Tagen werden wir wohl am Ziel sein. Heute habe ich eine Freude erlebt. Eine RK Schwester brachte uns ältere Zeitungen. Da stand dann eine Verleihung durch den Führer drin, und zwar das Eichenlaub für unseren Führer Baacke. [Hier liegt ein ausgeschnittener Zeitungsartikel: Das Eichenlaub dnb. Führerhauptquartier 16. Dezember. Der Führer verlieh das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Oberstleutnant Karl Baacke, Kommandeur eines Grenadier-Regiments, als 352. Soldaten der deutschen Wehrmacht.] 19.12.1943 Sonntag. Gut haben wir in der Unterkunft geschlafen. Eingeheizt wie beim Teufel. Auf den Bänken war es auch warm. 5.00Uhr, ein Schwesterlein weckt uns. 6.19Uhr fährt der Zug: Ziel Sarajewo. Durch ebenes, weites Gebiet geht meist die Fahrt, auch durch Hügel- und Bergketten, das berüchtigte Partisanengebiet. Gegen 12.00Uhr sind wir am Ziel. 10Min. zur Kaserne und bald liegen Heckmann und ich wegen Raummangel zusammen auf einem Drahtgeflecht. Schön warm ist es uns 2 unter den Decken. 20.12.1943 Montag. 6.20Uhr sitzen wir schon wieder im Zug mit dem Ziel Mostar - Ragusa. Bald liegt die Hochebene hinter uns. An Steilabhängen, dem gewundenen Lauf eines Flußes folgend, geht es durch eine Unzahl von Tunnels immer höher ins Gebirge. Schönes Wetter gestaltet die Fahrt zum Erlebnis. Schließlich haben wir das nackte Karstgebiet mit seinen scharf ausgewaschenen Felsen, den fast messerscharfen senkrecht stehenden Gesteinsschichten, Latschen, Krüppelholz, dorniges Gestrüpp. Immer neue Gebirgsketten, neue Schluchten, in welche der Geröllschutt der Steilhänge hinabgerutscht ist. Gegen Abend umfahren wir einen langen, vielgestaltigen Gebirgssee, wir machen in der lauen Luft der Meeresnähe die Fenster auf und singen in die sich verfinsternde Gebirgswelt Wander-, Liebes-, Jägerlieder. Und dann die ersten Lieder der Bewegung, der SA. Schließlich wird es dunkel, noch 2 Stunden Fahrt, also ein kleines Schläfchen. Dann Ziel: Ragusa 19.45! Das Meer, wir merken es am unendlichen Winterregen(?), der bei uns als Schnee herunterfällt. Lauwarm ist die Luft. Auf dem Bahnhof sitzen faule, mürrische Kameraden auf der Kommandantur. Man sieht es ihrem Verhalten an, daß es ihnen unlieb ist, wenn wir auf unserer langen Fahrt eine Frage an sie richten. Wenigstens den Affen können sie dort lassen, so wandern Heckmann und ich -Grafflage will am Bahnhof bleiben und im Zug schlafen- fast 1 Stunde am Hafen entlang zum Hotel Imperial. Oft stehen wir vor den Bombentrichtern in der Straße, einmal dicht an der Kaimauer. Das Klatschen und Gurgeln des Wassers läßt unseren Schritt stocken. Vom Hotel Imperial werden wir in eine Volksschule geschickt. Mit einer mächtigen Wut über die Raguser Kameraden legen wir uns mit 3 Decken nieder. Unsere durchnäßte Zeltplane hängt über einer Bank. 21.12.1943 Dienstag. 5.00 Aufstehen. Ohne Waschen und ohne Kaffee zur Bahn. In dieser südl. Breite ist es um diese Zeit schon ordentlich hell. So werden wir durch das schöne Landschaftsbild, das sich uns in dieser Morgenstunde bietet, wieder versöhnt. Berge, Bucht, Ort, Wellen(?), Parks, das Dunkel der Zypressen. Und bald wird die Sonne aufgehen. 7.15 dampft der Zug los. Bei herrlichstem Wetter fahren wir an der Küste entlang und schlagen dann einen Bogen um die Berge ins Innere, um in Zelenika wieder die Küste zu erreichen. Herrlich liegt dieser GR in der warmen Mittagssonne. Es ist 17.00Uhr. Gegen 13.15Uhr landet der Dampfer, ein schmutziger, mit Kohlen getriebener Kasten. In 3 1/2 stündiger Fahrt folgen wir der S-Form der Bucht von Cattaro. Gegen 17.00Uhr sind wir in Cattaro/Kotor. Die Regenschauer haben aufgehört, aber wie lange. Denn es ist ja ein ins Wasser gefallenes Schneetreiben. Ins gemütliche Soldatenwohnheim auf Holzpritschen. Zum Abend ein Achtel ???geschirr voll Suppe und dann gerollt! 22.12.1943 Mittwoch. 6.00Uhr aufstehen. Dann treten wir vor 2 Bus an. Verladen des Gepäcks und rein in die Kiste. Raus geht es auf die Landstraße, die in unzähligen Kurven den Lovzschen Paß in 1775m bezwingt. 1 3/4 Stunden stampft der Motor die Höhe hinauf. Verlassene Dörfchen, einsame Posten an der Paßstraße! Nochmal 3/4 Stunden und endlich am Ziel unserer 8tägigen Fahrt: Cetinje, der Hauptstadt der Montenegro. Anmeldung bei der F.K.AO(delta)O. Vorstellen beim Oberll, und, nachdem wir uns ins Wichs beworfen haben, beim Generalmajor. Dann machen wir es uns auf dem Zimmer gemütlich. Gut ist das Essen: 3 Heringe, Pellkartoffeln, Brot und Kaffee; dann auch das Bett. 23.12.1943 Donnerstag. 6.30Uhr Aufstehen, um 8.00Uhr beim Rechnungsführer und zum Geschäftszimmer. Da muß ich dann hören, daß ich allein nach Cattarr zurück soll. So will ich noch die Namen meiner 2 Kameraden der 8tägigen Reise notieren: 1) Obgefr. Kurt Heckmann, Mannheim, Karl Benz Straße 28. 2) Reiter Egon Grafflage, Bottrop/Westfalen, Nesselstr. 11 So werden denn wieder meine Sachen gepackt, und nach einem guten Mittagsessen geht's mit einem LKW wieder ab von Cetinje nach Cattaro oder Kotor. Toll ist die Fahrt, nur 1 Stunde gebrauchen wir zur Überquerung des Passes. Nach der Anmeldung beim Oberfeldwebel Maier und beim Major Mall erhalte ich meine Unterkunft. Mit noch 2 anderen liege ich auf meinem Zimmer, vorläufig im Bett eines verunglückten Kam. Ein Kamerad ist "Kollege(?)". 24.12.1943 Freitag. Nun beginnt das Einleben in den neuen Betrieb. In allen Abt. werde ich in den nächsten Tagen arbeiten. Zuerst in der Registratur, wo ich nun die Ein- und Ausgänge bearbeite, und das Brieftagebuch praktisch zu Gesicht bekomme. Mit übertriebener Hast und überschwenglichem Eifer wird bis 10 Minuten vor der Bescherung um 18.00Uhr. Keine richtige Vorbereitung. So hat die Feier nur gar nichts geboten. Bei dem Klima und der neuen Umgebung war ja doch keine Weihnachtsstimmung. Zum dritten mal bin ich nun Weihnachten nicht zu Hause. Dora feiert mit den Geschwistern. Soldat sein, heißt dort sein, wo man hingestellt wird, und sollte es am Ende der Welt sein. Über die Geschenke haben wir uns sehr gefreut (4 Flaschen: Raki(?), Cognac, Wermuth, 1/2 Tafel Schokolade, Nüsse, Mandeln, Bonbons, Lebkuchen, Keks und ein Paket Seife! Nach der Bescherung, die ohne das Beisein der Dolmetscher und montenegrinischen Küchenangestellten im deutsch weihnachtlichen Sinne verlaufen wäre, schmeckte uns das anschließende Essen gut. Als sich fast alle verzogen hatten, daß ich mit noch einem Kameraden am Radio und horchte die Festtagsrede von Dr.J. Goebbels. Dann war es Zeit zum Baden. Wenn es auch nur eine Behelfsreinigung ist, so fühle ich mich nach dem letzten Baden vor heute 3 Wochen sehr wohl. Mit 2 anderen Kam. noch ein gemütliches Weilchen in unserem Zimmer zusammen sitzend verlebe ich die schönsten Augenblicke des heutigen Weihnachtsabend. Endlich um 22.30Uhr lege ich mich zur Ruhe. 25.12.1943 Samstag. 5. Kriegsweihnachten. 3. Kriegsweihnachten als Soldat, fern von meiner lieben Frau. 7.30Uhr aufstehen, Kaffee trinken, und dann wieder an die Arbeit. Ein gutes Mittagessen und dann schon U.v.D und Schreiber vom Dienst am 1. Weihnachtstag. Na, so lerne ich den Vermittlungsbetrieb kennen und kann auch meine Post erledigen. Sonst habe ich ja doch keine Beschäftigung. Kein Brief und kein Paket. In 3 Wochen werde ich wohl das erste Lebenzeichen von den Lieben daheim erhalten. Draußen regnet es, so daß es mich gar nicht nach draußen zieht. Nachtrag: Sarajewo: Serbien Mostar: Herzegowina Cetinje: Montenegro (schwarze Berge) Um Mostar gehen die Frauen noch viel mit schwarzverschleiertem Gesicht. Bei den Menschen fällt vor allem die dunkle Hautfarbe und dann die üppige Fülle des schwarzen Haares auf. Oft schlanke, große Menschen, unter der Frauenwelt vielfach bildhübsche Gestalten. Kleine Gotteshäuser, mit hohen Minaretts und Ziegeldächern in leuchtendroter Farbe stehen in den Tälern, meist umrahmt von dem himmelstürmenden Ragen der Schlangenzypressen in ihrem Schwarzdunkel. Die Häuser sind im Gebirge vielfach 2geschossig, das untere ist voll zur Wohnung ausgebaut, während das zweite an einer Längsseite offen ist und das Dach von Holzsäulen getragen wird. In der hier herrschenden Sonneglück ist es wohl der geeignetste Aufenthalt, besonders am Abend. Von diesen "Balkonen" hat man bestimmt einen schönen Ausblick in die Bergwelt. Meine Feldpostnr. heißt nun 58483 26.12.1943 Sonntag. 2. Weihnachtstag. Schon früh bin ich auf den Beinen, weihnachtlich ist es mir nicht zu Mute. Am Morgen wird noch etwas gearbeitet. Nach dem Essen ist frei. Ich schreibe einen langen Brief. Dann will ich ins Kino gehen. Aber alles ist schon besetzt. So schaue ich mich etwas in der Stadt um. Eng sind die Gassen, oft nur 1,5m breit, winklig und unheimlich. Wir müssen alle Waffen tragen. Deshalb habe ich mir vom Kameraden Blankenheim den Revolver mitgenommen. Bald tritt die Dämmerung ein. Drum gehe ich nach "Hause", denn im Dunkeln gehe ich in dem unbekannten Gelände nicht gern, da mir am hellen Tage das Gehen schon schwer fällt. Dann(?) ist das haßerfüllte Herz der Einwohner nicht berechenbar. 27.12. Montag. Heute beginnt meine erste Woche hier an der Adria. Ruhig verläuft der Tag. Auf dem Geschäftszimmer arbeite ich mich heute ein. Ein kalter heller Tag steigt herauf. Von der Morgensonne leuchten die hohen, kahlen Felsen auf. Verschwunden die Regenschauer, sogar Frost war in der Nacht. Am ganzen Tag aber ein herrlich klares Wetter. Und heute Abend spannt sich über der Bucht zwischen den hohen Bergen ein wundervoller Sternenhimmel. 28.12.1943 Dienstag. Heute bin ich zu einem Kam. Steinborn aufs Zimmer gegangen, um auch in seine Arbeit einen Einblick zu gewinnen. Wir zwei haben uns manches zu erzählen. Denn er war auch in Darmstadt, nur haben wir uns damals noch nicht gekannt. Dann war er auch in Mainz einen Lehrgang vor mir. Und nun hat sich noch herausgestellt, daß seine Frau aus Ahrweiler stammt, vom Baugeschäft Kemps(?) hinter der Ahrbrücke, die mir schon manche Tüte voll Sand und Zement gemacht hat. Er selbst stammt aus Altenahr. Auch heute war wieder rauhes, kaltes Wetter. Wie muß auf offener freier See der Sturm wüten, wenn hier in der km langen, abgeschlossenen Bucht schon die grünen Wasser mit weißen Schaumkronen gegen das Ufer rollen. Klar ist die Luft; der kalte, eisige Nordwind faucht zwischen den Bergen; dieser Wind wird "Bora" - Boreas(?)- der Nordwind i. griech. genannt. Er soll so stark sein -und das glaube ich auch nach den letzten 2 Tagen- daß er ganze Dächer abdecken kann. Dann soll auch eine Regelmäßigkeit in seinem Auftreten liegen. Entweder soll er 3, 6 oder 9 Tage anhalten, aber immer die Zahl 3 in seinem Auftreten enthalten. Wenn er nachläßt, tritt zuerst um diese Jahreszeit der laue, regenbringende Südwestwind auf. 29.12.1943 Mittwoch. Heute habe ich nur auf dem Quartier und beim Kdn. Steinborn gearbeitet. So allmählich komme ich in die Sachen rein. Zum Mittagessen gab es Kartoffeln, Huhn und Fettsoße. Es schmeckt immer gut. Das Wetter ist umgeschlagen. Es ist milder geworden. Ich soll zu den Kam. ins Haus des Majors umziehen. Aber weil dort ein Steinfußboden ist und das Zimmer 5 Fenster hat, versuche ich so lange hier im geheizten Gebäude zu bleiben, wie es geht, bis es wärmer wird. Jeden Abend wird ein Glas Likör, Raki, Wermuth getrunken. Die Flaschen stehen ja griffbereit hinter dem Bett. In den Abendstunden habe ich 1/2 M(?) Tabak verpackt und nach Hause geschickt. Hoffentlich kommt alles gut an. 30.12.1943 Donnerstag. Da Kam. Nikolaus und Merkator zur Untersuchung sind, muß ich heute aufs Geschäftszimmer. Die Tage laufen schon im Gleichmaß dahin. 30/31 U.v.D. u Schr.v.Dienst. 31.12.1943 Freitag. Einmal bin ich hier, dann dort beschäftigt. Zwischendurch werden weiter Übungen mit dem Klapperkasten vorgenommen, auch die Steno bleibt nicht brach liegen. Viel habe ich allerdings in den Wochen wieder vergessen. In den Mittagsstunden erfreut mich ein Anruf auf Cetinje, Grafflage und Kurt Heckmann sind am Apparat. Denen gefällt es auch gut in ihrem Betrieb. Den ganzen Tag über herrscht ein recht unbeständiges Wetter, bedeckt, mäßig kalt und doch unfreundlich im ganzen. Es soll die Neigung zum Schneefall sein, wie mir ein Dolmetscher sagte, der diese Gegend schon lange kennt. 2x gehe ich zum Dentisten in die Stadt, aber immer finde ich verschlossenen Türen. So muß ich es auf den Montag, nach den Feiertagen verschieben. Denn heute ist ja Sylvester. Rückschau und Vorschau soll man an solchem Tage halten. Gern denke ich an den schönsten Erholungsaufenthalt in Laybusch(?), an die glücklichen Urlaubstage im eigenen Heim nach 2 1/2 Jahren und an die Theaterbesuche in Darmstadt, Mainz und besonders Wiesbaden. Schön und wertvoll waren auch die Wochen des Schreiberlehrganges vom 6.10.-3.12. in Mainz. Aber trotz allem hat mir die Versetzung zur Einheit 58483 die meiste Freude im vergangenen Jahr bereitet. Wenn mir auch in den orth. Schuhen das Gehen noch große Schwierigkeiten bereitet, besonders auf der Straße, die Nerven mir Tag und Nacht keine Ruhe lassen, ständige Kopfschmerzen am Hinterkopf sehr lästig sind, Augen und Ohren in Mitleidenschaft ziehen, so darf ich doch als Verwundeter und Behinderter hier weit von der Heimat im Einsatz stehen. Zwar ist die Erfüllung meines Wunsches "Zurück zu den Kameraden nach der Mittelfront" dahin, aber hier gibt es auch in diesem unsicheren Gebiet Aufgaben zu erfüllen, die ich auch bei meiner Verwundung bewältigen kann. Wo wir stehen: Es ist immer im Dienste des Vaterlandes, in der Liebe und Treue zum heißgeliebten Führer. Sylvesterabend: Eine echte Gemeinschaft zum Feiern kennt man hier nicht, leider. So sitzen wir denn nach dem Abendessen nur zu wenigen im Speiseraum bei Wein, Gebäck und Glühwein. Als dann im Radio das neue Jahr verkündet wird durch Glocken aus der weiten Heimat, da erheben wir uns, stoßen an und wünschen uns, was ein Soldat und Kamerad nur wünschen kann. Unsere Gedanken eilen zu den Lieben daheim, zu unserem gesegneten Volk und zum Führer an die Front. 1. 1.1944 Samstag. Ein neues Jahr hat begonnen. Sonntagsdienst. Nachmittags will ich den Schlaf des gestrigen Abends nachholen, da muß ich Vertretung in der Vermittlung übernehmen. Verflucht nochmal! Das fängt gut an! 2. 1.1944 Sonntag. Sonntagsdienst. Am Nachmittag stecke ich das Schlafen auf und schreibe 4 lange Briefe, die mir schon längst auf dem "Magen" liegen. Jeden Abend genehmige ich mir einen guten Wermuth. Durch die vitaminarme Kost und das Trinken am Sylvesterabend muß es mit meinem Organismus nicht mehr stimmen. Durchfall, heftige Schmerzen, Brechgefühl, Kopfschmerzen und elende Schlaffheit im ganzen Körper. Hoffentlich keine Ruhr wie am 22.6.41 in Rumänien. 3. 1.1944 Montag. Ein herrliches Wetter am ganzen Tag, glutrot leuchten die sonst weißen Berghänge im Sonnenaufgang. Eine Wonne, in dieser Landschaft zu leben! Am Nachmittag habe ich sehr viel Arbeit, aber ich komme allmählich in die Arbeiten des mir vorgestern übertragenen Postens hinein. Uffz Schroals(?), ein gutmütiger Kamerad, dufte plötzlich in Urlaub fahren. So mußte ich seine Arbeit übernehmen. Nun sitze ich mit dem Kollegen Blankenheim wieder zusammen auf dem Zimmer. Manch geistiger Hieb fliegt von Tisch zu Tisch. Heute ist es so schlimm mit meinen Leibschmerzen, daß ich kaum arbeiten kann, trotzdem man muß. Den ganzen Tag hungere ich, Kohlecompretten(?) für den Magen. Cibalgintabletten und Kamillenteebaden gegen die Zahnschmerzen. 4. 1.1944 Dienstag. In der Mittagspause ziehe ich mit meinem Klamotten zum Kameraden Hamann, unserem Koch, ins Wirtschaftsgebäude um, gegenüber von der Platzkdtr. Es ist überhaupt eine Umsicherei(?) im Bau. Den ganzen Tag über ist undurchsichtiges Wetter in der ganzen Bucht. Es neigt zum Regen, in den Bergen schneit es wohl schon. Tabletten und Tee haben ihre Wirkung schon getan. Der Besuch beim Dentist Pischel [in kyrillischen Buchstaben: Dentista PiSel] hat sich gelohnt. Alle bemühen sich, deutsch zu lernen. 5. 1.1944 Mittwoch. Meldung: der Lovcen-Paß 1750m ist 1,50m hoch in der vergangenen Nacht verweht. Nun ist das diesige Regen- und Schneewetter des gestrigen Tages von den höchsten Bergspitzen bis hinunter ins Tal gezogen. Nur hier und dort schauen die schwarzen Berge aus der milchiggrauen Wand hervor. In dieser Nacht strömte der Regen nur so hernieder. Regenwetter. 10.0Uhr, bis auf 100m ist der Schnee die Berghänge herabgekommen. Die schwarzen Klippen haben ein freundlicheres Kleid. 6. 1.1944 Donnerstag. Zum Zahnarzt bin ich bestellt. 1 1/2 Ampullen ICG(?).-Farbenpräparat in Montenegro! Ein Ruck und raus ist der faule Weisheitszahn. Jetzt stecken nur noch zwei der Biester drin. Am ganzen Tag schmerzt die aufgedunsene Schnauze ganz ordentlich. Weihnachten ??? ???. Sehr kalt ist es. Mit Kopfschützer und Handtuch umwickelt lege ich mich in der Mittagspause zu Bett. Auch abends packe ich mich wieder gut ein. 7. 1.1944 Freitag. Ich habe vor Schmerzen fast nicht geschlafen. Fuß- und Kniegelenk sind am linken Bein von der Kälte fast steif. Ich gehe zum Ofn. Mayer, daß ich wieder in mein altes Zimmer komme, wo Zentralheizung ist. Dort sind die Wände alle warm. Ganz klar und blau ist heute die Luft. So warm ist es dabei, daß man in der Turnhose gehen könnte. Vorgestern und gestern der Sturm, heute himmlischste Ruhe. Die wilden Gesellen haben sich ausgetobt. Weiß gekrönt schauen die Berghäupter zu uns kleinen Menschlein an der blauen Bucht hinab. 8. 1.1944 Samstag. Lang dehnt sich heute die Arbeit hinaus. Das abendliche Bad ist das Schönste, wenn es auch primitiv vor sich geht. Reine(?) Wäsche, und dann rein in die Falle. 9. 1.1944 Sonntag. Weil Blankenheim, ein Kollege, Nachtdienst hat, so entspricht es seinem Charakter des Mißgönnens, uns möglichst früh zu wecken, und den Diensteifrigen zu spielen. Nach dem Morgendienst ein gutes Mittagessen, bei dem bestens(?) der Pudding mundet. Ein Nachmittagsschläfchen! Dann beginne ich einen Brief an die Gleeser Kinder. Das Wetter ist heute unbestimmbar. Es neigt zu Schnee und Regen, trotzdem ist es übermäßig warm für diese Jahreszeit. 10. 1. 1944 Montag. Eine fürchterliche Nacht ist vorbei. Jede halbe Stunde saust ein Ruck durch das ganze Nervensystem. Ich kann nicht schlafen. Wetterumschlag. Es hat geregnet. Und jeder Tropfen läuft durch mein Bein! Dichte Wolken hängen zwischen den Bergen. Zum Zahnarzt gehe ich wieder, na, alles heilt gut zu. Den ganzen Tag über habe ich heftige Schmerzen im ganzen Körper. Der Schnee vergeht in den Bergen. U.v.D und Fernsprecher vom Dienst. Zum Abendessen gibt es Bratkartoffeln (aufgeweichte Dörrkartoffeln) mit gekochtem Schinken, den esse ich seit fast 4 Jahren zum erstenmal wieder. Um 14.00Uhr wird durchgegeben, daß der Lovcenpaß wieder freigeschaufelt ist. Gegen 20.00Uhr fliegen an 150 feindliche Flugzeuge über die Bucht mit ihrem an- und abschwellenden Geräusch. Ziel: Rumänische Ölfelder? Ragusa ist heute wieder bombadiert worden. Unter der einheimischen Miliz waren 4 Tote und 1 Schwerverwundeter. Wann kommen wir in diesem Hafenort dran? Jeden Tag rechnen wir damit. Mitternacht! Seit einer halben Stunde surren die Flieger wieder über uns hin. Sie fliegen nach Westen zu ihren Absprunghäfen in Italien. 11. 1.1944 Dienstag. Bei den Abendmeldungen hören wir, daß in der vergangenen Nacht Sofia angegriffen wurde. O.Gefr. Schmitt, Chauffeur, Kraftfahrwesen, ist aus dem Urlaub zurück. Hoffentlich gestaltet sich die Zusammenarbeit besser als die erste Begrüßung den Anschein gibt. Von allen ein wenig geschätzter Kamerad. 12. 1.1944 Mittwoch. Wolkig, diesig, in Fetzen hängen die Wolken an den schwarzen Felsen und streichen in fast 600-800m Höhe an dem zuckrigen Gestein dahin. Leichter Regen und der Nebel rasen in den Nerven. Jeden Abernd ein kleines Quantum Wermuth. 13. 1.1944 Donnerstag. Heute bin ich allein auf meiner Bude, denn mein Kollege Blankenheim ist mit Uffz. Schmidt nach Cetinje; der Lovcen ist frei. 14. 1.1944 Freitag. Heute ist ein schöner, warmer Tag. Leider ist die Mittagspause immer gestört, weil das Telefon auf der Vermittlung ggüber einen solchen Krach macht. U.v.D. habe ich, so will ich bis 22.00Uhr noch einen Brief an meinen Kam. Scholz schreiben. Unseren Klapperkasten habe ich auch mal in Kur genommen, der war zu sehr verschmutzt. 15. 1.1944 Samstag. Der neue Dienstplan tritt in Kraft. Um 13.00Uhr ist Dienstschluß. Am Nachmittag besäuft sich der U.v.D. O.Gefr. Nikolaus, ein verkommener Bursche von 20 Jahren, daß ich bis zum Sonntag mittag den U.v.D. übernehme und Horss(?) die Vermittlung. 16. 1.1944 Sonntag. Kollege Blankenheim fährt in Urlaub. Bepackt ist er wie ein Maulesel, denn alle geben ein Päckchen oder auch 2 mit. Mit einer dummen Entschuldigung (von den Vorgesetzten und den anderen Kam. hätte er schon soviel, da könne er für mich nichts mitnehmen; der tiefere Sinn aber: Ich habe von Dir noch keinen Nutzen gehabt, ablso tue ich auch nichts), sucht er sein Handeln zu beschönigen. Ich schlafe am Nachmittag. Ruhe hat man ja doch nicht. 17. 1.1944 Montag. Nach dem gestrigen heftigen Borasturm, der den blauen Fluten weiße Schaumkronen aufsetzte und sie in langen Reihen dahinrollen ließ, ist heute wieder besseres Wetter. Sommer gleich schön, frühlingswarm strahlt die Sonne dazu. Heute muß ich einen dicken Strich im Notizbuch machen. Seit dem 2.12.1943 erhalte ich heute die erste Post. Es ist die "Grüne" aus Eisenberg(?). Aber leider ohne Gruß. Das läßt mich aber auf einen baldigen Brief hoffen. Wirklich heute nachmittag trudelt der Brief an. Jetzt ist die Verbindung hergestellt. 18. 1.1944 Dienstag. Heute rollt die Post wieder an. Heute endlich ein Lebenszeichen von Dora. Leider ist heute soviel Arbeit, daß ich gerade eilig die Post lesen kann. Die Zeitschriften werden nur durchgeblättert. Daubs schicken mir den "SA Führer". Bei einem ruhigen Vermittlungsdienst bilden sie in den nächsten Tagen den Lesestoff. 19. 1.1944 Mittwoch. Wieder Post. Na, jetzt klappt es. Von Dora erhalte ich einen dicken Brief, in dem 3 andere Briefe von meinem Vetter Alois Gärtner, meinem Andernacher Komp. Kameraden Anton Michels und meiner Schwester Maria enthalten sind. Fast alle stammen vom November 1943. Marias Freude über ihren ersten Bub klingt aus allen Zeilen. Wann kommt wohl ein erster Theins(?) zur Welt? 20. 1.1944 Donnerstag. Olfw. Mayer leidet sehr an Asthma. Mühsam schlept er sich dahin. Das ständig wechselnde Wetter ist sehr schädlich. Nun liegt er elend danieder. Heute heult wieder der Nordsturm. Trotzdem ist es so schön dabei. 21. 1.1944 Freitag. Zum Impfen soll ich gehen. Aber wegen plötzlicher Arbeit kann ich nicht abkommen. Die Mittag- und Abendstunden werden mit Schreiben ausgefüllt. Heute war Verpflegungsempfang. Das merken wir beim Abendessen: 2 große Schinkenscheiben, 2 Käseschnitten und Sardinen liegen auf dem Teller; dazu noch Butter und Senf. Wwir empfinden das Essen überreichlich. Ich habe einen Hunger, daß auch dies eine Kleinigkeit für mich ist. Nach meiner Verwundung habe ich überhaupt einen viel besseren Hunger. Es ist, als wenn die Nervenschmerzen die halbe Nahrung vernichten. 22. 1.1944 Samstag. Heute war ich zum Arzt, der mir 0,5ccm gegen Typhus gegeben hat. Gern ginge ich zum Massieren täglich dorthin, aber der holprige Zug verdirbt mehr als das Massieren gut macht. Viel Arbeit ist jetzt immer vorhanden. Die Benzin- und Petrol.holer schmeißen mich auch während der Mittagspause aus dem Bett. Dann kommt die Parile, daß Oblt. Bretz(?), ein prot. Gerstl., der von einigen Tagen aus dem Urlaub gekommen ist, die Arbeitszeit wieder geändert hat, weil er nicht sehen kann, wie andere sich nach einer arbeitsreichen Woche auf einige freie Stunden am Samstag freuen. So ist denn von 3.00-7.00 Dienst. Ich bin so müde, daß ich ohne Baden zu Bett gehe. 23. 1.1944 Sonntag. Heute war nach einer klaren Nacht alles weiß im Gelände. Reif lag auf allem. Bald siegt aber die Sonne. Nun ist ein arbeitsreicher Tag zu Ende. Von heute früh 9.00Uhr bis 19.00Uhr keine Viertelstunde Freizeit. Es sollte ja nur bis 12.00Uhr Dienst, aber der Geistliche scheint besonders Gott ehren zu wollen, in dem er die Untergebenen zu unfrohem Schaffen erzieht, wo es wirklich nicht nötig wäre. Das sieht man allen an, daß wir über diese Schikanen dieselbe Meinung haben. Wir arbeiten gerne und fleißig, ohne uns damit brüsten zu wollen. Aber wenn solche Anordnungen aus gehässiger und bissiger Art gegeben werden, dann stören sie das Zusammenarbeiten. 24. 1.1944 Montag. Es rumort in den Lüften. Regen, Regen, Graupeln und Schnee; ein Hundewetter. Am Nachmittag klart es auf. Dann braut sich wieder was zusammen. Ein Gewitter! Ganz eigenartig sieht es an den Bergflanken aus: Das Panorama der Stadt- Berg(Fels)- Wolkenfetztenschicht (150m hoch)- Berg-Wolkenschicht (1000m)- Bergspitzen im Schnee. 25. 1.1944 Dienstag. Noch hält dies Wetter an. Bei uns daheim sind es wohl Schneeschauern. Wieder ein nachmittägiges Gewitter mit fast dem gleichen Landschaftsbild wie am Vortage. Lange dauert dies Wetter nicht an. Einige Tage, dann siegt die Sonnenpracht der Subtropen. 26. 1.1944 Mittwoch. Sturm! Es heult und pfeift. Regenlos! Eisig dringt der Nordwind in die Kleidung. Trotzdem grünt es. Das Gras wächst, manche Blumen und Sträucher blühen schon. Im Speisesaal ist immer etwas Grünes. Wenn die Kam. zum Soldatenfriedhof gehen, kommen sie immer mit einem Strauß zurück. 27. 1.1944 Donnerstag. Weiter heult es in den Lüften. Es orgelt und pfeift. Hin(?) geht es um die Ecken, über die Dächer. Auf den höchsten Bergspitzen liegt noch Schnee. 28. 1.1944 Freitag. Strahlendes Wetter, "Alpenglühen" an den Bergflanken. Der Sturm hat sich so schnell gelegt wie er gekommen ist. Heute muß es ja schön sein, denn ich habe einen Gedenktag. 5 Jahre sind es her, daß Dora und ich auf dem Standesamt in Burgbrohl unser "Ja" sagten. Mein liebes, treues Frauchen habe ich mir heimgeführt. Vier lange Kriegsjahre sind in dieser 5 enthalten. In Liebe gedenken wir einander. Ob mein Brief mit den Januuarveilchen hier aus dieser herrlichen Bucht noch trechtzeitig angekommen sind? Blau leuchten die Fluten der Bucht. Die weißen Schaumkronen der letzten Tage sind zerstäubt. 29. 1.1944 Samstag. das war mal wieder ein Tag! Ehe man mit den Chauffeuren von C. eine Kolonne zusammengestellt hat! Es ist doch etwas zuviel der Lauferei am heutigen Tag gewesen. Dem ital. Hilfsfreiwilligen Oskar Rosadiani habe ich oft gesagt, wenn er sonntags frei haben wollte und den Sinn nicht zum "travarl??" (arbeiten) [auf jeden Fall eine falsche Übersetzung] hatte: "Ein Deutscher arbeitet Tag und Nacht für sein Vaterland, er kennt kein "fatigue" (ermüdet sein). Jetzt ??? er nicht zum erstenmal erschöft im Stuhl sitzen. Einmal versagt auch die zäheste Energie. Beim Baden ist das Wasser auch noch fast kalt. Aber eine gute Nachtruhe macht mich wieder forsch für den morgigen Tag. Von gestern piesackt mich noch ordentlich die Typhusspritze. Die Arbeit war die beste Gegenmedizin. 30. 1.1944 Sonntag. Ein schöner Stgs.dienst bis 12.00Uhr. Wir wissen nicht, ob am Nachmittag Dienst ist. Jeder arbeitet etwas. Auch ich mache für morgen ganz reinen Tisch. Herrlich, frühlingswarm scheint die Sonne. 30.Januar 1933/44! Um 12.00Uhr hören wir weit von der Heimat entfernt die Rede des Führers aus seinem Hauptquartier. Ich habe U.v.D. Endlich eine Regelung, daß die Uffz und Obgefr. U.v.D. machen, die anderen zum Telefondienst eingeteilt sind. Am Nachmittag wird geschrieben. 31. 1.1994 Montag. Das war eine Nacht! Gestern abend hatte der Major mit dem Ortskdt(?) der Buch eine gemütliche Zusammenkunft. Gegen 22.00Uhr lege ich mich zu Bett. Spät kann ich erst einschlafen, denn es liegt etwas in der Luft. Da, 1.00Uhr, die Tür geht auf, Krd Mahr vom Vermittlungsdst sagt: "Das Licht ist aus!" Oblt Lietz(?) sagt: "Du als U.v.D. müßtest Kerzen haben oder solche besorgen!" Ich habe keine zu Weihnachten erhalten, wie die anderen Kameraden. Da weiß Mahr, daß Krd Plass, der im Laz. liegt, noch sein Paket im Schrank liegen hat. So kann also wieder geholfen werden. Das war aber so recht der Lietz! Das plötzliche Wecken hat mich zu sehr aufgeregt, so liege ich denn fast 1 1/2 Stunden, bis sich der Schlaf wieder einstellt. Heute morgen hat der Oblt. dann von der vergangenen Nacht seine Mucken. Ein unberechenbarer Charakter! Sonst fängt die Woche ganz gut an. Herrliches Wetter erfreut uns. Wunderbar ist abends der Blick zum Sternenhimmel. So glitzern und funkeln und sprühen die Sterne nur in diesen südlichen Breiten. Es ist ein Flackern und Flimmern, wie wir es in unserem "nordischen" Himmel gar nicht kennen. In Griechenland und in der südrussischen Steppe war es ebenso. Sternennächte auf der Krim am Schwarzen Meer! 1. 2.1944 Dienstag. Heute mittag ging es mal wieder hastig. Kameraden sind von Partisanen eingeschlossen. Da heißt es: Sprit her, Mannschaften zur Hilfe bringen; na, die Miliz ist ja auch da. Heute war es so schön, daß ich dem Drange nicht widerstehen konnte und in der Turnhose während der Mittagspause in die Sonne setze. Das tut gut. Neben mir steht ein Wassertopf. Da fängt denn bald eine lustige Spritzerei mit den beiden Küchenmädels an. Leider wird es zu schnell 3.00Uhr, dann heißt es wieder weiterarbeiten. Zum Arzt (Impfen) bin ich vor Arbeit nicht gekommen. Auch morgen geht es nicht. Uffz. Schmidt fährt in Urlaub, da habe ich nun genug Arbeit, um mich etwas in den Rechnunskram einzuarbeiten, denn übermorgen muß ich Ib Bearbeiter und Rechnungsführer sein. Von Dora und Gisela kamen heute zwei lange Briefe an. 2. 2.1944 Mittwoch. Gut daß ich gestern die schöne Sonne ausgenutzt habe. Heute ist der Vortag zum kommenden Regen. Zum Impfen soll ich gehen, aber ich bekomme keine Zeit. 3. 2.1944 Donnerstag. Sturm und Regen. Vielleicht mal wieder 3 Tage lang. An den Ecken wird man bald umgeweht. Die Fensterläden klappern den ganzen Tag. Uffz Schmidt fährt in Urlaub. Nun weiß ich wirklich nicht mehr, welche Stube ich zu meinem Quartier aussuchen soll. Überall wird man gebraucht. Zu viele sind in Urlaub oder sonstwo. 4. 2.1944 Freitag. Heute wie gestern dieses Wetter. An den übrigen Tagen gehe ich kaum hinaus auf die holprigen Straßen, erst recht nicht in diesem Wetter! Uffz Schrab(?) aus Mainz, kommt aus dem Urlaub. So kann er den Autokram wieder übernehmen. Ich mache den Rechn.Führerdienst. 5. 2.1944 Samstag. Was soll sich wohl geändert haben? Hundewetter und viel Arbeit. 6. 2.1944 Sonntag. Sonntag ist Arbeitstag, wenn auch etwas lockerer. Spät wird es wieder wie immer an den letzten Tagen. Das Schneeregenwetter hält an. Verschneit sind die Berggrate und Spalten. Die Verbindung über den Paß mit der Hauptstadt ist unterbrochen. 7. 2.1944 Montag. Eisig kalt ist es. Ein scharfer Wind weht von den Bergen über die Wasserfläche aufs Land. Mit verfrorenen Händen schreiben die Quartiergeldabholer ihre Namen in die Listen. Zum Impfen komme ich heute nach 10 Tagen erst. (Cholera.) U.v.D. 8. 2.1944 Dienstag. Morgenrot auf den verschneiten Bergen! Der Wind hat gedreht, wieder helles, sonniges Wetter. Fast könnte man sich wieder mit der Turnhose in die Sonne setzen. Vielleicht morgen? 9. 2.1944 Mittwoch. Wieder Wetterwechsel. Das Sonnenbad ist dahin. Wieder Regen. Na, in unserem schönen Bau können wir das schöne Wetter abwarten. Es braust und brodelt(?) an den Berghängen. Bei den Donnerschlägen eines heftigen Gewitters hallen die Schluchten wieder. Es schneit und hagelt und regnet. 10. 2.1944 Donnerstag. Auch heute das Brodeln und Kochen am Felsgeklüfte. Ein Nachmittagsgewitter! Wohl an der Tagesordnung. 11. 2.1944 Freitag. Wieder heller Sonnenschein, blau die See, ein frischer Wind weht von den Bergen. Nachmittags gehen wir in die nahe Bergschlucht zum Handgranatenwerfen. Das hallt. Uns allen macht es Spaß. 12. 2.1944 Samstag. Der Samstagnachmittag gestaltet sich wieder etwas freier. 13. 2.1944 Sonntag. Ein angenehmer Tag. Daran ändert auch der U.v.D. Dienst nichts. Es wird eben geschrieben und gepackt, was überflüssig ist. 14. 2.1944 Montag. Nun bin ich in meinen neuen Dienst ganz eingearbeitet. Er ist doch besser für mich, weil das Laufen aufhört. 15. 2.1944 Dienstag. Seit gestern sind die Paßstraßen wieder frei. In der Hauptstadt soll es so geschneit haben, daß Pferdeställe eingebrochen sind, ganze Baracken zusammengeklappt sind. Hier lag nur für wenige Stunden etwas Schneematsch. Die warme Luft und der Wind lassen alles schnell verschwinden. Das alles stört die jungen Palmentriebe nicht, die vor dem Wirtschaftsgebäude dunkel- und hellgrün zwischen schützendem Lattengerüst stehen. 16. 2.1944 Mittwoch. 17. 2.1944 Donnerstag. 18. 2.1944 Freitag. Unser Oberarzt ist Dr. Hörer aus B.N. meiner Heimat. Wir sind von ihm untersucht worden. L62. Fast a.v. reif. Ändern kann er ja doch nichts. Heute ist auch mein Kollege Blankenheim wieder aus dem Urlaub gekommen. Wenn der Name nur genannt wurde in den letzten Tagen, dann erregte das Gedenken an diesen eigenartigen, von sich über die Maßen eingenommenenen Vertreter des Schulmeisterberufes allgemeine Heiterheit. Bald werde auch ich an der Reihe sein mit einem Urlaub. Dann ist es schon Frühling. Ein ganz erbärmlicher Tag ist heute gewesen. Schnell(?) die Arbeit. Nein, das Wetter neigt zum Wechsel. Der Fuß arbeitet auf Hochtouren, ein Kribbeln und Krabbeln, Jucken und Kitzeln, Brennen und Stechen, Klopfen und Zittern. Alles, was nicht taugt, ist tätig, um mir das Leben schwer zu machen, daß ich den verdammten Krüppel am liebsten ausreißen und wegwerfen möchte, nein nicht nur den Fuß, das ganze schmerzhaft Bein müßte weg, wenn auch nur für eine Stunde, um einmal nach 2 Jahren ohne Schmerzen, ohne Kopfschmerzen zu sein. Es wird wohl nie mehr sein. Das bleibende Andenken von Sewastopol. Dieses Ehrenzeichen nimmt mir keiner weg! 19. 2.1944 Samstag. Ein scharfer Wind hebt an. Am Nachmittag heult es in den bekannten Tosen(?) und ??? um die Ecken. Pechschwarz ist es am Abend und in der Nacht. U.v.D.. Die schönste Freude am Abend ist immer das Baden, wenn auch nur an gewöhnlichen Spülbecken. 20. 2.1944 Sonntag. Nun ist es wieder Sonntag. Ein angenehmer Dienst. Allmählich hat sich der Eifer eines anderen etwas gelegt. Heute gehen wir in eine Musikvorstellung im Soldatenkino, daß etwas Abwechslung in den Ablauf der Tage kommt. 21. 2.1944 Montag. Heute erlebe ich ganz unerwartet eine große Freude. Um 10.00Uhr bekomme ich den Befehl, nach C. zu fahren. Mit Uffz Schwab, einem gemütlichen Mainzer gondele ich im bequemen PKW los. Herrliches Wetter! Über B. geht es zum Ziel. Zuerst wieder die Serpentinen hinauf mit schönen Ausblicken auf C. und die Bucht. Dann scharf hinter B. der Blick hinaus auf die offenen Adria. Vorgelagerte, dichtbesiedelte Inselchen! Ruhig liegt die See. Weiter hinauf beginnt der Schnee. Und schließlich ist es eine gefährliche Fahrt. An den Seiten liegt der Schnee noch fast 1m hoch aufgeschaufelt. Wir sind zwei gleichgesinnte Kameraden. Schwab ist NSKK Obersturmführer. So konnte es nicht anders sein, daß wir bei dieser herrlichen Fahrt die alten SA Kampflieder sangen, hier unten in der Bergwelt Dalmatiens! Nach erledigten Geschäften machen wir uns wieder auf die Rückfahrt. Noch ein schönes Erlebnis muß ich berichten. Heute habe ich mal wieder die 2 alten Kameraden Grafflage und Heckmann gesehen. 2 alte Reisekumpels. 26. 2.1944 Samstag. Wir sitzen gemütlich beim Morgenkaffee. Wolkenfetzen lagern an den Berghängen und tief auf dem Wasser. Da! Ein Motorengeräusch und schon geht es: Prr prr. Kommen doch so einige Schweinehunde von Engländern im Tiefflug und knattern mit den Bordwaffen in der Gegend umher. Na, die Morgenruhe war weg. Angst ergriff die Bevölkerung. Nun sind wir wohl keinen Augenblick mehr sicher. 29. 2.1944 Dienstag. Monatsende und damit Abschluß. So sitze ich bis 12.00Uhr abends bei meinen Rechnungen. Eine schöne Arbeit kommt in die Quere. Morgen fahren Major M., Sdf(?) K. und Kam. H. in Urlaub! Urlaubsscheine ausstellen und Urlaub auszahlen ist eine schöne Tätigkeit des Rechnugsführere. 1. 3.1944 Mittwoch. Heute gondeln die 3 Glücklichen über U. ab. Viel Glück und Freude! 4. 3.1944 Samstag. Nun muß ich wieder nach C. Aber wie unterschiedlich ist es gegenüber ddem letzten Male. Morgens und abends hausen die E an den Küstenstraßen. Dann wollen wir schon um 5.00Uhr morgens losfahren. Obgefr. Schnitt nimmt meinen (Schwabs) Wecker mit in sein Quartier, um mich um 4.00Uhr zu wecken. Gegen 5.10 sagt Uffz Schwab, mit dem ich auf einem Zimmer liege: "Du, es ist Zeit!" Ich auf, angezogen, durch den Regen an Schmitts Unterkunft, an den Laden gebummt, daß es dröhnt. Und dann im Galopp fertig gemacht. Um 5.50Uhr stehen wir mit dem Auto vor dem Quartier eines Hpt., der schon 50min im Regen auf uns wartet. Nach einem energischen Geschimpfe ist er froh, daß er in dem schützenden Auto sitzt. Wir sind zwei alte Obgefr. So kann uns mal einer. Unterwegs wird mal ordentlich auf den Wecker geschimpft, dann ist die Sache erledigt. Kein Sonnenschein, kein leuchtendes Meer. Einmal gut, daß das Flugwetter schlecht ist. Aber die Hunde kommen selbst bei diesem Teufelswetter. So wird sorgsam Ausschau gehalten. Während wir im strömenden Regen die Serpentinen hinaufklettern, streichen die lieben(?) Wolkenmassen an uns vorbei, uns ganz einhüllend, vom Meer das Gebirge hinauf. So müssen wir oft im Schneckentempo dahinfahren. Kläglich ertönt unsere erbärmliche Hupe an den zahlreichen Windungen. Oben im gewaltigen Bergkessel schneit und regnet es in Menge. Diesmal habe ich einen ganzen Tag vor mir. So kann ich auch mit Ruhe essen und dann mit den Kameraden noch in der Mittagspause zusammensitzen. Gegen 16.00Uhr geht es zurück. Diesmal ist die Fahrt infolge der streichenden Wolkenmassen und entgegenkommenden Autos sowie des strömenden Regens noch beschwerlicher. In B. fahren wir in einem kleinen Abstecher noch ans Meer. An den ins Meer vorgebauten Befestigungsmauern der Burgstadt brecen sich die anrollenden Wogen der Adrai. Hier kann man stehen und denken und träumen. Mild warm ist die feuchte Luft. Ein Dreiklang! Trotzig die anrollenden Wogen, trotzig die Banden der Befestigung auf auf Meeresfelsengrund und trotzig die steil aufsteigenden Felsen dieser gigantischen Bergwelt. 12km vor C. streikt unser Roß. Wenn es nur durchhält, bis wir die Sepentinen erreicht [haben], wo es wieder abwärts geht. Dunkel wird es und es regnet. Es protzt und stinkt und knallt und knattert und schleudert Funken in unserem Kasten. Stehen bleiben! Das Roß muß ausruhen und verschnaufen. Dann erreichen wir unter pustenden Geknatter der 1.Eisenbahn die Höhe. So haben wir es geschafft. 6km Serpentinen abwärt und wieder daheim! 7. 3.1944 Dienstag. Die letzten 10 Tage war ein Hundewetter. Immer Regen und Regen und nochmals Regen. An den Felsen jagen die Wolkenfetzen. Jeden Tag ein ordentliches Gewitter, of auch 2 und 3. Das rast im Fuß wie der Teufel. Gestern mußte ich zum Arzt. Denn die sehr dünne Haut hat sich aufgescheuert, die Nerven liegen wieder frei, und eine Entzündung möchte ich vermeiden. Nach 2 Jahren wieder diese Schweinerei. Hoffentlich fängt es nicht an zu buttern, daß ich nicht ins Lazarett muß, um mir(?) hier von den Tommys noch einen aufs Haupt werfen zu lassen. Das wäre nach allem Erlebten das größte Pech. Heute ist nach 31tägigem Urlaub Ofv Kosbowski wieder aus dem Url. gekommen. Jetzt kommt das Telefon nicht mehr zur Ruhe. Rot muß ich diesen Tag anstreichen. Denn es ist ein Ruhmestag meiner Division. Zufällig hörte ich in den 20.00Uhr Nachrichten, daß der Kdr. der 72. moselländischen Inf. Div. wegen der heldenhaften Bewährung von ??? das Eichenlaub zum Ritterkreuz erhalten hat. Ja, unsere 72.! [2] 9. 3.1944 Donnerstag. Wieder muß ich zum Arzt. Der verweist mich sofort nach Ri--, 18km entfernt ins Lazarett. Zufällig fährt Oblt. Reichert zum Ortskdt. Also eine gemeinsame Fahrt am Ufer der schönen Bucht entlang. Einer hält Ausschau nach vorne, der andere nach hinten. Als ich gerade unter dem Röntgenapparat liege, geht der Strom aus. So kann ich nicht mit dem Oblt. zurückfahren. Um 16.00Uhr wird die 2.te Aufnahme gemacht. Aufnahme ins Lazarett erforderlich. Knochenverzerrung unter dem Gelenk. Gegen 23.00Uhr kann ich mit einer abrückenden Einheit nach C. fahren. In dem 11m langen Bus sitzt es sich ganz gut. Aber auf halber Strecke kommt uns auf dieser schmalen Uferstraße eine lange LKW Kolonne mit breiten, großen Wagen entgegen. So manövrieren wir hin und her, bis alle vorbei sind. Fast 2 Stunden gehen so verloren. Glücklich um 3.00Uhr lande ich in C. Unser Milizwachposten ist nicht zu sehen. Ers schläft in einem LKW. 4 Stunden Schlaf. Dann geht es an die Abschlußarbeit bis abends 12.00Uhr. 10. 3.1944 Freitag. Es ist ein arbeitsreicher Tag mit Blankenheim gewesen, der nun bis zur Rückkehr von Uffz Schmidt aus dem Urlaub den Rechnungskram erledigen soll. 11. 3.1944 Samstag. Am Stock gehe ich nun, weil es nicht mehr anders möglich ist. Gegen Nachmittag bin ich fertig mit der Übergabe. All meine Sachen sind zusammengepackt in einer Kiste. Mein Köfferchen steht bereit. Da lerne ich die Gleichgültigkeit von Uffz Schwab kennen. Auf einmal ist kein Kraftfahrer da. Ob heut ob morgen, ihm ist es gleich. So schlafe ich denn zum letzten Male hier in dem Zimmer. 12. 3.1944 Sonntag. Nach einem guten Morgenkaffee und allen Kameraden einen Händedruck geht es ab nach R. Das Mittagessen ist gut. Und am Nachmittag sitze ich bei Ofv. Mayer auf dem Zimmer, der schon seit dem 23.2. hier liegt. 13. 3.1944 Montag. Bei der Visite muß der Arzt feststellen, daß ich nicht nüchtern bin, der Sani hat mir nicht gesagt, daß ich heut drankomme! Also geht der Tag so dahin. Ich lese und schreibe, besuche Ofv. Mayer und verbringe am Nachmittag eine Stunde in der schönen Märzsonne. Morgen darf ich nichts essen zum Kaffee. 14. 3.1944 Dienstag. Heute klappt der Laden. Mein Bein ist schon "rasiert", nun sitze ich am Tisch, mache meine Notizen und warte, bis man mich holt.. Dann kann es losgehen. In meinem Bett lande ich ja wieder. Mit einer Schiene am Bein erwache ich auch wieder ganz gut. Allerdings soll ich in der Narkose einen Höllenlärm gemacht haben. Nur so eine verdammt lange Schiene bis an den Hintern haben mir die Sanis ans Bein getan, daß mir bald das Knie mehr schmerzt als der Fuß. Zum Abend noch eine Morhpiumspritze, dann kann ich ja schlafen. 15. 3.1944 Mittwoch. So schlimm wie nach der Verwundung scheint es doch nicht zu werden. Ganz mopsfidel bin ich. Das Essen schmeckt mir. Fieber ist auch keines da. Was will ich noch mehr. Am breiten Fenster liege ich. Da scheint die Sonne gut und lang durch die Scheiben. So liege ich denn auch notdürftig bekleidet im Bett und lasse den Buckel wärmen. Am Abend werden wir alle in den Keller gebracht, denn die Tommys fliegen in Wellen über uns weg nach Sofia. 3x wird Alarm gegeben. 16. 3.1944 Donnerstag. Mein Fuß macht mir keine Sorgen. Nur bin ich gespannt, was man gemacht hat. Das sehe ich ja beim nächsten Verbinden. Mit 2 andern Kameraden liege ich auf dem Zimmer. Aber was der eine zuviel an blödem Zeug fragt, schweigt der andere bei grimmigem Gesicht(?). Froh bin ich, daß Ofv. Mayer von der P.K. mich täglich 2x besucht. Heute sind wir in den Keller gebracht worden. Die Tommys bringen den Partisanen Verpflegung und Munition. Von unserer Stube 9 wandern wir dann nach 7. Nach mehreren Tagen ist auch mal wieder Post angekommen. Jetzt habe ich fast 15 Briefe zu beantworten. Vitaminpäckchen sind auch dabei. 17. 3.1944 Freitag. Nochmal Post Steinborn aus Neuenahr ist mit dem Verpflegungsauto gekommen. Er bringt Butter und Käse mit. Alles ist auf der P.K. noch in Ordnung. Kamerad Plaß ist aus seinem Urlaub zurück! Post ist wieder für mich dabei. Wieder Alarm! Der Hund von Engländer läßt uns keine Ruhe. 18. 3.1944 Samstag. Heute werde ich zum erstenmal verbunden. Na, ganz gut sieht mein Krüppel aus. Ein Röhrchen steckt unter dem Gelenk bis zu Fußmitte. Da soll denn der ganze Dreck rausfließen. Ein Arbeitsdienstmann im Weser-Ems-Gebiet könnte auch seine Drainageröhrchen nicht besser gelegt haben als unser guter beliebter Stabsarzt. Ofw. Mayer war wieder in C. So hat er auch wieder etwas Post für mich dabei. 19. 3.1944 Sonntag. Heute werden wir wohl endlich auf die Veranda in die Sonne rausgestellt, denn dem Stabsarzt liegt selbst viel daran. Vor 2 Tagen habe ich ihn darum gebeten. Aber in der Mittagspause ist kein Schwanz von Sanis zu sehen. Ja, nach dem Mittagessen mache ich Radau, da werden wir denn rausgeschoben. Der etwas kühle Wind streicht über das Bett hinweg. Die Sonne wärmt gut. er kühle Abendwind läßt uns wieder verwschwinden. 20. 3.1944 Montag. Kam. Hofstetter, der am Fenster liegt, wird heute entlassen. Sofort lasse ich mich ans Fenster legen. Aber es ist so als wenn die Sonne es wüßte. Denn heute ist kein Sonnenschein. Es regnet. Na, ewig bleibt es ja auch nicht so. Heute ist großer Packtag, kein Empfang, sondern Erledigung. So 15 Briefe harren der Beantwortung. Na, die werden Augen machen, wenn sie die seitenlangen Antworten erhalten. 21. 3.1944 Dienstag. Lang war die Nacht und schrecklich. Gestern abend zogen sich Gewitter zwischen den Bergen zusammen. Unter Blitz und Donnerschlag tobten sie 5 Stunden zwischen den Bergen. Ich glaube, mein Bein ist ein Blitzableiter geworden. Jeder Schlag traf eine bestimmte Stelle am Knie und raste zu den Zahnspitzen. Heute hat mich der Sani nicht singend im Bett gefunden. Wir liegen jetzt nur zu zweit auf dem 4 schläfrigen(?) Zimmer, da kann jeder machen, was er will. 22. 3.1944 Mittwoch. Regen und Sturm, verhangen ist die ganze Bucht. Als eine schwere Gewitterwolke sich verzogen hat, ist beim Regen im Tal auf den Bergen heftiger Schnee gefallen. Das ist ja hier ein tolles Durcheinander in den Vorgängen der Natur. Am Nachmittag bricht die Sonne durch. Wie tut das gut. Und wie verändert ist die Landschaft: Das Meer ist wieder blau, die gewaschenen Dächer leuchten im Carminrot, schwarze Zypressen gliedern durch ihre aufragende Schlankheit das Landschaftsbild in Teilbilder. Das alles liegt tief unter mir am Hang zum Ufer hin. Rund um die Bucht erstrahlen die grauen Berge in der Sonne, oben glitzert und flimmert der Schnee. Bis auf 200/300m ist er in die Bucht herabgekommen. Kalt es es in den Zimmern und im Bett. Schlechte Kohlen für die Heizung und kalter Wind von den Schneehängen. Heute ist Ofw. Mayer entlassen. Er wird mit dem Auto abgeholt. Nun bekomme ich nur alle 8 Tage bei Verpflegungsempfang Post und Besuch. Die unterhaltsamen täglichen Besuche haben nun ein Ende. Schade! 23. 3.1944 Donnerstag. Früh sind wir 2 wach. Trotzdem wird es spät am Vormittag, weil die Sanis erst nach der Visite das Waschwasser bringen. Überhaupt läßt die Pflege durch manche Sanis viel zu wünschen übrig. Es hängt wohl auch davon ab, daß zu wenig Personal da ist. Am besten war es noch in Simferopol(?) und Dnjepropetrowsk bei den ukrainischen Frauen, aber besonders im Lemberg bei der jungen Säuglingspflegerin. Na, nun sind die neuen Sanis da. Heute abend wird zum erstenmal seit dem 12.3. also in 12 Tagen mein Bett gemacht. Nun kann es ja anders werden. Garstig ist das Wetter am ganzen Tag. Und vor 2 Tagen war Frühlingsanfang. 24. 3.1944 Freitag. Heute müssen die Kameraden kommen. Und wirklich, zur Mittagszeit kommt Uffz Schmidt, der junge Ehemann herein. Nach Erledigung des amtl. Teiles unterhalten wir uns. Na, wir verstehen uns gut. Bald muß er aufbrechen. Ich mache das mitgebrachte Paketchen auf und finde die gewünschten Umschläge, dann noch eine Schachtel Käse, 2 Drops(?), 1 Tafel Schokolade und eine Schachtel Knäckebrot. Das ist wieder eine kleine Stärkung. Am Nachmittag flicke ich meine Turnhose und das Handtuch und lege mich dann nackt in der Turnhose aufs Bett in die schöne Sonne. Draußen weht scharfer Wind. 25. 3.1944 Samstag. Von dem vielen Lesen und Schreiben war ich redlich müde. So habeich auch gut geschlafen. Heute denke ich bestimmt an herrlichen Sonnenschein, aber alles ist ???treibenden Schneewolken verschleiert. Nun kommt der Schnee bis ins Tal, ja bis aufs Wasser. Wie mag es erst oben auf dem Berge in den Stellungen sein?! Ein schlechter Frühlingsanfang! Eben war der Haarschneider hier und hat mal ordentlich "gelüftet". Im Preis benimmt er sich wie ein Jude, ein netter Kamerad. Weil die blöden Einwohner sich in der Inflation zerfleischen, meint dieser Schuft, die eigenen Kameraden und Verwundeten könnten ihm dieselben Preise bezahlen. 26. 3.1944 Sonntag. Am Vormittag bekommen wir Zuwachs auf dem ZImmer: Ein Saarbrücker hat Rippenfellverzerrung und liegt nun nach der Operation bei uns. Ein junger Soldat von 19 Jahren. Heute Nachmittag ist bei scharfem Wind herrlicher Sonnenschein. Wir merken fast nackt auf dem Bett liegend nur die Sonne mit ihrer Kraft. 27. 3.1944 Montag. Heute habe ich mal wieder tüchtig unter der Post aufgeräumt. Nun kann ich warten bis zum Freitag, wann mir die Kameraden wieder neue bringen. Heute ist hier im Lazarett geschehen, was ich bisher in den 11 Monaten in 7 Lazaretten nicht erlebt habe. Eine solche Vernachlässigung kann nur in einem von Sanitätern besetztem Lazarett vorkommen, im dem die Sani mehr zum Außendienst herangeholt werden als zur Pflege der Verwundeten und Kranken. Trotz mehrfacher Aufforderung an den Uffz u. die Sani haben wir heute kein Waschwasser erhalten. Wir sollen bei dem Schmutz wohl eher in der warmen Nachmittagssonnne braun werden. 28. 3.1944 Dienstag. Schlecht war die Nacht. Ein Kamerad hat argen Husten. Und dan pfeift der Wind an den Türen rein, alles schließt nicht dicht. "Amerikanische Bauweise". Sonst ist der Bau mit seiner Bodenheizung und Waschbecken in jedem Zimmer ja sehr gut. Aber auch wiederum ist er sehr leicht gebaut. Schalldämpfung scheint den großmäuligen Erbauern nicht bekannt zu sein. Nun ist endlich mein Brief an die Gleeser Schulkinder fertig geworden. Am 8.1. begonnen ist es durch die viele Arbeit so spät geworden. Umso mehr werden sich die Kinder freuen. Heute haben wir solch reichliches Essen zu Mittag und Abend bekommen, wie in den ganzen Tagen noch nicht. Leider war das Sauerkraut so salzig, daß der "Küchenchef" uns Kaffeesäufer kaum zufrieden stellen konnte. 29. 3.1944 Mittwoch. Heute kann es ein herrlicher Tag werden. Spiegelglatt ist die See. Die Wipfel der schlanken Zypressen werden nicht mehr hin und hergebogen. So können wir heute nachmittag auf die Veranda geschoben werden. So kann es immer sein, zumal doch der Frühlingsanfang schon längst vorbei ist. Wieder ein schönes Sonnenbad im Bett. 30. 3.1944 Donnerstag. Das war eine verdammte Nacht. Die Ursache meiner Schmerzen und der Schlaflosigkeit zeigt mir heute der bewölkte Himmel Bei der Visite antwortet mir der Arzt auf meine Frage: "Wie lange noch?" nur mit dem einen Satz: "Lange, das wissen Sie ja!" So heißt es ausharren. Heute Mittag gibt es große Bescherung: Marketenderwaren für 3 Monate bis Mai einschl. Das gibt mal wieder eine nette Überraschung daheim. 31. 3.1944 Freitag. Dies verdammte Wetter hält immer noch an. Nebel und Regen mit Sturm. Das ist so etwas für den Fuß. Dazu ist an meinem Bett die Schelle. Um 2.00 und 4.00 und nochmal um 6.30 wollen die Kameraden sch... So werde ich jedes mal geweckt, eine verfluchte Schweinerei! Endlich ist der Morgen da und auch wieder: leider. Steinborn war heute als Besuch bei mir. Neue Märe weiß er zu berichten. Ofw. M. und Merkator sind schon vor einigen Tagen in Urlaub gefahren. Er selbst fährt am 8.4. von B. ab. So wäre ich noch außer dem Graber der einzige Anwärter. Wann? Schinken, Butter und Brot hat er mir wieder gebracht. Nun kann ich wieder essen. Heute durfte ich seit 4 Wochen mal wieder baden. Welch eine Wohltat! Hoffentlich wird es auch eine gute Nacht. Nun wird noch in der Abendstunde ein Brieflein an mein Frauchen geschrieben. Dann ist für heute Schluß! 1. 4.1944 Samstag. Nun beginnt ein neuer Monat. Hoffentlich zieht dann auch hier endgültig der Frühling ein. Heut aber noch stürmisch und regnet es. Meine Wunde macht dem Arzt und mir Freude. Nun hat der Eiter nachgelassen. Alles kommt zur Ruhe. Nach langem Liegen wird auch dies ein Ende haben. 2. 4.1944 Sonntag. Sonntag - Sonnentag. Heute paßt es nach den Regentagen sehr treffend. Strahlend die Sonne, strahlend das Meer! Das stimmt uns 3 von der Stube 7 auch froh. Heute war alles in Ordnung. Erstaunenswerterweise früh gewaschen, rasiert, ein gutes Mittagessen mit Nachspeise und 2 Gläschen Rotwein, zum Nachmittag ein Tellerchen ???früchte und dann zum Abendessen 4 Schinkenstullen. Und das schönste: ein langes Sonnenbad. 3. 4.1944 Montag. Heute ist ein langer Tag, denn die Uhr ist heute Nacht vorgestellt worden. Hochspannung herrscht, denn der Generalarzt wird erwartet. Die Sonne vermag den Wolkenschleier schlecht zu durchdringen. 4. 4.1944 Dienstag. Bei mri bleibt es jetzt schon mehrere Tage gleich. Ob es recht heilt. Dem Spaß kann man ja nicht trauen. 5. 4.1944 Mittwoch. Unser Kamerad Karl, ein ganz doofer Kutscher, hat schlecht geschlafen. Er zeigt in gemeiner Weise seine schlechtesten Eigenschaften. Ein ganz verblödeter Kerl. Na, der Tag scheint schön zu werden. So haben wir doch noch Aussicht, daß er sich bis zu Abend wieder geändert hat. Zudem ist sein "Adalbert Stifter Werk" heute zu Ende. Das hat er sich genommen unter dem Bemerken "Das ist wenigsten dick, da habe ich lange dran zu lesen!" Na, auf irgendeinem Wege muß der Mensch ja zum Kunstgenuß kommen. Heute haben wir gerade gegessen, da heißt es: Alarm! Gestern haben wir ja auch an 2 Stunden im Keller gelegen. In mehreren Wellen brausten die Amerikaner über der schützenden Wolkendecke über uns dahin, die 10.00Uhr Nachrichten geben Bukarest an. Heute ist es aber ganz hell. Der An- und Abflug der Wellen will ja kein Ende nehmen. Unser Alarm ist aber Unsinn, denn der Feind fliegt ja doch nur drüber weg. Der Stabsarzt der San. Komp. geht indessen raus zum Exerzieren, die Gehfähigen können auf ihr Zimmer gehen; nur wir müssen im Keller bleiben! Über dem Boden zieht es, das merkt man gut auf den niedrigen Bahren. Da liegen dann Kameraden mit verarzteten(?) Nieren, Rippenfellentzündung, Lungenentzündung, Amputationen, Seuchenkrankheiten; draußen marschiert ein verrückter Offz mit den San. Diese Hirnverbranntheit zeigt sich denn auch bei den Kameraden wenige Stunden später beim Messen des Fiebers. Sport, Exerzieren, Gewehrreinigen, Unterricht ist bei diesem Stabsarzt die Hauptsache. Wir Verwundeten und Kranken sind Nebennebensache. Ein Blick in dieses Gesicht mit seiner sinnlich aufgeworfenen Unterlippe gibt mir Aufschluß über alles andere. Ein herlicher Sonnentag! Von 13.00Uhr bis 18.00Uhr in der Badehose auf der Veranda im Liegesessel. So kann es nun jeden Tag gehen. 7. 4.1944 Freitag. Karfreitag. Wenn es Ostern auch so schön ist, dann wünsche ich mir gar nicht anderes. Heute kommen Briefe und Päckchen und alle meine Sachen. 8. 4.1944 Samstag. Heute freuen sich der Arzt und ich, denn beim Verbinden ist die Wunde zu. Keine Absonderung mehr. Aber: Trau schau wem! Gehen darf ich immer noch nicht. Innen ist doch noch nichts ausgeheilt. Das Wetter macht mir einen Srich durch mein Sonnenbad. 9. 4.1944 Sonntag. Ostern! Was sich macchen läßt, um uns Verwundeten diesen Tag merken zu lassen, geschieht. Zum Morgenkaffee ein rotes Ei. Mittags einen schönen Braten, Nachtisch, 2 Gläschen Rotwein. 14.00Uhr ein Tortenstück mit Bohnenkaffee. Zum Abendbrot 4 schöne Käsestullen mit einem Ei. Nach mehreren Monaten mal wieder ein frisches Ei, schön weich gekocht, wie es mir am besten gefällt. Dann gibt es heute noch eine Menge Bonbons und eine Feiertagszugabe an Tabak. Leider bleibt die Sonne aus. Sonst wäre alles in Ordnung. Ich beantworte Lothars Brief vom Kauf des Hauses, den ich am Freitag erhalten habe. 10. 4.1944 Montag. Auch heute gibt es wieder gutes Essen mit Beilagen! Ein Kamerad, der von einem anderen Zimmer gehen darf, pflückt mir auf einem Spaziergang Lorbeerblätter, die ich an Dora schicke. 11. 4.1944 Dienstag. 12. 4.1944 Mittwoch. 13. 4.1944 Donnerstag. Ein Kamerad aus Oberschlesien kommt noch zu uns aufs Zimmer. Alle 4 Betten sind belegt. Ganz bemerkenswert ist das, was der Kamerad über die Neuordnung in diesem Südostzipfel Deutschlands berichtet. In jeder Beziehung. 14. 4.1944 Freitag. Hurra, die Schiene wird abgenommen. Fuß bewegen, aber noch nicht auftreten. Langsam wird es also. Auch von Kam. Plaß, der heute zum Verpflegungsempfang mitkommt, bekomme ich ein großes Paket. Es sind meine letzten Sachen und meine in den letzten 8 Tagen eingegangene Post. Nun liegen wir jeden Tag von 13.30Uhr bis 18.00Uhr in der Sonne. So kann der Neger werden! 15. 4.1944 Samstag. Auch heute ist weider ein schöner Tag. Wie die Zeit vergeht! Schon ist die Osterwoche wieder vorbei. In wenigen Tagen ist der stolzeste Tag eines jeden Deutschen: Des Führers Geburtstag. Abends habeich gerade einen Brief an Gisela begonnen, da heißt es: Alarm. In der Abendstunde müssen wir in den Keller, während Geschwader gen Belgrad, Sofia oder Kronstadt fahren. 16. 4.1944 Sonntag. Wieder ein herrlicher Sonnentag, mit Fliegeralarm. Sogar 2x. 17. 4.1944 Montag. Und wiederum ein "Bratenwetter". Ich soll schon einige Stunden aufstehen. Nach wenigen Wochen ein guter Anfang. 18. 4.1944 Dienstag. Heute geht es sich besser. Aufstehen! Von der Kammer Schuhe und Hose! Geputzt daß es nur so funkelt. Nun kann ich selbst meine Post in den Briefkasten tragen. Allerdings geht es die 3 Stockwerke recht mühselig. Aber immerhin ein guter Fortschritt. Zum Frühstück hatte ich heute schon Post, einen Brief und ein Päckchen von Dora. 2 Bildchen aus dem Urlaub erfreuten mich am meisten. 19. 4.1944 Mittwoch. Mein Namenstag ist heute. Ersatz des Kuchens bildet(?) mir das Anschauen der gestern erhaltenen Bildchen. Eines stellt mein Frauchen am Kaffeetisch vor einem schönen Kuchen dar. Wenn ich jetzt im Urlaub wäre! 20. 4.1944 Donnerstag. Führers Geburstag. Zwar fällt er gegen die früheren Jahre etwas mager aus. Aber trotzdem schmeckt uns allen die Flasche Rotweines gut. Es ist als wenn die natur den Tag unseres Führers feiern wollte. Mit Macht ist über Nacht alles grün geworden. Freundlicher sieht nun die graue Bergwelt auf uns Menschlein zu ihren Füßen hernieder. Heute hat uns ein Kam. verlassen, der mit dem Transport über S. nach Deutschland kommt. Das war ein richtig dummdreister Stoffel, der sich am Rotwein besäuft und am letzten Tag zum Gespöätt aller Kam. wird. Mit einem goldenen Balkenorden auf der Brust und Malerei mit Kreide auf dem Rücken rückt er aus. Als Ersatz kommen 2 Kam. von anderen Zimmern auf unsere Stube. Walter Köppen, ein Malermeister aus Magdeburg, beim Kampf mit den Partisanen von Felsen in den Schnee gestürtz mit einer bösen Entzündung am Schienbein, und Helmut Rall, Zeichner im Baufach, dem bei einem Fliegerangriff ein Bombensplitter den rechten Unterarm abgeschlagen hat, daß er sofort auf die Erde fiel und nachher von Kam. gefunden wurde. 21. 4.1944 Freitag. 25. 4.1944 Dienstag. In den letzten Tagen war schlechtes Wetter, frühlingsmäßig, doch windig und bewölkt. Vogel- und Pflanzenwelt künden vom Leben. Wir aber können nicht mehr in der Sonnen braten. Mächtig packe ich meine Sachen und schicke alles in Päckchen ab. 26. 4.1944 Mittwoch. Heute ist Variete im OR. Wir Gehbehinderten werden im Lanka(?) runtergefahren. Die Prager Gruppe begeistsert uns restlos. Wieder mal deutsche Mädchen und Frauen beim Tanz zu sehen. Wenn auch manche Landser nicht in gewisser Beziehung auf ihre Kosten kamen, weil alles trotz schöner Darbietungen im "Rahmen" blieb, so haben wir doch diesen Abend als Besuch deutscher Menschen aufgefaßt, die uns Landser am der Adria nicht vergessen haben. 28. 4.1944 Freitag. Auf meine Frage, was denn mit mir geschieht, sagt der Stabsarzt: nach Deutschland zum Ersatz. 29. 4.1944 Samstag. Anläßlich des San.Kp. Sportfestes ist der Oberstabsarzt hier. Als er die Stuben durchgeht, sagt er auch: "Ab mit dem nächsten Transport nach Deutschland!" Nun wird das letzte Überflüssige noch abgeschickt. 30. 4.1944 Sonntag. Spät am Abend ist an der jenseitigen Uferstraße ein Feuerwerk. Ein LKW mit Ottr Petr. und Munition beladen wird von den Partisanen in den Bergen beschossen und erleuchtet glutrot beim Bersten der Granaten Berghänge und Wasser der Bucht. 1. 5.1944 Montag. Der schönste Monat des Jahres. Bald werde ich zu Hause sein. Augenblicklich is aber immer schlechtes Wetter: Nachts meist Sturm, tagsüber scharfer Wind. 3. 5.1944 Dienstag. Sprechen, Schreiben, Lesen, Schlafen, Essen: Inhalt des Lebens im Lazarett. 5. 5.1944 Mittwoch. Heute darf ich nach Ev. nochmals zu den Kameraden. Es ist schon Mittag, Marschportion und Ausweis sind empfangen, das Musterköfferchen(?) gepackt. Endlich, nach dem Mittagessen kommt Kamerad Plaß mich holen. Unten vor der Türe steht das Verpflegungsauto. Kamerad und Kollege Blankenheim ist auch da. Und nun geht es los! 28km immer am Wasser entlang. Wir fahren durch Z., wo ich am 21.12.43 den Dampfer bestieg. Und nun der Blick zur offenen Adria, wenn auch noch einzelne Inseln vorgelagert sind. Viel schöner ist hier die Landschaft. Palmen über Palmen. Eine Vegetation sondergleichen. Und doch nicht so schön wie unten an der Krimküste. Im Hotel Breca(?) finde ich meine Kameraden wieder. Vor mehreren Jahren hat Hermann Gorm 2 Nächte auf seiner Hochzeitsreise in diesem Hotel geschlafen. Schöner konnten sich die Kameraden gar nicht einrichten. Allerdings muß der Anstreicher noch ordentlich wirken. An der Türe treffe ich schon Mahr und Schwab, dann finde ich im Zimmer beim Hooß(?) Oberstltn. ??? Oltn. Reichert(?) udn Hooß(?). Herzlich ist die Begrüßung. Und weiter geth es zu Uffz Schmitt und Praß, beim Abendbrot treffe ich Oskar (ital. Hilfswilliger) und Obgefr. Schmidt. In der Küche ist dei Freude bei den kroatischen Mädels Maria und Katika groß. Sie sind vor einigen Tagen von K. nachgekommen. Und schließlich kommen heute noch Ofw. Meyer und OSchtz. Merkator vom Urlaub. Nun fehlt noch OSchtz. Graber, und alle wären beisammen. Mit Oberstltn. Mall und Oltn. Reichert(?) stehe ich lange auf dem Balkon und beim Erzählen erfreuen wir uns an der schönen Landschaft. Wenn auch fast alle 15 Minuten im Hafen die Sirenen warenen, das stört uns wenig. War doch den ganzen Tag über ein Brummen von vielen 4motorigen Bombern in der Luft. Mein Bett bekomme ich auch zugewiesen. Dann verabschiede ich mich schon von den Vorgesetzten, denn morgen soll es früh losgehen. Unten treffe ich die anderen Kameraden auf der Vermittlung. Da gibt es zu erzählen. Schließlich kommen auch noch Maria und Katika. Katika besitzt eine besondere Gabe der Karikatur. Alle werden druchgezogen. Bis 23.30 sitzen wird beisammen. Dann ist es doch Zeit zum Schlafengehen. 6. 5.1944 Samstag. Das Treppensteigen und das Rütteln im Auto haben mir zu stark zugesetzt. So verbringe ich eine fast schlaflose Nacht. Um 5.00Uhr stehe ich schon am Fenster um rauszuschauen in die Palmenpracht der Adrialandschaft. Kamerad Praß gibt mir noch etwas Öl, wie es jeder Kamerad erhält, der auf Urlaub fährt. Dann ist alles fertig. Um 7.30 trinke ich mit allen noch mal Kaffee, dann geht es ab. Mit Mahr und Maria fahren wir im LKW rund um die Bucht nach R. Eine schöne Fahrt. Wie sieht alles nun viel lieblicher aus im Maiengrün als "damals" im Dezember! Nachdem wir unsere Sachen aufgeladen haben, wird die Heimreise zum Lazarett angetreten. So habe ich in 2 Tagen eine Rundfahrt gemacht. Abschied vom Kameraden Mahr. Dann gehe ich aufs Zimmer. Als ich auf der Veranda bin, fährt der LKW gerade den Berg hinunter! Mit dem Stock winke ich ihnen zum Abschied. Werde ich sie wohl noch einmal sehen? Gestern und heute war sehr reger Luftverkehr. Zu Hunderten fliegen die Anglo-Amerikaner von der Basis Italien nach Südosteuropa. Wie zerschlagen lege ich mich sofort aufs Bett. Es war doch etwas viel. Gegessen wird zum Abendessen nicht viel. Früh lege ich mich zur Seite und kokse(?) bis morgen früh. 7. 5.1944 Sonntag. Heute sagt mir der Arzt: "Mit dem ersten besten Auto werden Sie abtransportiert!" Drum vergeht der Morgen mit Packen. Braun will ich auch noch werden. Also die schöne Sonne ausnutzen! 8. 5.1944 Montag. Heute beschaut sich der Arzt nochmal den Fuß. Resultat: "Mit dem Klumpen kann ich Sie nicht wegschicken!" Das ist mir auch recht, denn in der Kolonne wird doch besser für mich gesorgt. Wie soll ich mit meinem Gepäck weiterkommen? Wieder in die Sonne. 9. 5.1944 Dienstag. Heute will es mit dem Fuß überhaupt nicht mehr. Ich muß mich aufs Bett legen. 10. 5.1944 Mittwoch. Nun liege ich schon fast den ganzen Tag mit der Schiene am Bein wieder im Bett. Nach 8 Wochen wieder dasselbe! In allen Regenbogenfarben glänzt es um die Narbe. Bläulich schimmert eitriges Blut durch die hauchdünne Haut. In einigen Tagen wird es aufplatzen. So kann es noch oft weitergehen - bis der Fuß ab ist. Hoffentlich geht bald ein Transport nach Deutschland. Denn dort kann ich genau so gut liegen. Solange hat es nun doch nicht gedauert. Eben ist die Wunde gegen 20.00 aufgegangen. 11. 5.1944 Donnerstag. Bei der Visite ist der Arzt erstaunt. Röntgenaufnahmen ergeben noch einen eitrigen Knochenherd. Heute mal wieder Löhnung und Ausgabe von Marketenderwaren. 12. 5.1944 Freitag. Heute kommt wieder Kam. Plaß beim Verpflg.empfang zu mir. Am Nachmittag erscheint Stabsarzt ??? mit Feldw. Abel am Bett und gratuliert mir zu Uffz. Rückwirkend vom 1.Mai zum UFFZ befördert. Über eines freue ich mich besonders. Nun verschaffen mir die Litzen etwas Rücksichtnahme, wenn ich nun zum Ersatz komme. Bei den meisten Vorgesetzten ist ja doch keine Einsicht und menschliches Verhalten zu erwarten. Zum Begießen rückt die Marketenderin nichts heraus. So muß ich noch warten, bis zu meiner Entlassung, wenn wir unseren Bon gegen Schnaps einlösen können. 13. 5.1944 Samstag. Nun werde ich mit dem Bett auf die Veranda geschoben. Variete, und ich im Bett. 14. 5.1944 Sonntag. Heute scheint die Sonne herrlich. In Ruhe können wir draußen liegen, denn die angloamerikanischen Terrorbomber sind anscheinend bei der Offensive im Cassinogebiet[4] voll beschäftigt. So wirkt eins aufs andere. 15. 5.1944 Montag. Heute werde ich zum erstenmal verbunden. Na, der Fuß hat sich zu einem mehrwöchigen "Lager" entwickelt. 16. 5.1944 Dienstag. Mein "Uffz." muß noch begossen werden. So löst der Feldw. meinen Bon auf den Marketenderschnaps ein. Leider ist die eine Flasche für uns 4 von der Stube 7 und die anderen Uffz und Feldw. zu wenig. Na, es ist eben Frontlazarett. Nach dem Mittagessen habe ich einen solchen Schlaf, daß diesmal selbst das "Braten" nicht stattfindet. 17. 5.1944 Mittwoch. Heute ist großer Aufruhr und großer Umzug in Stube 7. 2 Betten von mir entfernt macht ein Kamerad (Köppen) wieder erfolgreiche Jagd auf Wanzen! Gestern hat er schon 16 geknackt, das Leinen wurde gewechselt. Aber heute stellte sich heraus, daß in seiner Schiene eine "Brutstätte" war. So wurde unsere wochenlange Stubengemeinschaft aufgelöst. In 3 verschiedene Stuben mußten wir übersiedeln. Ich liege nun mit Köppen zusammen in einer größeren Stube mit 10 Betten (Nr. 5). Die Schmerzen im Fußnehmen immer mehr zu. 18. 5.1944 Donnerstag. Endlich ist es soweit. Beim Verbinden muß der Arzt feststellen, daß es so nicht weiter geht. Morgen wird mal wieder aufgeschnitten und ausgekratzt. Große Lust hat der Arzt ja nicht, weil er sich selbst nicht viel davon erhofft. So will ich dann heute noch einen Brief an mein Frauchen schreiben. Denn vielleicht bin ich in den nächsten Tagen nicht gazu aufgelegt. 19. 5.1944 Freitag. Mopsfidel geht es in den Operationssaal. Wie mir am Abend die Kameraden erzählen, habe ich in der Narkose ordentlich Krach gemacht. "Tapfer" habe ich mit den Russen vor Sewastopol gekämpft. 2 Sanitäter haben dabei als "Russen" blaue Flecken davongetragen. Auf dumme Fragen: "Wann ist denn der Krieg aus?" gebe ich auch die dumme Antwort: "Du Rindvieh! Du Dusel, wenn er aus ist!" Was ich mir denn zum Abendessen wünsche? "Bratkartoffeln mit einem Ei!" So erhalte ich denn mal wieder schöne Bratkartoffeln mit einem Spiegelei. 20. 5.1944 Samstag. Ordentlich muß der Arzt gekratzt haben. Schlimmer als vor 10 Wochen. Das merke ich an den Nervenschmerzen. Am Nachmittag verspüre ich mitten in einem Gespräch mit dem Nachbarkameraden einen Kolbenschlag vom Muskel(?)kopf über Stirn, Augen und Nase, und ein Nervenanfall packt mich, daß ich zitternd und kraftlos weinend daliege. Hoffentlich wiederholt es sich nicht wieder. Die Schmerzen von Dnjepropetrowsk, Lemberg und Cosch(?) möchte ich nicht mehr mitmachen. 22. 5.1944 Montag. Umzug nach Zimmer 11. Der Kam. neben mir, ein Dometscher aus dem Burgenland, liegt mit 4 Brüchen am Bein in einem "Gerüst". In Ecken und Ritzen wimmelt es von Wanzen. Mit Äther ist der Feldw. schon zu Leibe gerückt, aber ohne Enderfolg. 28. 5.1944 Sonntag. Pfingsten! Nu einen Wunsch habe ich: Bald nach Hause zu kommen, um grüne Fluren, schattige Wälder zu sehen. Es steht ja doch fest, daß ich nach Deutschland komme. So rechne ich jeden Tag als verloren, den ich nicht in der Heimat verleben darf. 30. 5.1944 Dienstag. Um 17.00Uhr werde ich mit noch einem Kam. ins Nachbarzimmer gefahren. Mit 16 anderen, die hier im Einsatz gegen die Partisanen verwundet sind, empfange ich eine Anerkennung der mont. Regierung: 5 Päckchen Tabak, Zigarettenpapier, Streichhölzer und 50.-RM. Wenn ich hier auch nicht verwundetn bin, so achtet man doch meinen Einsatz als Verwundeter und das lange Liegen im Lazarett. 1. 6.1944 Donnerstag. Nun geht es mir seit einigen Tagen wieder besser. Der Arzt freut sich auch. Denn mein Fuß gefällt ihm doch nicht. So will er mich schnell wegschaffen und kommt damit meinemn Wunsche entgegen. 2. 6.1944 Freitag. Heute haben wir unsere Karabiner und Pistolen von der Kammer neben unser Bett bekommen. Immer wieder versuchen die Partisanen durchzubrechen. Alpha Epsilon Omega Pi [in griechischen Buchstaben] auf den Bergen gegen Alpha [s.o.] vor M und epsilon [s.o.] o d.L. Fast jeden Abend ist irgendwo eine Ballerei. Unsere San. Komp. wird alarmiert. Wir sind der Unmenschlichkeiten bewußt, die unser warten. Dann müssen selbst wir in unseren Betten in Verteidigungszustand sein. 3. 6.1944 Samstag. Von heute ab bekomme ich auch Sonderkost. Um 10.00Uhr 2 Schinkenschnitten mit Bouillon oder 1 Schnitte mit Hühnerfrikassee, nachmittags 2 Schnitten und Hartwurst. Von unserem Radio, das seit 8 Tagen auf unserem Zimmer steht, und vom Lesen haben wir abends wenig Freude. Unten ruft die Wache: "Licht aus!" Und schon ist es dunkel, alle Lampen sind aus. Denn es brummt schon in der Luft. "Der Partisanenversorger!" So geht das am Abend 4 bis 5 mal. Fast jeden Abend ärgert er uns, wenn gerade die Nachrichten durchgegeben werden. 6. 6.1944 Dienstag. Heute morgen werde ich gegen 4.30Uhr wach. Zum Fenster hinausschauend erlebe ich etwas herrliches: Bläulich umrahmen die Berge die mattglänzenden Wasser der Bucht. Blauviolett erhebt sich darüber das Morgengrauen. In diesem Blauviolett steht die goldige Scheibe des Vollmondes, deutlich die vollen Mondkraterschatten erkennen lassen. Auf dem Wasser spiegelt sich der ruhige Wander(?) 2 mal wieder, matt und näher zu uns glutrot! Flüssiges Eisen scheint im Meere zu glühen. Langsam sinkt der Feuerball auf den Kamm eines niederen Bergzuges, der im Westen die Bucht abschließt. Nun scheint nur mehr die halbe Mondscheibe herüber, die Glutreflexe sind erloschen. Sie und Bergwelt sind bereit, das Himmelsgestirn zu begrüßen, dem die südliche Landschaft ihren Zauber verdankt: Die Sonne mit ihrer Glut am strahlenden Himmel des Südens. Nun erhalten wir schon mal öfter Salat und Erbsen. Es ist zwar immer reichlich, aber zu spärlich. Wie ganz anders ist es doch jetzt in den deutschen Lazaretten. Kirschen und andere erfrischende Südfrüchte gab es als Nachtisch. Begleitmusik zum Essen machen uns heute die 4motorigen, die silbrig in der Sonne auf dem Heimflug nach Italien ihren Weg über unsere Berge nehmen. Um 7.30Uhr zogen sie zu ihrem Vernichtungswerk in irgendeinem Balkanland über uns den Weg nach Osten. In den Mittagsnachrichten wurde die Meldung durchgegeben, mit der das ganze deutsche Volk schon lange rechnete und zu deren Folgen wir 3 Jahre unentwegt gearbeitet haben. In der vergangenen Nacht kurz nach Mitternacht sind die Anglo-Amerikaner zu ihrer vielangesagten und mit Vorschußlorbeeren geschmückten Invasion im Raume Le Havre - Cherbourg gelandet. Ob nun die Entscheidung diese gewaltigen Völkerringens kommt? -------------------------------------------- [Auf den letzten zwei Seiten scheinen noch einige Buchtitel zu stehen:] Die Pflanze im Kampfe ums Dasein v. Günter Olberg u. Joachim Zabel Im Deutschen Verlag, Berlin. SEHR GUT Lebenswunder der Pflanzenwelt Lebenswunder der Tierwelt Paoul Francé Im Deutschen Verlag. 8 Ru. Sterbliches von Unsterblichen, 116 deutsche Anekdoten von Edgar Diehl Bildgut Verlag - Essen. GUT Die heiligen Köpfe. Ein Bauernbuch Otto Bangert Otto Meißners Verlag, Hamburg Hans Friedr. Blunck, Wolter von Plettenberg Deutschordensmeister in Livland Soldatenbücherei Bd.86. GUT Der Weltprotestantismus in der Entscheidung Wilhelm Brachmann Junker u. Dünnhaupt Verlag. Berlin. 1937. Aufschlußreich. Ehm Welk Die Heiden von Kummerow Soldatenbücherei Bd.83. Deutscher Verlag, Berlin Karl Bartz Männer, dem Himmel verfallen (Aus dem Leben deutscher Einflieger) 1941, Paul Neff Verlag, Berlin Lütt Heidelärk En plattdütsche Dichtung W. [=Wilhelmine] Resimius Berkow Bevensen, Wilh. Brudermann Verlag. 1920 Karl Springenschmid Sechs gegen Napoleon Verlag "Das Berglandbuch". Salzburg Bubengeschichte 1809. ------------------------------------------------------------------------------- Anmerkungen [1] 16.6.1943 und 7.9.1943 Seine Verwundung ist vermutlich im Zuge des "Unternehmens Störfang" (7.6.1942 bis 1.7.1942) zustandegekommen, bei dem die 11. Armee zusammen mit rumänischen Verbänden Sewastopol einnehmen sollte. http://www.geocities.com/Pentagon/1630/sewa_battle.htm http://balsi.de/offensivesued.htm [2] 7.2.1944 Der Kommandeur der 72. Inf.Div. war Oberst Hermann Hohn, der das Ritterkreuz mit Eichenlaub am 7.6.1942 verliehen bekam. Einige Monate später, am 31.10.1944, bekam er als Generalmajor Dr. Hermann Hohn noch das Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwert. http://www.feldgrau.com/hkcwo.html http://www.feldgrau.com/hkcwos.html [3] 4.12.1943 Das Seitengewehr ist das Bajonett, das auf den Kar98 aufgepflanzt wurde. [4] 14.5.1944 Cassinogebiet: Berggebiet in Nordwest-Italien. Casino war ein Kloster auf einem Berg (Monte Casino), das von den Deutschen bis Ende 1944 gehalten wurde und von Briten und Amerikanern schwer bombadiert wurde. [5] 29.6.1943 Frau Müller: die Ehefrau des Lehrers Müller aus Wehr. [6] 15.5.1943 u.a. Frl. Prümm: eine Lehrerin aus Wehr. [7] 25.5.1943 Herr Neuhöfer: besaß ein kleines Lebenmittelgeschäft im Haus der Familie Brenk ------------------------------------------------------------------------------- Biographische Information (vielen Dank an Robert Nonnen) Das Tagebuch stammt von Werner Treins. Er wurde im Jahr 1939 als Lehrer nach Glees versetzt. Dort wohnten er und seine Frau Dora Emilie (geb. Gassmann) zunächst im Schulhaus, später in einem Privathaus. Werner Treins war ein fanatischer Anhänger des Hitler-Regimes, und schon bald hatte er sich im Dorf mit den Eltern der Kinder überworfen. Beispielsweise wollte er in der Schule alle Kruzifixe entfernen. Die Gegenwehr der streng katholischen Dorfbewohner war jedoch so heftig, daß er sein Vorhaben abbrechen mußte. Auch seine Ehe litt darunter, vor allem da Dora bei den Dorfbewohnern gern gesehen war, denn sie arbeitete aktiv in der Kirche mit und hat u.a. laut gegen Hitler protestiert. Werner Treins wurde Ende 1940 eingezogen, unmittelbar nach einer Überprüfung der Lehrer durch das NS-Regime, und direkt zum Kriegseinsatz verpflichtet. Die genauen Hintergründe sind nicht bekannt. Im Rußlandfeldzug wurde er dann am Bein verwundet. Die Wunde entzündete sich später, wie es auch im Tagebuch beschrieben wird. Wohl wegen der schlechten ärztlichen Versorgung mußte das Bein später amputiert werden. Werner Treins hat den Krieg überlebt. Da aber sowohl die eigene Familie als auch die Gleeser Bevölkerung nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte, zog er mit seiner Frau nach Bad Neuenahr, wo er (1960?) verstarb. Kinder hatte das Ehepaar Treins nicht. Seine Frau Dora hat Glees noch mehrfach besucht, während Werner Treins sich dort nie mehr hat blicken lassen. Dora Treins starb im Jahre 2003 im Alter von 82 Jahren. Vermutlich sind bereits einige Jahre zuvor einige Möbel verkauft worden, wodurch das Tagebuch auf den Trödelmarkt gelangte. Von dem Tagebuch ihres Mannes wußte Dora nichts. [hinzugefügt am 20.3.2005]